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„Psychiatrie der Zukunft“ in Peißenberg: Patienten werden daheim betreut

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Von: Bernhard Jepsen

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Berichteten über den Start der „Stationsäquivalenten Behandlung“: (v.l.) Katharina Kopiecny (Geschäftsführerin der kbo-Lech-Mangfall-Kliniken), Florian Seemüller, Sabine Kühne (kbo-Standort Peißenberg), Thomas Lippmann, Martin Spuckti und Andrea Jochner-Weiß.
Berichteten über den Start der „Stationsäquivalenten Behandlung“: (v.l.) Katharina Kopiecny (Geschäftsführerin der kbo-Lech-Mangfall-Kliniken), Florian Seemüller, Sabine Kühne (kbo-Standort Peißenberg), Thomas Lippmann, Martin Spuckti und Andrea Jochner-Weiß. © Bernhard Jepsen

„Ambulant vor stationär“: Dieser Grundgedanke im Rahmen der psychiatrischen Therapie wird im Landkreis vorangetrieben – mit der „Stationsäquivalenten Behandlung“. Dahinter verberge sich die „Psychiatrie der Zukunft“.

Peißenberg – Seit März 2010 ist im ehemaligen Peißenberger Krankhaus unter dem Dach der „Kliniken des Bezirks Oberbayern“ (kbo) die psychiatrische Tagesklinik und Institutsambulanz der Lech-Mangfall-Kliniken einquartiert. Die Einrichtung übernimmt nun eine Vorreiterrolle: Neben dem kbo-Isar-Amperklinikum in Haar wird die Peißenberger Tagesklinik der zweite Standort in Bayern sein, der in die „Stationsäquivalente Behandlung“ (StäB) einsteigt.

Bislang waren intensivere Behandlungen von psychiatrisch-psychotherapeutischen Erkrankungen in der Regel nur stationär möglich – für die Landkreisbürger mangels Angebote zumeist fernab vom Wohnort. Seit 2018 gibt es für Kliniken jedoch die Möglichkeit, Patienten mit der Indikation eines stationären Aufenthalts auch zuhause, also in ihrem familiären und sozialen Umfeld zu therapieren. Davon macht die Peißenberger Tagesklinik nun Gebrauch. Dr. Florian Seemüller, Chefarzt der kbo-Lech-Mangfall-Kliniken in Garmisch-Partenkirchen und Peißenberg, sprach beim Pressegespräch zur Vorstellung des Konzepts von einer „Station ohne Mauern“.

Patienten werden zuhause besucht

Und wie sieht die StäB in der Praxis aus? Vom Standort der Tagesklinik in Peißenberg aus wird ein multiprofessionelles Team die Patienten zuhause aufsuchen. Die tägliche Therapie soll mindestens eine Stunde dauern. Mit Ausnahme von schweren somatischen Erkrankungen respektive Akutfällen umfasst die StäB sämtliche Diagnosen und Altersgruppen. Der Vorteil der häuslichen Behandlung: Sie schließt vor allem auch Zielgruppen ein, die auf die Vertrautheit ihres heimischen Umfelds angewiesen sind oder Vorbehalte gegen einen klinischen Aufenthalt haben (Stichwort: „Stigmatisierung“). Auch postpartale Depressionen fallen ins Spektrum. Durch die Vermeidung der stationären Aufnahme bleibt die Mutter-Kind-Bindung erhalten. Ein weiterer Vorteil: Der Übergang in das soziale und gesellschaftliche Leben fällt den Patienten nach der Behandlung leichter. Sie verlieren durch die häusliche Therapie nicht ihre Alltagstauglichkeit. „Das Ziel der Behandlung kann besser erreicht werden. Es ist eine hoch individualisierte Therapieform“, betonte Seemüller: „Die StäB ist die modernste Behandlungsform, die es gibt. Der Bedarf ist garantiert da.“ Gestartet werden soll die StäB zunächst mit fünf Plätzen. In anderthalb Jahren soll die Zielmarke von 20 erreicht werden. Das würde in etwa der Kapazität einer klinischen Vollstation entsprechen.

Apropos Vollstation: Die war eigentlich vom Landkreis immer anvisiert worden. Als Standort war das potenzielle Krankenhaus-Erweiterungsgrundstück in Weilheim an der Ecke „Alpenstraße/Johann-Bauer-Straße“ im Gespräch. Die Verhandlungen bezüglich einer vollstationären, psychiatrischen Klinik blieben aber erfolglos.

Bindeglied zwischen Tagesklinik und stationärem Aufenthalt

Von einer Vollstation spricht jedenfalls keiner mehr. Die StäB soll nun die Versorgungslücke schließen. Martin Spuckti, kbo-Vorstandsvorsitzender, sprach bei der Pressekonferenz von einem „Bindeglied“ zwischen Tagesklinik und stationärem Aufenthalt: „Die StäB ist die Psychiatrie der Zukunft.“ Im vollstationären Bereich laufe man personell und baulich in Engpässe. Die StäB könne für Entlastung sorgen und „weiße Flecken“ auf der Versorgungslandkarte beseitigen. Für Spuckti ist klar: „Wir müssen in Versorgungsketten denken.“

Genau das hält auch Thomas Lippmann, der Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH des Landkreises, für die richtige Strategie. Die „abgestuften Angebote“ seien „fortschrittliche Konzepte“. Diesbezüglich gebe es auch viele Parallelen zur normalen Krankenhaus-Landschaft. „Wir als Krankenhaus GmbH begrüßen die Pläne der kbo“, so Lippmann.

Auch Andrea Jochner-Weiß war voll des Lobes: „Das Angebot der StäB ist wirklich super“, erklärte die Landrätin: „Für die Patienten ist das im Vergleich zu einem stationären Aufenthalt eine leichtere Hürde.“

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