Mit Fliesenreparaturen an den Beckenköpfen sind Hannes Meyer (l.) und sein Team jedes Jahr beschäftigt.
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Mit Fliesenreparaturen an den Beckenköpfen sind Hannes Meyer (l.) und sein Team jedes Jahr beschäftigt. Mit auf dem Foto: (v.l.) Stefan Rießenberger, Matthias Reichhart und Cornelia Wutz, die sich vor Ort informierten.

Mitarbeiter machten meisten Arbeiten selbst

„Rigi Rutsch’n“ für Sommersaison gerüstet

  • Bernhard Jepsen
    vonBernhard Jepsen
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2022 feiert die „Rigi-Rutsch’n“ ihr 40-jähriges Bestehen. Ein stolzes Alter, das man dem Bad nicht wirklich ansieht. Zwar musste das Wahrzeichen des Freibads, die große Rutsch-Anlage, aufgrund von Schäden im Kunststoffbelag abgebaut werden, doch vor allem das Betriebsgebäude befindet sich in einem Top-Zustand.

Peißenberg – Der Dauer-Lockdown im Zuge der Corona-Krise trifft natürlich auch die „Rigi-Rutsch’n“. Seit November 2020 ist der Bäderpark geschlossen, nur die Patienten des ambulanten Rehabilitationszentrums dürfen derzeit das Innenbecken nutzen. Für das Mitarbeiterteam um Schwimmmeister Hannes Meyer heißt das aber nicht, dass sie nichts zu tun hätten. Ganz im Gegenteil. Die zwangsverordnete „Ruhezeit“ wurde ausgiebig für Sanierungs- und Instandsetzungsarbeiten genutzt – und das meiste ging dabei in Eigenleistung über die Bühne.

Mehr als eine Berufsbeziehung

Vom Engagement der Bäderparkmitarbeiter konnte sich kürzlich auch die Marktratsfraktion der Bürgervereinigung überzeugen. Cornelia Wutz, Stefan Rießenberger und Matthias Reichhart ließen sich von Hannes Meyer über das Außengelände und durch das Betriebsgebäude führen. Es war ein Rundgang der besonderen Art: Meyer und die „Rigi-Rutsch’n“, das ist mehr als eine Berufsbeziehung. Der Schwimmmeister ist mit Leib und Seele dabei, für ihn ist die „Rigi-Rutsch’n“ eine Art Leidenschaft. Vor allem, wenn es hinunter in die Katakomben des Betriebsgebäudes geht, ist Meyer beim Erzählen kaum zu bremsen.

Wie in einem Schiffsmaschinenraum sieht es in den Katakomben des Bäderpark-Betriebsgebäudes an der Pestalozzistraße in Peißenberg aus.

Im Untergeschoss ist die Technik, quasi die Herzkammer des Bäderparks verbaut. Über riesige Filtertanks wird von dort das Badewasser über elf Pumpen zu den Schwimmbecken geleitet. Der Rückfluss erfolgt über die erst im vergangenen Jahr modernisierten Schwallwasserbecken. Die Szenerie gleicht der eines größeren Schiffmaschinenraums. Im Keller sind zudem noch die Heiz- und Lüftungsanlagen, eine Werkstatt, ein Aufbewahrungsraum für chemische Reinigungs- und Desinfektionsmittel, ein Waschmaschinenraum für das Rehabilitationszentrum sowie mehrere Lagerräume untergebracht. Alles gepflegt, geordnet und beschriftet. Von Brandschäden keine Spur mehr. 2016, als die Gaststätte der „Rigi-Rutsch’n“ abbrannte, war jede Menge Löschwasser in den Keller geflossen. „Damals nach dem Brand hieß es, wir sollten uns nach anderen Jobs umsehen“, erinnert sich Meyer. Die Motivation bei den Mitarbeitern war am Tiefpunkt angelangt. Doch am Fortbestand des Bäderparks gibt es längst keine Zweifel mehr. Auch die Corona-Krise raubt Meyer nicht den Optimismus: „Wir haben für die Sommersaison alles schon vorbereitet. Ich gehe davon aus, dass sie stattfindet.“ Auf dem Freibadgelände hat sich im Vergleich zur Vorsaison einiges verändert – und das nicht nur, weil das Wahrzeichen temporär fehlt.

Die überdachte Grillstation mit vier Edelstahlgrillvorrichtungen ist inzwischen fertiggestellt worden. Komplettiert wird der „Essenspark“ mit Tisch- und Sitzgarnituren. Auch die haben Meyer und sein Team selbst zusammengeschraubt. Ebenso wurden Erdhügel abgetragen, um eine rund 500 Quadratmeter große Zusatzfläche für die Liegewiese zu schaffen. Für die Reha-Patienten wurde zudem ein Rondell für Therapiesitzungen errichtet. Zu den regulären Öffnungszeiten kann selbiges auch von den Badegästen als Rückzugsort beispielsweise zum Lesen genutzt werden.

Sand am Kinderspielplatz musste ausgetauscht werden

Des Weiteren musste vorschriftsgemäß nach fünf Jahren wieder einmal der Sand am Kinderspielplatz ausgetauscht werden – „wegen der Bakterien“, wie Meyer beim Rundgang berichtete. Auch wurden die 40 Liegebänke abgeschliffen, die Außensanitäranlagen auf Vordermann gebracht, und es wurde am großen Schwimmbecken ein Rohrbruch geflickt. Und dann standen wie jedes Jahr Ausbesserungsarbeiten an aufgesprungenen Beckenrandfliesen an. Die Schäden lassen sich nicht vermeiden, weil die Winterkälte dem Material enorm zusetzt. „Ein kleiner Haar-Riss reicht aus, um eine Kettenreaktion auszulösen“, erklärt Meyer: „Die Fließen schauen zwar schön aus, aber der Unterhalt ist ein enormer Aufwand.“ In den Wintersportorten in Österreich zum Beispiel würden deshalb nur noch Edelstahlbecken gebaut. Apropos Fliesen: Im Innenbereich in der Altbausauna haben Meyer und sein Team die Verfugungen der kleinen Mosaikfliesen erneuert und aufgehübscht. Die Saunalandschaft sieht nun wieder wie neu aus. Etwa 60 000 Euro, so schätzt Meyer, hat das Bäderpark-Team bei den jüngsten Sanierungen und Instandsetzungen durch Eigenleistungen eingespart, einen Großteil davon beim selbstständigen Abbruch der Rutsch-Anlage. Das neue Wahrzeichen des Bäderparks soll bekanntlich noch größer und attraktiver werden – und bis zu den Jubiläumsfeierlichkeiten 2022 stehen. „Sechs bis acht Wochen wird der Neubau etwa dauern“, schätzt Meyer. Mit den Arbeiten wird eine Fachfirma beauftragt werden – ausnahmsweise.

„Wir haben ein altes Bad, aber keine alte Bude“

Laut Wirtschaftsplan der Peißenberger Gemeindewerke wird die Betriebssparte „Gesundheits- und Bäderpark“ 2021 vermutlich ein Defizit von 767.000 Euro verursachen. „Das ist zunächst einmal eine schockierende Zahl“, räumt Werkleiterin Ingrid Haberl im Gespräch mit der Heimatzeitung ein. Allerdings müsse das Defizit differenziert betrachtet werden.

Im Vergleich zu anderen Bädern könne man in Bezug auf die Betriebskosten jedenfalls „sehr zufrieden“ sein. Außerdem: „Wir müssen uns noch viel bewusster werden, dass das Bad ja auch einen echten Wert hat. Das ist Kapital“, betont Haberl. Ein renommiertes Bäderplanungsbüro, mit dem die Peißenberger Gemeindewerke zusammenarbeiten, um die „Rigi-Rutsch’n“ konzeptionell und infrastrukturell weiterzuentwickeln, schätze den Wert des Bäderparks im Rahmen zwischen 40 und 50 Millionen Euro ein.

„Keiner könnte in der heutigen Zeit mehr so ein Bad bauen“, konstatiert Haberl. Die Eigenleistung der Mitarbeiter bei der Pflege und Instandhaltung würde das Erscheinungsbild des Freibads und der Saunalandschaft zudem positiv beeinflussen: „Wir haben ein altes Bad, aber keine alte Bude“, so Haberl – und: „Wir werden auch noch viele Jahrzehnte ein schönes Bad haben.“ jep

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