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Auf dem Leben seiner Vorfahren basieren die Bücher von Michael Oberndorfner. 

Familiengeschichte ausgegraben

Auf Spurensuche in Tagebüchern

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Michael Oberndorfner hat in der Geschichte seiner Familie gestöbert.  Was dabei herauskam, hat er in Büchern zusammengefasst.

Peißenberg – Heutzutage wird das Leben in allen Einzelheiten festgehalten. Ständig werden Fotos gemacht, alltägliche Dinge auf Smartphone-Bildschirmen festgehalten. Wer in 100 Jahren wissen will, wie die Menschen 2017 lebten, dürfte viele Informationen dazu finden. Anders ist das mit der Zeit vor 100 Jahren. Da haben viel weniger Menschen ihre Eindrücke für die Ewigkeit festgehalten. Zum Beispiel die Vorfahren von Michael Oberndorfner. Sie fotografierten gern. Und sie schrieben Karten und Briefe, die nicht im Müll, sondern in Schuhkartons und auf Speichern landeten. Und der gebürtige Peißenberger hat aus all dem Wissen darüber und den Fotos Bücher gemacht. Am Freitag stellte er sein zweites Werk, „...kannst Du grüne Erbsen brauchen?“, in Peißenberg vor. Die Alpenvereinssektion hatte ihn für die Lesung eingeladen. 30 Zuhörer kamen.

Mit dem Verein verbindet Oberndorfner, 60, viel. Sein Großvater war 1927 Gründungsmitglied der Sektion. Oberndorfner kann sich noch gut an den Opa erinnern. Der war als Offizier im Ersten Weltkrieg im Einsatz. „Er hat uns erzählt, wie er im Irak war und gegen die Engländer gekämpft hat“, erzählt Michael Oberndorfner im Gespräch mit der Heimatzeitung. Später fand er im Elternhaus Tagebücher, in denen der Großvater ganz viele Eindrücke niedergeschrieben hatte.

Als Michael Oberndorfner 1975 selbst Soldat wurde, wühlte er sich durch die Wehrbereichsbibliothek. „Ich habe das Experiment gewagt, amtlichen Meldungen persönliche Erfahrungen gegenüberzustellen“, sagt er. Er glich die Informationen von Offizier Josef Oberndorfner, seinem Opa, mit denen aus der Bibliothek ab. Und er durchstöberte andere Quellen. „Die Mitovation der Soldaten hat mich interessiert“, sagt er. „Ich wollte wissen, was sie bewegt hat.“ Oberndorfner erfuhr immer mehr, die Informationen „trug ich so vor mir her“. 2014, 100 Jahre nach Kriegsbeginn, riet ihm seine Frau: Entweder er solle mit dem Nachforschen aufhören oder veröffentlichen, was er weiß. Er entschied sich für letzteres. Zwei Bände entstanden.

Schluss mit dem Recherchieren war für Oberndorfner, der in Feldkirchen-Westerham lebt, damit nicht. Seine Mutter wohnt noch in Peißenberg. In einem Gebäude, das 1902 gebaut wurde, und in dem früher vier Familien lebten – und ihre Spuren hinterließen. „In dem Haus ist alles gelandet“, sagt Oberndorfner. Tagebücher, Feldpost, Fotos. Der Nachlass mehrerer Vorfahren. Eine Fundgrube.

Die auch die Grundlage seines zweiten Buchs war, das er nun in Peißenberg vorstellte. Es dreht sich um das Leben seiner Urgroßmutter und seiner Großtante in den Jahren von 1907 bis 1934 – beide hießen Rosalia Oberndorfner. Beide arbeiteten auf Hütten – unter anderem im Herzogstandhaus, im Watzmannhaus und am Blomberg. Einige Fotos gibt’s aus der Zeit. Und zahlreiche Briefe, aber auch Feldpostkarten. Eine kam aus Bagdad. „Nach drei Wochen war sie auf dem Herzogstandhaus. Die Feldpost hat funktioniert“, sagt Michael Oberndorfner. Und auch Mutter und Tochter, die nicht immer auf der gleichen Hütte arbeiteten, schrieben sich. Den Titel des Buches, „... kannst du grüne Erbsen brauchen?“, hat der Autor aus einem der zahlreichen Briefe.

Sein Werk erschien im November. Es ist für Oberndorfner kein Abschluss. Sondern, so hofft er, die Grundlage für eine Fortsetzung. Durch seine Veröffentlichungen melden sich Menschen bei ihm, die ebenfalls alte Briefe und Postkarten finden. Deren Vorfahren den Großvater, die Urgroßmutter oder die Großtante Oberndorfners kannten. „Solche Rückmeldungen liegen mir am Herzen“, sagt er. „Ich will weitere Informationen bekommen. Nur so verdichtet sich das Bild.“ Nur so kann sie bewahrt werden, die Geschichte der Familie Oberndorfner. Und die Geschichte der damaligen Kriegsgenerationen.

Die Bücher

Band 1 und 2 von „Die Mission des IV. Btl. I. bay. Fußart. Rgt. in den Irak Dezember 1915 bis Dezember 1916“ kamen 2014 heraus, . „...kannst Du grüne Erbsen brauchen?“ stammt aus 2016. Alle Bücher erschienen im Verlag „Books on Demand“.

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