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Dieser Förderturm wird bald auf dem ehemaligen Schachtareal stehen.

Peißenbergs Förderturm im Kleinformat

  • Bernhard Jepsen
    vonBernhard Jepsen
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Der Förderturm ist das Symbol eines jeden Schachtbergwerks. Auch am Zieglmeierschacht in Peißenberg stand eine 56 Meter hohe Förderanlage. Nach der Stilllegung des Bergwerks 1971 wurde sie gut anderthalb Jahre später gesprengt. Doch am ehemaligen Schachtareal wird bald wieder ein Turm stehen – im Maßstab 1:10.

Peißenberg – Von einem Jubiläum kann man bei dem Jahrestag eigentlich nicht sprechen, aber am 31. März jährt sich heuer zum 50. Mal das Ende des Kohleabbaus in Peißenberg. Franz Merkl kann sich noch gut an die Schließung des Bergwerks am Zieglmeierschacht erinnern. Als Mitglied der Grubenwehr war der heute 82-Jährige bis zur letzten Schicht dabei. Viele seiner Kameraden hatten sich schon zu Agfa, MTU oder Siemens verabschiedet. Die Firmen siedelten sich damals in Peißenberg mit Werkshallen an.

Wehmut kam bei Merkl ob der Bergwerkschließung nicht auf. Die zunehmende Mechanisierung unter Tage sorgte zwar für höhere Förderleistungen, aber auch für mehr Lärm und Staub: „Rückblickend war die Schließung aus gesundheitlicher Sicht ein Volltreffer für mich. Nur beruflich musste ich mit 32 Jahren und zwei kleinen Kindern wieder bei Null anfangen.“

Über 17 Jahre lang war Merkl im Bergwerk beschäftigt. Er hat 1954 noch das alte Schachthaus und den alten Förderturm miterlebt. Im selben Jahr wurde dann ein neuer, 56 Meter hoher Förderturm gebaut – „ohne dass auch nur eine Schicht ausgefallen wäre. Das war eine grandiose Ingenieursleistung“, schwärmt Merkl noch heute.

Der Bergbau ist immer noch stark mit Peißenberg verknüpft. Dieses Bild von Ursula Schindlbeck ist das Zeichen der neuen Serie „50 Jahre Schicht im Schacht“

Der „neue“ Förderturm wurde anderthalb Jahre nach der Grubenschließung am 25. November 1972 gesprengt – für Merkl war das damals nur eine Randnotiz: „Ich hab’ das Sprengungsbild in der Zeitung gesehen“, erzählt er. Aber Zeit für Sentimentalitäten verschwendete er damals nicht: „Der Bergbau war Vergangenheit und das Loch zugeschüttet. Ich musste mich um meine Familie kümmern und schauen, dass es beruflich weitergeht.“

Merkl kam bei Agfa unter und schulte auf Werkzeugmacher um – für ihn ein „Traumberuf“: „Die letzten fünf Jahre vor der Rente habe ich überwiegend gezeichnet.“ Das geometrisch-mathematische und handwerkliche Geschick hat Merkl geholfen, als er vor längerer Zeit für das Bergbaumuseum ein Modell des ersten Förderturms (1915 bis 1954) nachbaute. Und vor zwei Jahren fing er wieder an, Baupläne zu zeichnen und Statiken zu berechnen. Bei der Einweihung des Förderturms am „Roche“-Kreisel in Penzberg war bei Mitgliedern des Peißenberger Knappenvereins die Idee aufgekommen, ein ähnliches Projekt anzugehen. Als Erbauer des zweiten Förderturms war schnell Merkl auserkoren worden – und für den war klar: „Wenn ich das jetzt nicht mache, dann macht es keiner mehr.“

Weil es keine Baupläne mehr vom BHS-Förderturm gab, hat sich Merkl alte Fotos – unter anderem vom Hebauf – besorgt und die Konstruktion akribisch nachskizziert. Vieles von der Architektur hatte er zudem noch im bildlichen Gedächtnis: „Ich bin ja jeden Tag an dem Turm vorbeigegangen.“

Gebaut wurde auf der heimischen Terrasse, was nicht unbemerkt blieb: Merkls Haus liegt direkt am stark frequentierten Bahnübergang an der Forster Straße. Spaziergänger haben Merkl immer wieder angesprochen und auch die Bauarbeiter der Deutschen Bahn, die den Bahnübergang im vergangenen Jahr modernisierten, wollten wissen, was die Holz-Alumetall-Konstruktion denn darstellen soll: „Die haben gedacht, ich baue einen Personenaufzug in die obere Etage meines Hauses“, erzählt Merkl.

800 Arbeitsstunden hat der Senior in den Bau des fünf Zentner schweren Förderturmmodells gesteckt. Zusammengehalten wird das Gerippe von 6500 Nieten. „Das Original hatte viel mehr“, weiß Merkl. Ob er zufrieden mit seinem Werk ist? „Sicher“, gibt er schmunzelnd zur Antwort: „Ich war schon vorher davon überzeugt, dass es was wird.“

Der Förderturm ist eine Spende an die Gemeinde respektive den Knappenverein. Dessen Vorsitzender Rudi Hochenauer ist froh über Merkls Engagement: „Er lässt sich immer etwas einfallen.“ Im Frühjahr noch soll das Turmmodell per Kran und Lastwagen zum ehemaligen Zieglmeierschacht im Peißenberger Einkaufpark transportiert werden.

Ob die Aktion noch bis zum „Jubiläum“ am 31. März über die Bühne gehen kann, ist ungewiss: „Das hängt vom Wetter ab“, sagt Hochenauer. Der Turm soll nicht direkt am Schacht-Rondell, sondern gut sichtbar an der Straßenkreuzung „An der Grube/Am Holzgarten“ auf einer Betonbodenplatte montiert werden.

Doch das soll nicht alles sein: Das ganze Areal, das die Gemeinde vor drei Jahren von der Peißenberger Kraftwerksgesellschaft (PKG) gekauft hat, soll aufgewertet werden – unter anderem mit Informationstafeln: „Es soll einfach erkennbar werden, dass es früher an der Stelle über 1000 Meter in die Tiefe gegangen ist“, erklärt Hochenauer.

Für Merkls Förderturm musste übrigens ein Bauantrag gestellt werden. Der liegt aktuell noch beim Landratsamt. Probleme mit der Genehmigung sind nicht zu erwarten. Ein statisches Gutachten hat bereits grünes Licht gegeben. Merkl hat also alles korrekt berechnet: „Der kann locker die nächsten 50 Jahre stehen – rosten tut der nicht“, versichert der Erbauer – und: „Der Förderturm gehört zu Peißenbergs Geschichte einfach dazu.“

In der Serie

„50 Jahre Schicht im Schacht“ erinnern wir an das Ende des Bergbaus in den Orten Peißenberg und Hohenpeißenberg am 31. März 1971. Im Rahmen der losen Serie zeigen wir historische Bilder und erzählen Geschichten rund um den Bergbau.

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