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Die besten Absolventen: Michaela Fröhlich (1,0, hinten rechts.), Martina Schuster (1,18), Susanne Fesenmayr (1,20), Maximilian Drescher (1,36), Christoph Pichl (1,36), Luisa Kechele (1,58), Maximiliane Lidl (1,58), Sabrina Hannweber (1,64), Anna Huber (1,64), Thomas Völkle (1,64), Veronika Stäbler (1,67), Veronika Bergmeister (1,73), Annalena Nilles (1,73), Katharina Mayr (1,75) und Julia Holzmann (1,83). Mit auf dem Bild: Schulleiter Detlef Zimmermann. 

Realschule Peissenberg

Der Traum des Schulleiters

Peißenberg - Schulleiter Detlef Zimmermann hielt eine nachdenkliche Rede bei der Abschlussfeier der Realschule.  Erfreulich war die Leistung von Michaela Fröhlich, sie schaffte eine Traumnote.

„Sechs Jahre Realschule Peißenberg, das sind 1100 Schultage und 5760 Schulstunden – und was ist dabei herausgekommen?“ Diese Frage stellte Rektor Detlef Zimmermann am Freitag bei der Abschlussfeier in der anfangs vollbesetzten Tiefstollenhalle. „Gar nix“, riefen ein paar Absolventen aus dem Publikum ihrem ehemaligen Schulleiter entgegen – natürlich nur im Scherz. Immerhin durften Zimmermann und seine Lehrerkollegen 112 Abschlusszeugnisse verteilen – und die Prüfungsleistungen waren durchaus ansprechend. 15 Absolventen schlossen mit einer eins vor dem Komma ab – allen voran Michaela Fröhlich: Die 16-jährige Peißenbergerin schaffte die Traumnote 1,0 – obwohl sie „nur durchschnittlich viel gelernt“ hat, wie sie sagte. Fröhlich wechselt nun an das Gymnasium nach Schongau. Ihr Berufswunsch: Journalistin.

Die Abschlussfeier fand heuer erstmals nicht vormittags, sondern am Nachmittag statt. Laut Zimmermann hatten sich in den letzten Jahren Eltern der unteren Jahrgangsstufen beschwert, dass Schulstunden ausfallen, weil die Lehrer bei den Feiern anwesend waren. Doch nicht nur wegen des ungewohnten Termins unterschied sich die diesjährige Entlassungsfeier von der Norm. Die Absolventen bekamen von Zimmermann keine Standardrede (Stichwort: lebenslanges Lernen) zu hören. Der Rektor fand stattdessen nachdenkliche und auch selbstkritische Worte. Ausgehend von der Frage, was nach sechs Jahren Realschule außer dem Abschlusszeugnis übriggeblieben ist, verwies Zimmermann auf den amerikanischen Bürgerrechtler Martin Luther King („I have a dream“). Neben der reinen Wissensvermittlung gehe es eben auch darum, den Schülern die Fähigkeit beizubringen, Visionen zu entwickeln. Zimmermann skizzierte als Beispiel seinen persönlichen Traum von Schule, wo Unterricht Spaß macht und Schüler „natürlichen Respekt“ gegenüber ihren Lehrern zeigen. Doch schafft es die Peißenberger Realschule, ihren Schützlingen visionäres Denken zu vermitteln? „Ich fürchte, das ist uns noch zu wenig gelungen“, räumte Zimmermann ein: „Ich fürchte, dass wir Lehrer da noch etwas verbessern können.“ Allerdings seien die Rahmenbedingungen – „Schule und Ausbildung werden als Sparschwein der Nation missbraucht“ – alles andere als leicht. Zimmermann spannte den Bogen zurück zu Luther King: „Sollten wir nicht alle gerade angesichts der schwieriger werdenden Situation versuchen, seinen Satz wieder aufzugreifen: „‘I have a dream‘?“

Unabhängig von Utopien waren die Absolventen mit ihrem Betreuungspersonal aber offenbar ganz zufrieden, wie Schülersprecherin Lena Junglas kundtat: „Dass wir so weit gekommen sind, haben wir unseren Lehrern zu verdanken. Insgeheim wissen wir, dass sie einen guten Job gemacht haben.“ 10a-Klassleiterin Patricia Greinwald bekam sogar „Sie sind spitze“-Sprechchöre zum Abschied zu hören, was „Mama“, so Greinwalds liebevoller Spitzname, sichtlich rührte – obwohl sie in der fast reinen Jungen-Klasse bisweilen Bilder aus Playboyheften an den Wänden bewundern musste. Weniger schön verlief das Ende der Abschlussfeier. Die 10 d bekam ihre Zeugnisse in halbleerer Halle überreicht. Viele der Jahrgangskollegen hatten den Saal bereits verlassen. Diesbezüglich blieb Zimmermanns Traum vom „natürlichen Respekt“ wirklich nur ein Traum. 

Bernhard Jepsen

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