Betina Kreutzer und ihre Schützlinge beim täglichen „Morgenkreis“. Per Zoom-Videokonferenz wurden damals noch die Kinder von zuhause aus zugeschaltet, inzwischen gibt es eine andere Lösung.
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Betina Kreutzer und ihre Schützlinge beim täglichen „Morgenkreis“. Per Zoom-Videokonferenz wurden damals noch die Kinder von zuhause aus zugeschaltet, inzwischen gibt es eine andere Lösung.

In Peißenberg

„Regenbogen“-Kita geht neue, digitale Wege

  • Bernhard Jepsen
    vonBernhard Jepsen
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Der Corona-Lockdown ist für das öffentliche Leben eine schwere Belastungsprobe – insbesondere auch für die Kitas. Im evangelischen Kindergarten „Regenbogen“ versucht man, den Kontaktbeschränkungen mit dem Einsatz von digitalen Medien zu begegnen. Doch die Pandemie hinterlässt bei den Kindern Spuren.

Peißenberg – Es bleibt dabei: Unter die Lockdown-Regelungen fallen nach wie vor auch die Kindergärten. Allerdings heißt das nicht, dass die Kitas komplett dicht sind – ganz und gar nicht: „Da wird ein völlig falsches Bild vermittelt“, konstatiert Betina Kreutzer, die „Regenbogen“-Leiterin. Laut den Statistiken sind die Kitas teilweise sogar bis zu 80 Prozent belegt – und zwar im „Notbetrieb“ für jene Kinder, deren Eltern zum Beispiel in systemrelevanten Berufen arbeiten. Der „Regenbogen“-Kindergarten, der regulär 75 Plätze zur Verfügung stellen könnte, läuft aktuell mit rund einem Viertel der Kinder. Die sind in der Zeit zwischen 7 und 15 Uhr in drei isolierte Gruppen aufgeteilt – „um im Ernstfall die Infektionsketten gering zu halten“, wie Kreutzer erklärt.

Bisher ist alles gut gegangen: „Wir hatten Gott sei Dank noch keinen Corona-Fall“, berichtet Kreutzer: „Wir haben tolle Eltern, die sehr zuverlässig und verantwortungsbewusst sind. Wenn da ein Kind Schnupfen oder Husten hat, dann bleibt es daheim.“ Doch das Lob geht auch in die andere Richtung. „Der Kindergarten ,Regenbogen‘ entpuppt sich während der Pandemie als innovativer Vorreiter“, schwärmt Verena Butschal. Die Maklerin, die mit ihrer Familie auf dem Eberlhof wohnt, hat ihren vierjährigen Sohn Vinzenz im Notbetrieb angemeldet: „Mein Mann und ich sind berufstätig. Anders ginge es gar nicht.“ Butschal ist dem zwölfköpfigen Pädagogen-Team um Kreutzer extrem dankbar. Sie bezeichnet die Betreuungsarbeit als „herausragend“ – und ihr Lob hat sie bereits in einem Dankesbrief und mit einer 300-Euro-Spende zum Ausdruck gebracht: „Das ist nur eine Kleinigkeit, aber es war als Wertschätzung gedacht. Das vorbildliche Engagement des Regenbogen-Teams ist nicht nur für uns Eltern ein Segen, besonders die Kleinen profitieren davon“, betont Butschal.

Ein wichtiger Bestandteil im derzeitigen „Regenbogen“-Betriebskonzept ist der Einsatz von digitalen Medien. Über eine Kita-Info-App, die anfangs über Mittel des Elternbeirats finanziert wurde und nun staatlich gefördert wird, erhalten Eltern tagesaktuell Mitteilungen, Grußbotschaften und Aktionen bequem aufs Handy – bei Bedarf mit direkter Rückmeldefunktion. „Wir wollten keine Zettelwirtschaft einrichten. Inzwischen sind der App fast alle Eltern angeschlossen“, berichtet Kreutzer.

Und dann gibt es da seit Mitte Januar noch den täglichen „Morgenkreis“, der via Zoom-Konferenz auch die Kinder erreichen soll, die nicht in den Notbetrieb integriert sind. 20 Minuten lang wird gemeinsam gesungen, erzählt und spielerisch gelernt. Anfänglich waren auch die „Notbetrieb-Kinder“ mit dabei, doch das weckte bei den zu Hause vor dem PC sitzenden Kindern „Wehmut“, wie Kreutzer erzählt: „Jetzt senden wir Betreuer allein aus dem Büro, damit die Kinder daheim nicht glauben, sie hätten nur eine Nebenrolle.“

Das digitale Angebot kommt bei Kindern und Eltern bestens an: „Die Resonanz ist super“, stellt Kreutzer stolz fest. Für den Kindergarten ist das alles Neuland: „Bis zu Corona galt eigentlich die Meinung, dass alle digitalen Medien aus den Kitas rausgehalten werden sollen“, erklärt Kreutzer: „Aber wir haben uns gedacht, was die Schulen können, das können wir auch.“

Dennoch: Ein vollständiger Ersatz sind die digitalen Kommunikationswege auf Dauer nicht. Kreutzer hat beobachtet, dass die Pandemie eine Art „Traurigkeit“ bei den Kindern ausgelöst hat: „Die Trennung von den Freunden, die fehlenden Kontakte, das macht etwas mit den Kindern – im zweiten Lockdown viel mehr als im ersten. Die Unbeschwertheit bei den Kindern geht verloren“, analysiert die „Regenbogen“-Leiterin.

Kreutzer bezeichnet es als „schwierig“, die Balance zwischen gesundheitlichem Kinder- respektive Mitarbeiterschutz und der Notwendigkeit der pädagogischen Arbeit zu finden. Die Kita-Leitung hat sie übrigens erst im März 2020 übernommen, in der Funktion kennt sie also nur Pandemie-Zeiten. Doch Kreutzer versucht, der Lage auch positive Seiten abzugewinnen: „So schnell kann mich nichts mehr umhauen.“

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