Schließung des Krankenhauses Peißenberg

„Eine Wochenend-Entscheidung“

Peißenberg - Der  Seniorenbeirat kritisierte die Schließung des Krankenhauses Peißenberg. Dr. Wilhelm Fischer nahm bei einer Sondersitzung Stellung.

„Nun brauchen wir uns nicht mehr mit Gerüchten zu befassen“, sagte Edelgard Schmitz, Vorsitzende des Peißenberger Seniorenbeirats, bei einer kurzfristig einberufenen Sondersitzung. Die Mitglieder wollten Aufklärung zu der Schließung des Peißenberger Krankenhauses, der Fusion mit dem Schongauer Krankenhaus und der Übernahme sämtlicher Mitarbeiter. Dr. Wilhelm Fischer, ehemaliger Chef des Peißenberger Krankenhauses, stellte sich den Fragen.

Der Arzt reagierte damit auf einen kürzlich erschienen Leserbrief des Seniorenbeirats. In diesem wurde das mit 2,5 Millionen Euro aufwändige Aufstellen der Containerbetten auf Grund des Umbaus des Weilheimer Krankenhauses angeprangert. „Hätte man das Geld nicht für den weiteren Betrieb des Peißenberger Krankenhauses nehmen können?“, schrieben die Senioren, und nicht nur das wunderte sie. Laut Kreistagsbeschluss wäre das Peißenberger Krankenhaus erst 2017/18 geschlossen worden, nun ist Fischer mit seinem Mitarbeiterstab aber bereits nach Schongau gezogen. Fischer räumte den schnellen Entschluss ein: „Es war eine Wochenend-Entscheidung“, sagte er. Er habe diese Chance ergreifen müssen, da sein ganzes Team davon profitiert habe. „2017/18 wäre ich vor der Situation gestanden, alle Mitarbeiter irgendwo unterzubringen“, erläuterte Fischer. Das wäre schwierig geworden. „Ich musste die Chance mit Schongau ergreifen.“ Das Schongauer Krankenhaus hat durch die Fusion mit dem Peißenberger Team nun laut Fischer ein breit angelegtes Spektrum an medizinischer Versorgung. „Ohne Spezialgebiete kann man als kleines Haus heutzutage nicht überleben“, sagte er. Das Peißenberger Krankenhaus hatte Spezialgebiete vorzuweisen. Beispielsweise bei der Erkennung und Behandlung der Lungenkrankheit COPD oder beim Einsetzen eines Herzschrittmachers. Aber für eine Weiterführung des Hauses habe das alles nicht gereicht, so Fischer. „Um das Haus zu halten, haben wir in alle Richtungen verhandelt“, erklärte der Chefarzt. Eine Lungenspezialklinik sei im Gespräch gewesen oder auch eine rein psychosomatische Klinik. „Es hat alles nicht geklappt“, sagte Fischer, der über 30 Jahre das Krankenhaus leitete.

Auch die Senioren trauern um „ihr“ Krankenhaus. „Es hat so eine zentrale Lage, ich verstehe das Ganze nicht“, sagte eine Dame. Gut zu erreichen sei Schongaus Krankenhaus nicht. „Für das Transportproblem vom Schongauer Bahnhof zum Krankenhaus gibt es momentan eine Zwischenlösung“, sagte Fischer. So übernimmt derzeit das Krankenhaus in manchen Fällen die Kosten für eine Taxifahrt vom Bahnhof zum Krankenhaus.

Die Senioren zeigten sich erfreut, dass Fischer die Sachlage noch einmal so ausführlich zusammenfasste. „So ganz sang- und klanglos wollte ich auch nicht verschwinden“, sagte Fischer. 

rwg

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Knapp 150.000 Euro für Penzbergs Spielplätze
Knapp 150 000 Euro investiert die Stadt Penzberg heuer in acht öffentliche Kinderspielplätze. Sie reagiert damit auf die Kritik, die Spielplätze seien „unattraktiv und …
Knapp 150.000 Euro für Penzbergs Spielplätze
55-Jährige geht mit Dampfstrahler auf ihre Nachbarin (60) los
Alle Hände voll damit zu tun die Gemüter abzukühlen hatte die Polizei am Samstagnachmittag in Oberhausen.
55-Jährige geht mit Dampfstrahler auf ihre Nachbarin (60) los
Reifenstecher in Weilheim unterwegs
Was hat der Täter gegen den Besitzer eines VW aus Weilheim? Bereits zum zweiten Mal binnen weniger Wochen demolierte er dessen Auto.
Reifenstecher in Weilheim unterwegs
Starnberger See: Stand-Up-Paddler stürzt unterkühlt ins Wasser - er hatte Riesenglück
Wäre der Stand-Up-Paddler wenige hundert Meter später ins Wasser gestürzt, hätte er vielleicht nicht überlebt. Doch dem Ort und den Menschen dort verdankt er nun sein …
Starnberger See: Stand-Up-Paddler stürzt unterkühlt ins Wasser - er hatte Riesenglück

Kommentare