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Bei der neuen Photovoltaikanlage  seien alle Beteiligten ein gutes Team gewesen, schwärmt Abwassermeister Stefan Sedlmeir (rechts). 

Peißenberg

Sonnenkraft pumpt Abwasser bergauf

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Bis in Peißenberg das Abwasser in der Kläranlage landet, ist Einiges an Energie verbraucht worden. Die Sonne hilft der Marktgemeinde Peißenberg künftig dabei, Stromkosten zu sparen – mit der Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Friedhofslagerhalle, die nun offiziell eingeweiht wurde.

Mit einem „Klack“ legt Abwassermeister Stefan Sedlmeir den Schalter um. Die Pumpen sind aus: Es wird schlagartig still in der Abwasser-Pumpstation in der Nähe der Kirche „Maria Aich“ am Ortseingang von Peißenberg. Sedlmeir, der Betriebsleiter der Peißenberger Kläranlage, erklärt, welche Errungenschaft die neue Photovoltaikanlage auf dem Dach der Friedhofslagerhalle unweit der Pumpstation ist und dazu muss er den Lärmpegel in dem kleinen Häuschen senken. Nun haben die drei Pumpen Pause, die rund zehn Meter unter dem Raum mit den Steuerungskästen in der Regel rund um die Uhr abwechselnd eine viertel Stunde pumpen, eine viertel Stunde pausieren.

Sedlmeir öffnet eine Tür, ein strenger Geruch lässt erahnen, was sich hier am Boden des Schachtes ansammelt: das Abwasser Peißenbergs. Heute ist es trocken, deswegen steht die braune Brühe nicht hoch. „Wenn es Niederschläge gab, dann sieht das anders aus“, sagt Sedlmeir und deutet auf den dunklen Rand ein paar Meter höher. An der Wand sind Leitern befestigt, damit der Abwassermeister und seine Kollegen zu der Brühe hinuntersteigen können, wenn sie zum Beispiel verlorene Geldbeutel herausfischen, die versehentlich im Klo gelandet sind. Das passiere immer wieder, so Sedlmeir. Er öffnet die Tür wieder. Ein Hauch Frischluft strömt in den Raum.

„40 Prozent des Peißenberger Abwassers werden von hier über den Guggenberg zur Kläranlage gepumpt“, sagt Sedlmeir. Das Abwasser muss auf etwa einem Kilometer Länge durch den Berg hindurch einen Höhenunterschied von 50 Metern überwinden. Dementsprechend leistungsfähig müssen die Pumpen sein. „Wir pumpen das Rohabwasser über den Berg, das können nur Pumpen, die Wirbel erzeugen“, erläutert der Betriebsleiter. Das Abwasser, das an der Pumpstation ankommt, ist nicht vorgeklärt oder gereinigt. Da regelmäßig Dinge wie Geldbeutel, Gebisse und Strumpfhosen in der Peißenberger Kanalisation landen, müssen die Pumpen so stark sein, dass sie auch diese Fremdkörper über den Berg befördern können, ohne ständig zu verstopfen. Die Pumpen müssen vollgas gefahren werden“, sagt Sedlmeir, „das ist völlig energie-ineffizient.“

Um die Energiekosten senken zu können, hat die Marktgemeinde schon länger nach Flächen Ausschau gehalten, die sich für eine PV-Anlage eignen würden. An der Holzerstraße auf dem Dach der neuen, 200 Quadratmeter großen, Friedhofslagerhalle, die der Lagerung von Aushub und Maschinen dient, ist sie fündig geworden. Die Lagerhalle haben die Bauhof-Leitung und Friedhofsmitarbeiter geplant. Die Genehmigungs- und Ausführungsplanung sowie die Bauleitung hat das Markt-Bauamt übernommen, die Arbeiten ausgeführt haben Mitarbeiter des Bauhofes. Arbeitslöhne und Maschineneinsatz kosteten 68 000 Euro, das Material 103 000 Euro.

Rund 30 000 Euro hat die 29 kWp-Anlage auf dem Hallendach gekostet, die Mitte August in Betrieb gegangen ist – zwei Monate nachdem sie genehmigt worden war. „Durch die reibungslose und sehr gut funktionierende Zusammenarbeit aller beteiligten Partner“ habe die Anlage in dieser Zeit fertiggestellt werden können, sagt Sedlmeir bei der offiziellen Inbetriebnahme.

Er steigt die Treppen hinab. Das Treppenhaus, das auf Bodenhöhe beginnt, scheint nach unten kein Ende zu nehmen. Doch schließlich enden die Treppen in einem Raum. Hier, zehn Meter unter der Erde, steht quasi das Herz des Häuschens: die blauen Pumpen, die nun zum Teil mit Sonnenenergie betrieben werden. Weil der Betriebsleiter der Kläranlage die Pumpen ausgeschaltet hat, ist es auch hier still. „Für mich ist das ein Projekt vom Bürger für Bürger“, schwärmt Sedlmeir. Weil durch die PV-Anlage Strom gespart würde, wirke sich das positiv auf die Abwassergebühren aus. Der erzeugte Stromes werde zur Hälfte sofort verbraucht, zur Hälfte ins System eingespeist.

Von August bis Mitte Dezember sind 25 Millionen Liter Abwasser durch Sonnenstrom über den Berg transportiert worden. „Nach zehn Jahren sind wir in vollem Plus“, schwärmt Sedlmeir: „Es ist phantastisch, was mit der Sonne über den Berg gepumpt wird.“ Mit großen Schritten schreitet er die Treppen hinauf Richtung Schalterraum. Die Pumpen müssen schließlich wieder angestellt werden.

Kathrin Hauser

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