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Barrierefrei ist der neue Post-Shop nun zu erreichen. Trotzdem bekommt Rosi Liedtke seit der Eröffnung viel Kritik zu hören.

Beschwerdewelle nach Umzug

Post-Shop nun barrierefrei: Trotzdem hagelt es Kritik

Der Peißenberger Post-Shop ist nach dem Umzug barrierefrei zu erreichen. Was die Eigentümer gut gemeint hatten, beschert ihnen jetzt Ärger.

Peißenberg – Rosi Liedtke und ihre Tochter Melanie Habersetzer haben es eigentlich gut gemeint, als sie Ende August mit ihrem Post-Shop von der Hauptstraße 85 ein Peißenberg in paar hundert Meter weiter zur Hausnummer 78 zwischen Gasthof „Sonne“ und Pension „Andrea“ umgezogen sind. Immer wieder hatte es Beschwerden gegeben, weil der alte Laden nur über eine steile Betontreppe zu erreichen war. Für Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer eine unüberwindbare Barriere. Als dann auch noch der Sozialverband VdK nach einem Ortstermin Druck machte, entschieden sich Liedtke und ihre Tochter nach neun Jahren zum Standortwechsel. Alles gut? Schön wär’s! Die Post-Shop-Inhaberinnen stehen wegen des Umzugs in der Kritik. Barrierefreiheit hin oder her: Viele Kunden bemängeln nun, dass direkt vor der Ladentür keine Parkplätze zur Verfügung stehen.

„Wir sind von den Protesten regelrecht überrollt worden“, erzählt Liedtke. Für sie und ihre Tochter ist die Situation „total frustrierend“: „Es ist nervlich anstrengend. Bei jedem zweiten Kunden muss man sich rechtfertigen. Für uns ist das ein Schlag vor den Kopf“, beklagt Habersetzer. Die Eröffnungsfeier wurde abgeblasen: „Vielleicht holen wir die um Weihnachten herum nach, aber jetzt ist nicht die Stimmung dafür“, sagt Habersetzer, die kurz sogar überlegt hat, hinzuschmeißen.

Doch Mutter und Tochter haben viel Energie, Herzblut und vor allem Geld in den neuen Laden gesteckt. Allein die Alarmanlage hat einige tausend Euro verschlungen. Von der Post kam keine finanzielle Unterstützung. Der Konzern sponsert Neueröffnungen, aber keine Umzüge. Zudem gibt er strenge Auflagen. Liedtke und Habersetzer müssen ihre Agentur zwingend an der Hauptstraße in zentralem Umkreis von 400 Metern betreiben. Das schränkt die Suche nach geeigneten Immobilien massiv ein. „Darum war es für uns ja ein Glücksfall, dass wir etwas Barrierefreies bekommen haben“, sagt Liedtke. Der neue Standort hat ihrer Meinung nach nicht nur wegen des ebenerdigen Zugangs Vorteile. Die Kritik an der Parkraumsituation kann sie jedenfalls „nicht ganz nachvollziehen“. Rechts neben dem neuen Shop gebe es zwei Stellplätze und gegenüber auf der anderen Straßenseite eine große Parkbucht. Liedtke bedauert, dass manchen Kunden das Hintergrundwissen fehlt. Dass etwa kein Briefkasten mehr vor der Ladentür aufgestellt sei – so wie am früheren Standort –, habe rechtliche Gründe. „Der Hauseigentümer muss dafür sein Okay geben“, erklärt Liedtke. Doch die Post habe der Vermieterin einen „wenig eleganten Vertrag“ vorgelegt mit hohen versicherungstechnischen Auflagen: „Ich kann verstehen, dass sie den nicht unterschrieben hat“, sagt Liedtke. Die Kunden können natürlich ihre bereits frankierten Briefe in der Agentur abgeben, ohne etwas zu kaufen. Im Laden soll demnächst auch eine Sammelbox aufgestellt werden.

Der Shop ist übrigens ein „vollwertiges Postamt“, wie Liedtke betont. Der Laden sei deshalb infrastrukturell für die Gemeinde eine wichtige Einrichtung. Entsprechend würde man sich mehr Unterstützung aus dem Rathaus wünschen. In der Vergangenheit habe die Gemeinde ihren Postverkehr aber nicht über die Agentur abgewickelt, sondern zum Beispiel Postmarken über das Internet bestellt. Gespräche seien zwar geführt worden, „aber da hieß es immer, ein Bezug über den Shop sei zu umständlich“, beklagt Habersetzer: „Andererseits soll man den Strom aber regional bei den Gemeindewerken kaufen.“ Liedtke verweist zudem darauf, dass der Umzug von Bürgermeisterin Manuela Vanni „sehr befürwortet“ und von ihr auch finanzielle Hilfe zugesagt worden sei. In einem Brief habe die Rathauschefin dann aber lapidar mitgeteilt, dass eine Förderung doch nicht möglich ist. Liedtke geht die ganze Sache „sehr nahe“: „Ich bin die Einzige in Peißenberg, die die Post-Filiale solange gehalten hat – trotz aller Widrigkeiten. Reich wird man mit der Post nämlich nicht.“

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