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So sieht er aus, der Barbaranhof.

Denkmalschutz stellt Ensemble unter Schutz

Pläne für den Barbarahof gestoppt

Die „Wohnbau GmbH“ hatte auf dem Gelände des Barbarahofs  sozialen Wohnungsbau geplant. Jetzt wurde dieser jedoch unter Ensembleschutz gestellt. 

Peißenberg – „Bestehendes erhalten – Neues schaffen.“ Unter diesem Motto wollte die „Wohnbau GmbH Weilheim“ den Wörther Barbarahof nachverdichten. Die Pläne für den sozialen Wohnungsbau waren weit gediehen. 2018 sollte der Spatenstich für die Errichtung von drei zusätzlichen Gebäudekomplexen mit insgesamt 28 Wohnungen fallen. Alles in trockenen Tüchern? Mitnichten. Die „Wohnbau“ hat das Projekt zähneknirschend auf Eis legen müssen. Der Grund: Im Rahmen des vom Peißenberger Gemeinderat initiierten Bebauungsplanverfahrens senkte die zuständige Denkmalschutzbehörde den Daumen. Der Barbarahof, der 1950 zum Teil im Rahmen des Marshall-Plans errichtet wurde, ist unter Ensembleschutz gestellt worden. Neubauten in der ehemaligen Bergarbeitersiedlung sind laut Meinung der Denkmalschutzbehörde ausgeschlossen.

„Die Nachverdichtung im Barbarahof ist vorerst gescheitert. Wir haben die Planungen gestoppt“, bestätigt Helmut Bachlatko, der Interimsgeschäftsführer der „Wohnbau“, auf Nachfrage der Heimatzeitung. Für die Gesellschaft, an der neben dem Landkreis unter anderem der Markt Peißenberg beteiligt ist, bedeutet das Veto der Denkmalschutzbehörde einen schweren Schlag. Sie hat den Barbarahof 2010 von der BHS allein unter der wirtschaftlichen Prämisse gekauft, das Areal später baulich nachzuverdichten. „An den Denkmalschutz hat damals kein Mensch gedacht“, sagt Bachlatko. Wie hoch der Schaden zu beziffern ist, darüber will sich der GmbH-Chef nicht konkret äußern. Die „Wohnbau“ sei nicht auf Gewinnmaximierung ausgelegt, und Projekte würden erst nach vielen Jahren abschließend bewertet. Der Barbarahof-Deal sei im Nachhinein aber „auf jeden Fall“ ein Draufzahlgeschäft. „Das ist total prekär.“. Man habe sanierungsbedürftige Häuser „geerbt“, könne aber nun nichts entwickeln.

Ganz aufgegeben hat die „Wohnbau“ die Nachverdichtung im Barbarahof zwar noch nicht, „aber ich bin äußerst skeptisch, ob es noch klappt“, räumt Bachlatko ein. Geprüft werden soll, ob eine „etwas lockerere Bebauung“ mit zwei statt drei Gebäuden und weniger Flächenversiegelung bezüglich der Stellplätze realisiert werden kann. Doch die Parkraumsituation ist schon jetzt ein großes Problem im Quartier. Viele Barbarahof-Bewohner müssen mangels Alternativen ihre Fahrzeuge in den engen Seitenstraßen abstellen – zum Unmut der dortigen Anlieger. Bei noch weniger Parkfläche könnte es „Komplikationen“ geben, weiß Bachlatko – dennoch: „Wir schauen, was noch zu retten ist“, kündigt der „Wohnbau“-Geschäftsführer an: „Die Marktgemeinde ist auf die zusätzlichen Wohnungen im Barbarahof angewiesen. Das ist das Schlimme. Ich weiß nicht, wo wir die Wohnungen sonst herbekommen sollen.“

Derzeit hat die Rathausverwaltung knapp 170 Anfragen für Sozialwohnungen registriert. Tendenz steigend. Das Problem: Die Gemeinde kann immer weniger Einheiten anbieten, weil viele bestehende Sozialwohnungen mit der Zeit aus der Bindungsfrist fallen und auf dem freien Markt offeriert werden. Ein Dilemma, das durch das vorläufige Projekt-Aus für den Barbarahof verstärkt wird: „Ganz ehrlich, ich finde die Entscheidung des Denkmalschutzes unheimlich tragisch“, sagt Bürgermeisterin Manuela Vanni: „Ich verstehe die Abwägung überhaupt nicht. In Schongau zum Beispiel dürfen die alten ,Haindl‘-Wohnungen abgerissen werden.“

Nicht gut zu sprechen ist die Rathauschefin zudem auf ihren Amtsvorgänger, Altbürgermeister Hermann Schnitzer: „Dass die Nachverdichtung des Barbarahofs durch ihn mitverhindert wurde, dafür habe ich überhaupt kein Verständnis.“ Schnitzer hatte Ende 2015 zum Protest aufgerufen, als die „Wohnbau“ die einsturzgefährdeten Holzlegen im Barbarahof abreißen lassen wollte. Unter seiner Regie wurde die Initiative „Pro Barbarahof“ gegründet, die sich für den Erhalt des historischen Erscheinungsbildes der Siedlung starkmachte. Schnitzers Engagement hätte sich Vanni an anderer Stelle gewünscht: „In seiner Amtszeit sind viele Gebäude aus der Bergwerkszeit weggekommen. Das ist sehr schade“, spielt die Bürgermeisterin auf das heutige Einkaufspark-Gelände an der Hochreuther Straße an. Schnitzer war von der Heimatzeitung für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Bernhard Jepsen

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