Die Bert-Schratzlseer-Straße beschäftigt den Peißenberger Marktrat erneut.
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Die Bert-Schratzlseer-Straße beschäftigt den Peißenberger Marktrat erneut.

Bert-Schratzlseer-Straße in Peißenberg

„Smiley“ als „Signal“ an die Anlieger

  • Bernhard Jepsen
    vonBernhard Jepsen
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Die Bert-Schratzlseer-Straße bleibt eine „Problemstraße“. Nach wie vor gibt es Anlieger, die sich über die mangelnde Verkehrsdisziplin beklagen. Die Freien Wähler (FW) sehen dringenden Handlungsbedarf – doch die Sache ist kompliziert.

Peißenberg – Eigentlich war 2018 für den damaligen Marktrat der Fall „Bert-Schratzlseer-Straße“ erledigt. Das Gremium lehnte es ab, einen der beiden Einmündungsbereiche zu sperren oder Temposchwellen einbauen zu lassen. Eine Umfrage unter den Anliegern hatte kein eindeutiges Meinungsbild ergeben. Auch die bei einer Verkehrserhebung ermittelten Daten interpretierte die Rathausverwaltung dahingehend, dass der Durchgangsverkehr zu vernachlässigen sei: „Wir haben gedacht, dass sich die Lage beruhigt hat“, erklärte Bauamtsleiter Bernhard Schregle in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses.

Das vorberatende Gremium befasste sich nun aber mit einem Antrag des FW-Ortsverbands. Darin wird gefordert, dass der Beschluss von 2018, keine verkehrslenkenden Maßnahmen an der Bert-Schratzlseer-Straße vorzunehmen, aufgehoben wird und innerhalb der nächsten drei Monate in einem Zeitraum von drei bis vier Wochen Tempomessungen und Verkehrszählungen angeordnet werden. Auf Basis der gewonnen Daten sollen nach Meinung der FW weitere Schritte veranlasst werden – unter anderem könne die kommunale Verkehrsüberwachung mit Kontrollen beauftragt werden. „Die Lage hat sich zugespitzt“, konstatierte FW-Fraktionssprecher Jürgen Forstner im Ausschuss. Die Befragung von 2018 sei zwar „schön und gut“ gewesen, aber das Problem sei nicht gelöst worden. Eine erneute Tempomessung werde wohl „noch grober“ ausfallen als die erste – und die sei bereits „grenzwertig“ gewesen. Zur Erinnerung: 85 Prozent der Verkehrsteilnehmer lagen im Durchschnittsbereich zwischen 33 und 35 Km/h. Erlaubt ist auf der Bert-Schratzlseer-Straße aber nur Schrittgeschwindigkeit. Als kurzfristige Maßnahme schlug Forstner vor, ein Smiley-Tempogerät aufzustellen: „Das wäre ein Signal an die Anlieger, dass wir etwas tun.“

Problematischer sieht es indes bei den Messdaten aus: Konkrete Zahlen zu erheben, darüber war sich der Ausschuss einig, macht aktuell keinen Sinn. „Wir wollen ja Tatsachen abbilden“, verwies Schregle auf den Corona-Lockdown. Im Zuge dessen sei unter anderem das Fitness-Studio im benachbarten Gewerbegebiet geschlossen. Demzufolge gebe es im Gesamt-Quartier vermutlich auch weniger Verkehr. In seinem Beschlussvorschlag für den Marktrat verständigte sich der Ausschuss darauf, dass nach der Frostperiode zunächst das Smiley-Gerät aufgestellt wird und je nach Pandemie-Lage im Mai Messdaten erhoben werden.

Und wie sieht es mit baulichen Maßnahmen aus? Bernd Schewe (SPD) sieht in der Bert-Schratzlseer-Straße das „Grundproblem“, dass dem Autofahrer durch die Breite der Fahrbahn nicht vermittelt werde, dass er in einen verkehrsberuhigten Bereich einfährt. Einengende Grünflächen und Pflanzentröge könnten diesbezüglich Abhilfe schaffen. Anton Höck indes schlug (Peißenberger Liste) eine Sperrung in der Mitte der Bert-Schratzlseer-Straße vor. Und: „Ich gehe davon aus, dass 90 Prozent, die da vor zwei Jahren bei der Messung zu schnell gefahren sind, Anlieger waren.“ Viele dürften das Problem mit der Schrittgeschwindigkeit gar nicht kennen. Eine Informationskampagne könnte helfen.

Laut Schregle sind bauliche Maßnahmen nur zum Teil zulässig und wenn, dürfen sie „nicht schikanös“, sondern müssen von der Lenkungswirkung her „sinnvoll“ sein. Zudem müsse die wirtschaftliche Verhältnismäßigkeit berücksichtigt werden. Für Kontrollen der kommunalen Verkehrsüberwachung wiederum könnte die Verkehrsbelastung zu gering sein – und: „Es gab dort bislang keinen einzigen gemeldeten Verkehrsunfall.“ Schregles Fazit: Eine Sperrung, also Kappung der Durchfahrtsmöglichkeit auf der Bert-Schratzlseer-Straße, „wäre kostengünstig und schnell umsetzbar.“

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