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Rathaus Peißenberg

Hauselektrik zu alt für Photovoltaikanlage

Ende 2017 wurden auf dem Dach des Peißenberger Rathauses Photovoltaikmodule installiert. Allerdings liefert die Anlage keinen Strom. Sie kann nicht an die Hauselektrik angeschlossen werden, weil diese veraltet ist.

Peißenberg – Das Ganze klingt eigentlich nach einem wunderbaren Projekt: Der Grundlastverbrauch im Rathaus – unter anderem für EDV-Stationen, Server und Kompressionskühlanlage – ist mit rund 12 kW extrem hoch. Die PV-Module mit ihrer Leistung von 24 kW könnten an Tagen mit ausreichend Sonnenschein einen Großteil des Stromverbrauchs abdecken. Die Betonung liegt allerdings auf „könnte“. Die beauftragte Firma „actensys“ hat zwar die Module installiert – und das „fachlich sauber“, wie der Weilheimer Niederlassungsleiter Martin Pape ausdrücklich betont.

Allerdings wurde die Verkabelung nur bis zum Wechselrichter gelegt. Ein Anschluss an die knapp 50 Jahre alte Hauselektrik war nicht möglich, weil selbige nicht mehr den aktuellen VDE-Richtlinien entspricht. Das heißt, die Elektrik muss vor Inbetriebnahme der PV-Anlage erst massiv aufgerüstet werden - zum Beispiel mit einem komplett neuen Zählerschrank. Der gemeindliche Gebäudemanager, Stefan Pröbstl, spricht von einem „ganzen Rattenschwanz“ an Maßnahmen, die bis zu 15 000 Euro kosten werden: „Das alles ist sehr aufwändig. Man darf so etwas nicht mit einem Einfamilienhaus vergleichen.“ 

Peinliche Situation für die Rathausverwaltung

Dennoch: Für die Rathausverwaltung, die das Projekt in Eigenregie konzipierte, ist die Situation alles andere als imagefördernd – das weiß auch Pröbstl: „Wenn eine Anlage auf dem Dach installiert wird“, räumt er ein, „dann sollte sie auch laufen.“ Aber waren die Probleme mit der Hauselektrik nicht schon im Vorfeld vorhersehbar? Zu dieser Frage gibt es zwei unterschiedliche Darstellungen. „In dem Ausmaß hatten wir das nicht auf dem Schirm“, beteuert Pröbstl aus der Sicht der Rathausverwaltung. Erst als die Module auf dem Dach montiert waren, seien die Schwierigkeiten erkennbar gewesen.

Dass man die PV-Anlage noch schnell Ende vergangenen Jahres in Auftrag gegeben habe, sei dem Haushaltsvollzug geschuldet gewesen: „Die Mittel waren für 2017 angefordert. Das Geld wäre sonst weg gewesen“, sagt Pröbstl. Laut Pape wiederum hat die Firma „actensys“ bereits vor Installation der Module ihre Bedenken hinsichtlich der Hauselektrik angemeldet und sogar angeboten, vom Auftrag zurückzutreten. „Die Gemeinde hat aber gesagt, ‘macht es trotzdem‘“, berichtet Pape. Der Netzanschluss sei dann aus dem Auftrag gestrichen worden: „Wir machen keine Hauselektronik“, erklärt Pape, der „keinen Unfrieden mit der Gemeinde säen“ will: „Wir möchten da niemanden an den Karren fahren.“ Aber: „Es liegt jetzt eine PV-Anlage auf dem Dach, die der Gemeinde momentan keinen Nutzen bringt.“ Das sorgt bei Teilen des Marktrats für Unmut. Hinter vorgehaltener Hand wird vor allem kritisiert, dass die Rathausverwaltung über die Schwierigkeiten beim Netzanschluss erst auf Nachfrage eines Gemeinderats informierte.

Das Gebäudemanagement hat inzwischen für die Nachrüstung der Elektrik eine Ausschreibung initiiert. Eine geeignete Firma zu finden, wird vermutlich nicht einfach. Das Rathaus muss während der Arbeiten vom Stromnetz genommen werden: „Der Eingriff ist relativ groß, muss aber zeitlich begrenzt sein“, beschreibt Pröbstl die Problematik. Der Gebäudemanager ist sich darüber bewusst, dass die PV-Anlage bald funktionieren muss, um keinen weiteren Ärger zu schüren. Allerdings: „In den vergangenen zehn Jahren hat sich auch keiner um das Thema geschert. Ich kann jetzt nichts erzwingen“, so Pröbstl.


Von Bernhard Jepsen

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