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Wolfgang Stabbauer und Wolfgang Schaur verabschieden sich vom St. Georgenweg.

Wo sich „The Notwist“ und Co die Klinke in die Hand gaben:

Schlussakkord für eine Peißenberger Legende

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Mit einer Disco und den DJs von früher verabschiedet sich am Samstag das Peißenberger Juze von seinem angestammten Platz am St. Georgenweg. Seit der Eröffnung 1981 haben dort legendäre Veranstaltungen und Konzerte stattgefunden. Für einige Bands war die Bühne dort das Sprungbrett zu einer größeren Karriere.

Peißenberg – Fast 40 Jahre lang war das Peißenberger Jugendzentrum (Juze) am St. Georgenweg Treffpunkt für Generationen von Jugendlichen aus der Marktgemeinde und den umliegenden Orten. Unzählige Bands aus fern und nah sind dort aufgetreten. Teilweise haben sie anschließend eine beachtliche Karriere gemacht. Eine Zeitlang war das Peißenberger Juze untrennbar mit der weltweit bekannten Weilheimer Musikszene verbunden. Legendär der so genannte „Konzertkreis“, wo Jugendliche selber Konzerte auf die Beine gestellt und vom Booking bis zum Aufräumen alles übernommen haben. Den gibt es heute noch – wenn auch unter dem Namen „Sound am Gleis“ – wie der Leiter der Einrichtung, Wolfgang Stabbauer und sein Mitarbeiter Wolfgang Schaur bei einem Gespräch im Jugendzentrum am St. Georgenweg erzählen.

Nun heißt es Abschied nehmen von dem Gebäude, an dem der Zahn der Zeit inzwischen gewaltig genagt hat. Am morgigen Samstag, 27. Juli, fällt der Vorhang im Jugendzentrum, im Herbst soll der Neubau im Zwickel zwischen Bücherei, Bahnhof und „Rigi-Center“ bezogen werden. Doch zuvor wird morgen noch kräftig Abschied gefeiert: mit einer Disco, bei der die drei DJs Detti, Howie und Haisen auflegen, die schon in den 80er Jahren für Partystimmung im Juze sorgten.

Ab 19 Uhr ist die Glut vor dem Gebäude so weit, dass dort gegrillt werden kann (fürs Grillgut ist jeder selber zuständig), es gibt Fassbier und der Eintritt ist frei. Ab 22 Uhr beginnt dann die Disco im Juze. Stabbauer und Schaur hoffen auf viele Gäste. Diesmal sollen sich auch die angesprochen fühlen, die dem Juze-Alter schon eine Weile entwachsen sind. Aber auch einige derzeitigen Stammgäste haben ihr Kommen zugesagt – schließlich wird es die letzte Veranstaltung im legendären Peißenberger Juze sein.

„Die Einladungen haben wir wie damals gemacht“, sagt Schaur. Es sei ein alter Zettel aufgetaucht, nach dessen Vorbild die Ankündigungen gestaltet wurden. Sie wurden sogar mit der Schneidemaschine zurechtgeschnitten – so wie früher eben.

Große Bands haben hier gespielt

Dj Howie heißt wirklich Wolfgang Schaur und arbeitet seit zehn Jahren im Juze in Peißenberg. Er ist vertraut mit dem Gebäude und seiner Geschichte – schließlich ist er als Jugendlicher schon regelmäßig an den St. Georgenweg gekommen. „Hier habe ich das Auflegen angefangen“, erinnert er sich.

Er kennt den großen Raum, in dem sich der größte Teil des Juze-Lebens abspielt, noch aus der Zeit, in der die Bühne in der anderen Ecke stand, in der noch keine Graffiti die Wände zierten und in der sich das Who is Who der lokalen Musikszene dort die Klinke in die Hand gab. Er hat viele Veranstaltungen miterlebt hier. Erinnert sich noch daran, wie damals „The Notwist“ hier auf der Bühne standen – der damalige Schlagzeuger Meckie Messerschmidt hatte sogar seinen Proberaum im Juze. Martin Gretschmann von „Console“ hat hier einen Proberaum ausgebaut. Schaur selber hat damals an den Boxen mitgebaut. Neben „The Notwist“ sind weitere bekannte Bands hier aufgetreten unter anderem die „Schweisser“, „Kanmantu“ und „Polipanda“.

Der Abschied fällt nicht leicht

Dem Juze-Mitarbeiter fällt der Abschied aus den altvertrauten Räumen nicht leicht: „Das Haus ist wirklich fertig. Überall regnet es durch. Aber wenn es möglich gewesen wäre zu bleiben, wäre ich dageblieben“, sagt Schaur: Ich gehe nicht gern raus, aber es muss sein.“ In seinen Augen macht das Peißenberger Juze aus, dass es Heimat für Generationen von Jugendlichen war und ist. „Hier kannst du im Rahmen dessen, was erlaubt ist, alles tun und lassen, was du willst“, sagt er.

Die Geschichte des Peißenberger Juze beginnt Anfang der 70er Jahre: Einige aktive Peißenberger Jusos und ein Hauptschullehrer machten sich auf die Suche nach einem Platz für die Jugend in der Marktgemeinde. Schließlich konnte der damalige evangelische Pfarrer überzeugt werden, einen gemeindlichen Gruppenraum zur Verfügung zu stellen.

Am 1. Mai wurde dort ein provisorisches Jugendzentrum eröffnet, das nicht jeden Tag von den Jugendlichen genutzt werden konnte. Weil die Räume sich auch schnell als zu klein erwiesen, und es klar war, dass es bald eine dauerhafte Lösung braucht, gründete sich 1974 der „Förderverein Jugendzentrum Peißenberg“. Weil die Räume gekündigt wurden, schloss das provisorische Juze im Jahr 1979. Vier Jahre später brachten rund ein Dutzend Jugendliche aus Peißenberg wieder Schwung in die Sache und schließlich beschloss der Gemeinderat im Jahr 1980, das Ledigenwohnheim umzubauen. Die Umbauarbeiten dauerten bis April 1981, im Juli wurde eröffnet. Als Leiter konnte Thomas Rolles gewonnen werden, der die Einrichtung leitete, bis er vor rund vier Jahren in den Ruhestand ging.

Ihm folgte der jetzige Leiter Wolfgang Stabbauer nach. Stabbauer leitet das Juze seit rund vier Jahren. Bei ihm übersteigt die Freude auf das neue Gebäude und seine Möglichkeiten den Abschiedsschmerz. Er hat schon einige Ideen, wie das neue Jugendzentrum gestaltet werden kann, welche Angebote die neuen Räume füllen sollen. Der Sozialpädagoge rechnet damit, dass das Juze Auftrieb dadurch bekommt, dass es aus den alten, fertigen Räumen aus- und in den neuen, modernen Bau umzieht. „Ich erwarte eher einen Ansturm“, sagt Stabbauer. Am 28. September wird es ein großes Eröffnungsfest im neuen Gebäude geben, für das schon einige Aktionen geplant sind.

Damit aber auch im Juze mit Bürgerhaus ein Hauch der geschichtsträchtigen Einrichtung am St. Georgenweg weht, werden ein paar Gegenstände mitgenommen. Der Rest wird dann versteigert. Wann, das steht noch nicht genau fest. Wer sich also nur schwer trennen kann, kann sich sein ganz persönliches Stück Juze-Vergangenheit mit nach Hause nehmen.

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