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Verstehen sich bestens: Das Ehepaar Wendela und Peter Moes hat Muhammad K. in seinem Haus aufgenommen. 

Syrischer Gynäkologe  Muhammad K.

Angekommen in Peißenberg

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Der syrische Gynäkologe  Muhammad K. ist in Peißenberg angekommen. Der 29-jährige fühlt sich in der Marktgemeinde wohl und ist Teil der Rot-Kreuz-Familie.

Peißenberg – Muhammad K. grinst. „Es ist fast das Gleiche“, sagt der Syrer über die Arbeit als Gynäkologe in seiner Heimat und in Deutschland. Zumindest medizinisch – was den Rest anbelangt, da kann er sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Hier ist es organisierter und es gibt mehr Geräte, mehr Bürokratie.“ Zwei Monate hat er heuer als Assistenzarzt im Krankenhaus in Weilheim arbeiten dürfen – nun paukt er Deutsch, damit auf das Praktikum auch eine feste Stelle folgen kann. Dieses Ziel hat der 29-Jährige fest vor Augen. Montags bis Freitags pendelt er von Peißenberg nach München, um das Sprachniveau „C1“ zu erreichen. Im Dezember steht die Abschlussprüfung an.

Schon jetzt spricht Muhammad K. gut Deutsch – das hat er seinem Engagement zu verdanken, aber auch dem Kontakt zu vielen Peißenbergern. Als Kriegsflüchtling war der Syrer nach einmonatiger Reise Ende 2015 nach Peißenberg gekommen. Die Anerkennung seiner Ausbildung dauerte, praktizieren durfte er also nicht. Die Helfer des Unterstützerkreises „Asyl“ stellten den Kontakt zur Bereitschaft des „Bayerischen Roten Kreuzes“ in der Marktgemeinde her, damit Muhammad K. nicht untätig bleiben musste. Anfang 2016 war das, seit Mai 2016 ist er „vollwertiges Mitglied“ beim BRK – hat also auch einen Ausweis. Bei Einsätzen engagiert er sich unter anderem im Sanitäts- und Betreuungsdienst, war auch beim Hochwasser in Peißenberg vor Ort, um die Menschen mit Essen und Getränken zu versorgen. Um mit anpacken zu können, absolvierte Muhammad K. alle erforderlichen Rot-Kreuz-Lehrgänge – auf Deutsch. Und auch die Ausbildungsabende, die alle zwei Wochen in Peißenberg angeboten werden, besucht er. Praktisch läuft’s gut, doch der Theorie zu folgen, ist nicht immer ganz leicht, gibt er zu – aufgrund der Sprache. „Viele sprechen ja bayerisch“, sagt er und schmunzelt.

Die Traditionen vor Ort hat er auch schon miterlebt. Zum Beispiel die Fronleichnamsprozession 2016 auf den Hohen Peißenberg. Da wollte der 29-Jährige unbedingt dabei sein. Nachdem ihm das Bleiberecht bereits zugesprochen worden war, zog er im vergangenen Jahr in eine Wohngemeinschaft in Weilheim – dem BRK Peißenberg blieb er treu. Am Tag der Prozession radelte er in Weilheim los, doch er kam zu spät in der Marktgemeinde an – die Kollegen waren schon abgefahren. Und Muhammad K. radelte weiter, rauf auf den Berg, um ja nichts zu verpassen. „Da sieht man, wie groß sein Engagement und seine Motivation sind“, sagt Bereitschaftsleiter Thomas Bieringer. Muhammad K. sei „ein fester Teil der Rot-Kreuz-Familie“ geworden.

Mittlerweile ist er auch zurück in Peißenberg. Das WG-Leben in Weilheim klappte nicht, kurzfristig brauchte er eine neue Bleibe – und stieß erneut auf Hilfsbereitschaft in der Marktgemeinde. Das Ehepaar Wendela und Peter Moes hatte im Haus ein Zimmer frei. Wendela Moes kannte Muhammad K. vom Deutschunterricht in Peißenberg. „Dann haben wir gesagt, er kann zu uns ziehen“, sagt sie. Das war im Januar. Und das Ehepaar ist zufrieden mit dem Untermieter. „Er hilft, wo er kann“, sagt sie. „Wenn irgendwas ist, kümmert er sich.“ Kein Wunder, denn der Syrer ist gerührt

von so viel Hilfsbereitschaft. „Sie sind einfach toll, helfen mir sehr“, schwärmt der 29-Jährige.

Genauso positiv spricht er über die Mitarbeiter im Krankenhaus. „Die Abteilung war sehr nett, ich habe viel gelernt“, sagt er. „Es war großartig.“ Viel Lob hat er auch für die BRK-Kollegen: Bei der Bereitschaft will er „natürlich weitermachen“, es seien Freundschaften entstanden. Kontakte, die das Leben in der neuen Heimat leichter machen. Muhammad K. lächelt. „Ich bin sehr dankbar.“

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