1. Startseite
  2. Lokales
  3. Weilheim
  4. Peißenberg

Trotz deutlicher Symptome zur Sitzung erschienen: Rathausmitarbeiter an Corona erkrankt

Erstellt:

Von: Bernhard Jepsen

Kommentare

Der PCR-Test des Mitarbeiters war nur wenige Tage danach positiv.
Der PCR-Test des Mitarbeiters war nur wenige Tage danach positiv. © Kay Nietfeld/dpa

Im Anschluss an eine Marktratssitzung in Peißenberg wurde ein Mitarbeiter positiv getestet. Das Heikle an der Angelegenheit: Er saß mit typischen Symptomen in der Sitzung.

Peißenberg - Seit Beginn der Pandemie hält der Peißenberger Marktrat im Landkreis Weilheim-Schongau seine Sitzungen in der Tiefstollenhalle ab. Das Gremium hat sich an die Lokalität inzwischen gewöhnt ebenso wie an die Hygieneschutzregeln. In der Tiefstollenhalle gilt unter anderem Maskenpflicht.

Und diesbezüglich fiel in der jüngsten Ratssitzung ein kleines Detail auf. Bürgermeister Frank Zellner moderierte die Sitzung via Mikrofon ohne Maske – wie gewohnt. Doch neben ihm saßen zwei leitende Rathausmitarbeiter mit Maske – obwohl selbige am Platz eigentlich abgenommen werden darf. Warum hatten die beiden Rathausmitarbeiter ihre Masken auch am Platz auf?

Corona-Erkrankter erscheint trotz Symptomen in Marktratssitzung in Peißenberg

Beim Tagesordnungspunkt über die mögliche Einstellung eines Klimamanagers war die Sache klar. Der direkt neben Zellner sitzende Rathausmitarbeiter trug den Sachverhalt vor – mit deutlich angeschlagener Stimme. Drei Tage später wurden die Gemeinderäte schließlich darüber informiert, dass an der Sitzung eine Person teilgenommen hat, die später positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Um wen es sich handelte, war zunächst unklar. In einer weiteren Mail nannte die Rathausverwaltung schließlich auch den Namen des Mitarbeiters.

Schnelltest am Tag der Sitzung und am Folgetag negativ

Fakt ist: Der Mitarbeiter saß mit deutlichen Symptomen in der Sitzung. Das wirft natürlich Fragen auf. Handelte die Rathausverwaltung etwa fahrlässig? Im Gespräch mit der Heimatzeitung erklärt Frank Zellner, dass sich der doppelt geimpfte Mitarbeiter täglich einem Schnelltest unterzogen hat – auch am Tag der Sitzung am 27. Oktober. Aber war es trotzdem klug, ihn an der Sitzung teilnehmen zu lassen? Dem Vernehmen nach soll es im familiären Umfeld des Mitarbeiters relativ zeitgleich Corona-Erkrankungen gegeben haben. Zudem haben Schnelltests bekanntlich eine hohe Fehlerquote. „Aus meiner Sicht haben wir alles getan, was opportun war. Er hat sich gut gefühlt und war mit sich im Reinen“, berichtet Zellner.

Coronatest ist am Folgetag positiv - die Gemeinderäte werden nicht sofort informiert

Am Tag nach der Sitzung schlug der Schnelltest aber positiv an. Bestätigt wurde die Coronainfizierung durch einen PCR-Test. Zellner erfuhr am Freitagmorgen davon. Warum er die Gemeinderäte erst am Samstag informiert hat? Zellner verweist auf das Gesundheitsamt, das den Fall übernommen hat: „Ich wollte nicht die Pferde scheu machen und dem Amt nicht vorgreifen. Wir waren in der Denke, dass alles seinen richtigen Weg geht.“

Bürgermeister: „Wieder mehr im Corona-Modus“

Rein regeltechnisch ist der Verwaltung nichts vorzuwerfen. Auch der Umstand, dass Zellner die Sitzungsbesucher und die anwesende Presse nicht informierte, ist von den neuen Bestimmungen gedeckt. Im Rahmen der Sitzung mussten nach einem Kabinettsbeschluss der Staatsregierung auch keine Kontaktdaten mehr erhoben werden. Das Gesundheitsamt beschränkt seine Verfolgung von Kontaktpersonen mittlerweile auf den Hausstand des jeweiligen Betroffenen. Man werde die richtigen Lehren aus dem Fall ziehen, betont Rathauschef Zellner: „Nach der Entwicklung der vergangenen anderthalb Wochen ist jeder wieder mehr im Corona-Modus.“ Das Bewusstsein, dass Impfungen kein Garant für eine Nicht-Infizierung seien, sei nun geschärft. Aber hätte man diese Erkenntnis nicht schon vorher haben können? „Das Wissen ist das eine, aber es im direkten Umfeld zu erleben, noch einmal etwas anderes“, sagt Zellner.

Peißenbergs Bürgermeister möchte die Corona-Schutzmaßnahmen erhöhen

Nach derzeitigem Stand hat sich in der Ratssitzung niemand angesteckt. Laut dem Bürgermeister werde man aber zusätzliche Schutzmaßnahmen ergreifen. Unter anderem werden im Vorfeld der nächsten Sitzung an jedes Gemeinderatsmitglied FFP2-Masken und Schnelltests verteilt. In der Tiefstollenhalle werden zudem ein CO?-Messgerät aufgestellt und die Lüftungsintervalle strikt eingehalten. Und wie geht es dem infizierten Mitarbeiter? „Er befindet sich auf dem Weg der Besserung“, so Frank Zellner.

Erkältungssymptome zu dieser Jahreszeit keine Seltenheit

Dass ein Rathausmitarbeiter mit Symptomen in der jüngsten Marktratssitzung saß, hat dem Vernehmen nach bei dem ein oder anderen Gremiumsmitglied für Unmut und Kopfschütteln gesorgt. Nicht so bei Sandra Rößle (CSU/Parteilose). Die frühere Vize-Rathauschefin war die Gemeinderätin, die in der Sitzung am nächsten zum infizierten Mitarbeiter saß. „Ich fand es superfair von ihm, dass er eine Maske getragen hat“, erklärt Rößle auf Nachfrage der Heimatzeitung.

Erkältungssymptome seien zu dieser Jahreszeit keine Seltenheit. Außerdem sei Abstand gehalten worden. Eine absolute Sicherheit würde es in Pandemiezeiten nicht geben – es sei denn, man verhänge wieder Lockdowns. Aber das, würde auch keiner wollen: „Wir werden uns mit Corona arrangieren müssen“, meint Rößle. Nach Bekanntwerden der Corona-Infektion des Mitarbeiters habe sie sich sofort getestet – mit negativem Ergebnis: „Ich habe mich nicht unsicher gefühlt“, so Rößle.

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s auch in unserem regelmäßigen Schongau-Newsletter. Und in unserem Weilheim-Penzberg-Newsletter.

Auch interessant

Kommentare