+
Das provisorische Rückhaltebecken am BHS-Gelände hat sich bereits beim letzten Hochwasser im Juli 2016 bewährt. Damals hatte man sich am Durchlass noch mit Sandsäcken und Schalbrettern beholfen. Laut Thomas Schamper (im Bild bei der Dammbegehung) soll nun ein Schieber samt Abflussrohr eingebaut werden. 

Meldesystem für 15.000 Euro

Schneller Hochwasserschutz für Peißenberg

Die Planungen für den Hochwasserschutz in Peißenberg sind langwierig. Jetzt tut sich was. Es wird ein Hochwassermeldesystem installiert.

Peißenberg – 2016 wurde Peißenberg schwer vom Hochwasser getroffen. Die Kommunalpolitik beteuerte daraufhin, dass die Bauprojekte für den Hochwasserschutz nun oberste Priorität haben. Doch die Planungen ziehen sich verfahrenstechnisch in die Länge. Bestes Beispiel: Der Baustart für das am ehemaligen BHS-Gelände vorgesehene Regenrückhaltebecken wird vermutlich erst 2019 erfolgen können. Dennoch: Die Rathausverwaltung ist derzeit nicht nur am Planen. Gemeinsam mit Feuerwehr und Bauhof hat man parallel dazu einen zweiseitigen Punktekatalog für „Sofortmaßnahmen“ erstellt. In den nächsten Tagen wird demnach am Wörthersbach im Bereich des Kiesfangs an der Unterbaustraße ein dreistufiges Hochwassermeldesystem installiert. Die dazu notwendigen Leitungen und der Verteilerschrank wurden bereits verlegt respektive errichtet. Die 15.000 Euro teure Vorrichtung ist laut Rathausmitarbeiter Thomas Schamper „eine etwas komfortablere Ausführung“. Sie misst nicht nur die Pegelstände, sondern auch die Regenmengen – und gibt daher aussagekräftige Rückschlüsse auf die Hochwasserentwicklung.

Das System soll die Einsatzkräfte im Bedarfsfall sofort alarmieren und damit den zeitlichen Handlungsspielraum für Schutzmaßnahmen vergrößern. Bei Meldestufe „Zwei“ zum Beispiel werden bereits die Einsatzwägen mit Sandsäcken, Bohlen sowie Kanaldeckelgittern beladen. Steigt das Wasser weiter an, wird die Ausrüstung an die neuralgischen Punkte transportiert und die Bevölkerung informiert. Laut Punktekatalog wird der Bauhof künftig generell bei Hochwasserwarnungen in gefährdeten Straßen die Schlammfänge der Gullys präventiv herausnehmen und im Ernstfall die Kanaldeckel durch Schutzgitter ersetzen. Vor allem auf der Bachstraße soll das Wasser bei künftigen Starkregenfällen mit Bohlen und Sandsäcken gezielt abgeleitet werden: „Wir hoffen, dass wir damit einen Großteil des Wassers in den Kanal bekommen“, erklärt Schamper.

Ursprünglich hatte man auch geplant, die Abzweigungen unter anderem zur Jahn- und Liebhardtstraße mit Hochwasserboards abzuschirmen. Doch davon hat man Abstand genommen: „Dadurch würde sich der Pegel auf der Bachstraße zusätzlich erhöhen. Wir haben Angst, dass wir damit dann andere Grundstücke beeinträchtigen“, sagt Schamper. Anders als anfangs geplant wird auch die Absperrung der Bachstraße im Notfall laufen. Die Verwaltung hatte die Idee, an zwei Stellen Schranken aufzustellen. Doch diese werden nicht gebaut – zum einen, weil sie zu teuer sind. Zum anderen müsste jemand losgeschickt werden, um sie zu bedienen. Einfacher sei es da, dass die Feuerwehr – wie bisher – den Verkehr regelt. An der Bachstraße sollen auffällige Pylonen und Absperrbänder gelagert werden, die schnell installiert sind.

Weiter optimiert werden soll indes das provisorisch angelegte Rückhaltebecken am BHS-Gelände. Auch dort will man das Wasser kontrolliert in die Kanalisation ableiten. Der bereits aufgeschüttete Damm wird dafür am Durchlass mit einem 500er-Rohr samt Schieber ausgerüstet. „Das verschafft uns im Ernstfall einen enormen Zeitgewinn“, betont Schamper: „Den Einkaufspark und die Schachtstraße bekommen wir damit in den Griff.“

Aber wie gesagt: Das alles sind nur provisorische oder kurzfristig konzipierte Maßnahmen. Wirklich hochwasserschutzsicher wird Peißenberg vermutlich erst durch den Bau von größeren Rückhaltebecken, wie am ehemaligen BHS-Gelände zwischen Hochreuther Straße und Stadelbachstraße vorgesehen. Das Planfeststellungsverfahren für das Millionen-Projekt wird vermutlich noch im April beginnen und sich laut Schamper wohl bis zu einem Jahr hinziehen. Dann folgen die Detailplanung und das Ausschreibungsverfahren, sodass man 2019 theoretisch loslegen könnte. „Die Bauzeit wird dann wohl zwei Jahre dauern“, mutmaßt Schamper.

Noch tief in der Planungsphase steckt die Gemeinde für den Ortsteil „Dorf“. Dort steht unter anderem am Fendter Bach ein Auffangbecken auf der To-do-Liste: „Das wird sicher kommen“, sagt Schamper. Ob am Osthang des Hohen Peißenberg ebenfalls Rückhaltevorkehrungen getroffen werden müssen, ist noch unklar. Derzeit wird von einem Ingenieurbüro berechnet, wie sich das Becken an der BHS auf die Wasserpegel im Unterlauf auswirken wird.

Bernhard Jepsen

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Verkehrstraining ist auch für Ältere wichtig
„Mobilität ist ein hohes Gut für alle, besonders für Senioren“, sagte  Hubert Schwaiger, Leiter der Verkehrspolizei-Inspektion Weilheim, zu den  24 Senioren, die in die …
Verkehrstraining ist auch für Ältere wichtig
Es ging nicht nur um „Rach 3“
Jürgen Geiger erntet in der vollbesetzten Stadthalle  Jubel für sein beeindruckendes,  aber etwas isoliertes Spiel. Es ging nicht nur um Rachmaninov.
Es ging nicht nur um „Rach 3“
Mehr als 6000 Ozonsonden stiegen in den Himmel
Für Professor Stefan Emeis ist der Erfolg bei der Sicherung der Ozonschicht „der Beweis, dass es geht, wenn man will“. Dies  erklärte der Weilheimer Klimaforscher zum …
Mehr als 6000 Ozonsonden stiegen in den Himmel
„Liebesfest“ war sehr beliebt
Einen Parkplatz am Sommerkeller in Bernried zu finden, war am Samstag vom frühen Nachmittag bis weit in die Nacht ein schwieriges Unterfangen. Sehr groß war die Resonanz …
„Liebesfest“ war sehr beliebt

Kommentare