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ine übergroße Trillerpfeife bekam Hans Socher (Bild links, links) zum Abschied überreicht – gefüllt mit Zetteln voller netter Abschiedsworte.

Rektor verabschiedet

Hans Socher wird der Mittelschule „total abgehen“

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Irgendwann musste es ja soweit kommen: Rektor Hans Socher geht in den Ruhestand. Und nimmt viel Lob mit.

Peißenberg – Eigentlich war es ja Hans Socher, der Freitagmittag Geschenke entgegennahm. Zahlreiche Gäste waren gekommen, um dem scheidenden Rektor der Josef-Zerhoch-Mittelschule in Peißenberg alles Gute zu wünschen – seine Familie, Vertreter der Gemeinde, mehrere Bürgermeister, Schulamtsvertreter, ehemalige Mitarbeiter, Elternbeiräte. Kurzum: viele Weggefährten. Einige hatten zum Abschied etwas mitgebracht – doch auch Socher selbst hatte kleine Präsente dabei: Honiggläschen. „Für die süßen Worte“ der Redner seien die, sagte er mit einem Schmunzeln – und er hatte viele Gläser zu verteilen.

Denn beim offiziellen Abschied trommelten die Lobeshymnen auf den künftigen Ruheständler geradezu ein. Als Mensch, „der sich voll und ganz dem Wir verschrieben hat“ und dem „trotzdem jeder Einzelne wichtig ist“, beschrieb ihn Schulamtsdirektorin Ingrid Hartmann-Kugelmann. Als „jahrzehntelange Institution“ bezeichnete ihn Bürgermeisterin Manuela Vanni. Die Schulband sang gar „Herr Socher, bleim’s doch“, denn „So schee war die Zeit, die Zeit war so schee“ auf die Melodie von „Hold Back the River“. Und mehrere Gläser des süßen Honigs hätte Konrektorin Susanne Coldwell verdient gehabt. „Dir muss schon schwindlig sein bei all diesen Lobeshymnen“, sagte sie. „Aber ich muss da noch was draufsetzen.“ Sie hob Sochers Fähigkeit, bei noch so viel Hektik ruhig zu bleiben, hervor. Und: „Deine Art, mit Sturköpfen umzugehen, ist unnachahmlich“, sagte Coldwell, die künftig die Schule leiten wird. „Du wirst uns total abgehen.“

Socher, ein gebürtiger Peißenberger, der mittlerweile in Oberhausen lebt, ist schließlich seit Jahrzehnten in der Marktgemeinde aktiv. 1977 begann er an der Hauptschule Peißenberg – der heutigen Mittelschule – als Lehramtsschüler. Drei Jahre später legte er sein zweites Staatsexamen ab – als einer der Besten in Bayern. 1990 wurde er Konrektor an der Hauptschule, ehe er von 2002 bis 2009 die Grund- und Teilhauptschule in Peißenberg leitete. 2009 übernahm er den Chefposten an seiner heutigen Schule.

Und an der wurde richtig gewirbelt, um ihm den passenden Ausstand zu bescheren. Fünf Veranstaltungen sind es nun insgesamt, am Freitag war Nummer zwei, zu der eben viele Weggefährten eingeladen worden waren. „Seit Schuljahresbeginn machen wir uns Gedanken“, sagte Lehrerin Gaby Zeitler, die durchs Programm führte. Es sei nahezu unmöglich gewesen, heimlich hinter seinem Rücken etwas zu organisieren. „Er ist immer und überall, und zwar auch da, wo er nicht sein soll.“ Zum Beispiel am Abend im Schulhaus, als die Lehrer gerade seinen Abschied vorbereiten wollten.

Überraschungen sind ihnen trotz der Schwierigkeiten gelungen. Mehrere Lehrer sangen ein Lied für Socher. Zudem wurde ein Video gezeigt, bei dem Weggefährten über den Rektor als Fußballbegeisterten, TSV-1860-Fan und geselligen Zeitgenossen berichteten. Auch die Schülermitverwaltung hatte sich etwas für Socher einfallen lassen: Sie rollte eine übergroße Trillerpfeife in die Aula, an deren Seite der künftige Ruheständler drehen kann. Heraus kommen dann zahlreiche Briefe von Schülern. „Da haben sie Lesematerial für die nächsten 365 Tage“, sagte Schülerin Milica Jankovic. Sie und Schülersprecher Leonhard Schmid stellten fest, dass sie nun mit Socher etwas gemeinsam haben: „Wir und Sie dürfen/können/müssen diese Schule endgültig verlassen.“ Nun, einen Unterschied gibt’s aber doch, wie Schmid zugab: „Für uns ist das ja noch unvorstellbar, über 40 Jahre konsequent zu arbeiten.“

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