Streit in Mietshaus ging vor Gericht

Beleidigung kostete Peißenberger 450 Euro

Die Beleidigungen flogen hin und her in einem Mietshaus in Peißenberg. Nach einem weiteren verbalen Ausrutscher reichte es dann einer Hausbewohnerin. Sie zeigte einen Mieter wegen Beleidigung an.

Peißenberg Ziemlich wütend saß der beschuldigte Peißenberger (54) auf der Anklagebank des Weilheimer Amtsgerichts. Gegen den Strafbefehl hatte er Einspruch erhoben. „Die hat mich schwerst beleidigt“, sagte er und bestritt den Anklagepunkt der Staatsanwaltschaft. So soll der Frührentner im September vergangenen Jahres zu der ihm gegenüber wohnenden Frau, die auf dem Balkon zusammen mit einem Bekannten saß, gesagt haben: „Du lässt doch alles über dich drüberrutschen.“ Diese verbale Entgleisung, laut Aussage der Frau (50) eine von vielen, machte das Maß voll. Die Peißenbergerin erstattete Anzeige. Dass auch sie in puncto Beleidigungen kein Kind von Traurigkeit ist, stand für die Vorsitzende Richterin Karin Beuting nicht zur Debatte. Angeklagt war der 54 Jährige.

„Sie sagen Sachen, die man nicht sagen darf“, sagte die Richterin. Für sie stand fest, dass die Frau sich die Beleidigung nicht ausdachte, auch wenn der Bekannte (61), der mit auf dem Balkon saß, die Beleidigung wegen seiner Hörschwäche nicht bezeugen konnte. Die Richterin musste ihn im Zeugenstand sehr laut befragen. „Ich habe nichts gehört“, sagte der 61-Jährige.

Die Mutter der 50-Jährigen, die häufig beiderseitige Beleidigungen mitbekommen hatte, riet ihrer Tochter immer wieder, nicht auf die Äußerungen des Beschuldigten zu reagieren. Dieser wiederholte im Gerichtssaal die Kraftausdrücke, mit der ihn die Frau angeblich beschimpft habe.

In einem ähnlichen Fall vor einigen Jahren habe er einen Freispruch erhalten, betonte der 54-Jährige. Aber das Gericht sah es als erwiesen an, dass er die Frau mit dem in der Anklageschrift festgehaltenen Satz beleidigt hatte. Er wurde zu einer Geldstrafe von 450 Euro verurteilt, was den Peißenberger sehr erboste. „Ich werde für etwas bestraft, was ich nicht gemacht habe. Ich gehe durch alle Instanzen“, schimpfte er. Er verkündete, gegen das Urteil Berufung einzulegen und selber eine Strafanzeige gegen die Frau zu stellen

„In so einem Haus möchte man nicht wohnen“, stellte Richterin Karin Beuting abschließend fest.

Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa / Uwe Anspach

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