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Machten sich Gedanken über die Selbsthilfe: Die Leiter der Arbeitsgruppen und die Experten beim „Psychiatrischen Selbsthilfetag“. Der Leiter der Veranstaltung, Hermann Stemmler, steht in der hinteren Reihe mittig.

Psychiatrischer Selbsthilfefachtag in der Tiefstollenhalle

Selbsthilfe: Schwächen im System

Peißenberg - Beim psychiatrischen Selbsthilfefachtag in der Peißenberger Tiefstollenhalle wurde über die Schwächen im System gesprochen:

In den Landkreisen Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen gibt es noch keine Beschwerdestelle, an die sich die Betroffenen oder ihre Angehörigen wenden können, wenn es in der psychiatrischen Versorgung Probleme gibt. Diese Feststellung ist eines der Ergebnisse, zum dem die vier Arbeitsgruppen beim „Psychiatrischen Selbsthilfefachtag 2016“ gekommen sind. Zu der Veranstaltung hatten sich rund 100 Betroffene und Angehörige in der Tiefstollenhalle in Peißenberg getroffen.

Hermann Stemmler vom Bezirk Oberbayern, der den Tag organisiert hatte, sieht gerade in einer solchen Beschwerdestelle eine sehr wichtige Einrichtung. Es gebe bereits zahlreiche solche Stellen im Regierungsbezirk, bei denen jährlich insgesamt rund 1600 Beschwerden eingehen. Ein großer Teil davon seien Kleinigkeiten oder Probleme, die leicht zu beheben seien. Aber etwa zehn Prozent seien „echte Hämmer“, wie er in einem Gespräch mit der Heimatzeitung nach der Veranstaltung sagte. Hier bestehe echter Handlungsbedarf. Die Sachkosten für eine solche Beschwerdestelle würde der Bezirk Oberbayern übernehmen.

Was laut Stemmler ebenfalls noch fehlt, ist die Vernetzung der Betroffenen. Während die Angehörigen bereits Selbsthilfegruppen gebildet hätten, würden sich die Betroffenen kaum zur gegenseitigen Hilfe zusammenfinden.

Ein weiteres Defizit gibt es nach Feststellung von Tagungsteilnehmern noch bei der Inklusion. Laut Ute Wilhelmi vom Bezirk Oberbayern, die die Arbeitsgruppe „Selbsthilfe und Arbeit“ leitete, ist Arbeit für Menschen mit psychischen Erkrankungen wichtig. Sie schaffe ihnen nicht nur Freiraum, sondern ermögliche ihnen auch die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, die für sie sehr wichtig sei. Unternehmen sollten mehr Arbeitsplätze für die Betroffenen einrichten, so Wilhelmi. „Das Zauberwort heißt ,Inklusion‘“, sagte auch Stemmler, der in der psychischen Gesundheit eine der großen Zukunftsaufgaben sieht. Sie sei eine gesellschaftspolitische Herausforderung.

von Alfred schubert

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