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Das rote Kreuz markiert grob das Grundstück, das bebaut werden soll. Östlich (rechts) davon könnten Häuser in zweiter Reihe entstehen. 

Bauantrag für Haus an der Ganghoferstraße

„Recht im Unrecht gibt es nicht“

Peißenberg - Ein Bauantrag für ein Einfamilienhaus an der Ganghoferstraße  deckt baurechtliche Probleme in Wohngebiet auf. Es geht um einen Grünstreifen.

 Wohnraum ist in Peißenberg bekanntlich knapp. Bei der Ausweisung neuer Bauflächen verfährt der Marktrat deshalb in der Regel großzügig – so wie im Umfeld der Ganghoferstraße. Von der Kommunalpolitik wurde signalisiert, dass dort in einem Teilbereich nördlich des Ammerwegs eine Bebauung in zweiter Reihe zugelassen werden könnte. Städtebauliche Bedenken der Rathausverwaltung und baurechtliche Hürden wegen der Geruchsbelastung durch die nahe gelegene Kläranlage waren da ebenso kein Hinderungsgrund wie der generell hohe Grundwasserstand im Ortsteil. Doch die beabsichtigte Erweiterung des Bebauungsplans löst Folgeprobleme aus, wie sich nun an einem konkreten Bauantrag zeigte.

Ein Baubewerber möchte an der Ganghoferstraße ein Einfamilienhaus bauen. So weit, so gut. Das Grundstück nördlich der „Wörth“-Straße liegt im Geltungsbereich des gültigen Bebauungsplans. In selbigem ist aber festgeschrieben, dass an der Ostseite der Häuser zur Ortsrandverschönerung ein acht Meter breiter Grünstreifen nachzuweisen ist. Der Gürtel, so heißt es, ist bis zur Geltungsbereichsgrenze vom jeweiligen Bauherrn zu erwerben, sofern er nicht bereits zum Grundstück gehört. Was das Ganze kompliziert macht: Für das Grundstück an der Ganghoferstraße würde die Grünstreifenpflicht entfallen, wenn in zweiter Reihe gebaut werden könnte. Das Erweiterungsverfahren für den Bebauungsplan ist aber noch nicht in trockenen Tüchern. Laut Bauamt kann es erst nach erfolgter Fortschreibung des Generalentwässerungsplans durch die Gemeindewerke und der Überprüfung der Kläranlagen-Geruchsproblematik weitergeführt werden. Dieser Schwebezustand ist mit ein Grund dafür, warum der Grundeigentümer in zweiter Reihe nicht bereit ist, eine Teilfläche für den Grünstreifen zu verkaufen.

Der Baubewerber hat deshalb einen Kompromiss vorgeschlagen, dem der Marktrat auch folgte: So soll das geplante Einfamilienhaus näher an die Ganghoferstraße rücken und der Grünstreifen auf das Grundstück des Antragstellers verschoben werden. So die Theorie.

In der Praxis wurde die Grünstreifenpflicht an der Häuserzeile nur spärlich umgesetzt, wie sich bei einem Bauausschuss-Ortstermin zeigte. Oft ist der vorgesehene Gürtel bereits mit Nebengebäuden bebaut. Der aktuelle Baubewerber stellte die Auflage infrage – und er kritisierte eine zweite Forderung der Gemeinde. Ursprünglich wollte er sein Einfamilienhaus 8,90 Meter hoch bauen – laut Bebauungsplan sind aber nur 8,50 Meter erlaubt. Die Pläne mussten abgespeckt werden. Doch unter Berufung auf privat veranlasste Messungen monierte der Baubewerber, dass die Neubauten im nördlichen Teil der Ganghoferstraße über diese Obergrenze hinausragen würden. Ihm nun die maximale Firsthöhe aufzuerlegen, sei „moralisch nicht Ordnung“, sagte er. Dem widersprach Bauamtsmitarbeiter Gerold Grimm: „Wir können daraus nicht ableiten, dass im aktuellen Fall auch höher gebaut werden darf. Ein Recht im Unrecht gibt es nicht.“ Laut Grimm ist zumindest in den Planunterlagen für die besagten Häuser die maximale Firsthöhe korrekt ausgewiesen worden. Eventuellen Baurechtsverstößen nachzugehen, sei Aufgabe des Landratsamts. 

Bernhard Jepsen

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