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Stromgewinnung trifft Landwirtschaft: Unter PV-Anlagen sollen künftig Kühe weiden können

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Von: Bernhard Jepsen

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Die Sonnenwiese am Dornbichlweg wurde im Juli 2021 eingeweiht.
Die Sonnenwiese am Dornbichlweg wurde im Juli 2021 eingeweiht. © Bernhard Jepsen

Bei der „Energiegenossenschaft Peißenberg“ läuft‘s: Die „Sonnenwiese Dornbichl“ ist ein Erfolg, weitere Projekte sind angekündigt. Ein Kooperationspartner soll mit anpacken.

Peißenberg – „Es läuft gerade alles ziemlich gut“, sagt Alexander Rossner, wenn er auf die Lage bei der Peißenberger Energiegenossenschaft angesprochen wird. Der Aufsichtsratsvorsitzende versprüht Optimismus – und das kommt nicht von ungefähr. Vor einem Jahr ging die „Sonnenwiese Dornbichl“ ans Netz. Der Jahresertrag der PV-Freiflächenanlage im Norden Peißenbergs betrug 2,86 Millionen kWh. Das sind satte 14 Prozent mehr, als ursprünglich prognostiziert. Auch bei der Vergütung hat sich ein positiver Trend gezeigt. Kalkuliert wurde mit 5,3 Cent pro kWh. Doch der tatsächliche Marktwert lag in den vergangen zwölf Monaten deutlich über der Richtmarke, teilweise sogar bei 27,08 Cent. Die Folge: Von der Bundesnetzagentur mussten noch keine Ausgleichszahlungen in Anspruch genommen werden. Die gesamte Vergütung wurde bis dato über den Markt finanziert. Die Genossenschaft spricht in einer Mitteilung an ihre Mitglieder denn auch von einem „sehr erfolgreichen, ersten Jahr“ für die Solarwiese.

Der Solarpark am Dornbichlweg soll nicht das einzige Großprojekt der Genossenschaft bleiben. „Wir wollen unseren Wirkungskreis weit über die Grenzen Peißenbergs hinaus ausdehnen“, kündigt Rossner an. Und dabei peilt man eine Kooperation mit dem Maschinenring Oberland an. Das Stichwort lautet: „Agri-PV“.

PV-Anlagen und Weidenutzung kombinieren

Was sich hinter dem Begriff verbirgt? Für den Bau von PV-Freiflächenanlagen sollen landwirtschaftliche Flächen nicht der bäuerlichen Bewirtschaftung entzogen werden. Stattdessen wird eine Doppelnutzung angestrebt – beispielsweise in der Form, dass die Modulreihen so hoch aufgeständert werden, dass darunter Weidehaltung für Rinder ermöglicht wird. So können Landwirte eine weitere Einnahmequelle erschließen.

„Es soll kein Buhlen mit aktiven Landwirten um die Flächen geben“, so Georg Heindl über die Intention von „Agri-PV“. Der Geschäftsführer des Maschinenrings spricht von aktuell vier Projekten, die man in Kooperation mit der Energiegenossenschaft umsetzen könnte. Mögliche Standorte werden noch nicht verraten. Die Kooperation muss noch von den Aufsichtsräten des Maschinenrings abgesegnet werden. Und dann kommen die Detailplanungen und Genehmigungsverfahren. „Es ist noch ein langer Weg, bis die erste Kilowattstunde eingespeist wird“, erklärt Heindl.

Laut der Genossenschafts-Mitteilung sollen die Projekte eine elektrische Gesamtleistung von etwa 20 bis 25 MWp haben. Das entspricht in etwa der acht- bis zehnfachen Größe der Freiflächenanlage am Dornbichlweg.

Bürger sollen sich an Projekten beteiligen können

Für Heindl ist die Energiegenossenschaft der richtige Ansprechpartner. Eine Zusammenarbeit mit einem großen Investor käme für ihn und den Maschinenring nicht in Frage: „Wir wollen, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt.“ Die Bürger sollen sich an den Projekten beteiligen können. Auch für den Maschinenring würde sich ein neues Geschäftsfeld auftun. „Wir leben bislang größtenteils vom Winterdienst“, erklärt Heindl. In Zeiten des Klimawandels gibt es in dem Bereich enorme Einbußen. Und die hohen Temperaturen wirken sich natürlich auch im Sommer auf die landwirtschaftlichen Betriebe aus: „Wir Landwirte können ja nicht zuschauen, wie unsere Ernte verbrennt“, sagt Heindl. Deshalb müsse dem Klimawandel mit regenerativer Energieerzeugung entgegengewirkt werden – noch dazu angesichts der weltpolitischen Ereignisse und der massiven Verteuerung von fossilen Energieträgern: „Wir brauchen eine Lösung für unser Energieproblem“, betont Heindl.

Rossner spricht bezüglich der möglichen Kooperation bereits von einem „Dream-Team“ – und damit meint der Aufsichtsratschef auch die „Sparkasse Oberland“ als Kreditgeber und Dritten im Bunde. Und namenstechnisch will sich die Energiegenossenschaft ihren Partnern demnächst anpassen. Auf der Mitgliederversammlung Anfang Oktober soll aus der „Energiegenossenschaft Peißenberg“ die „Energiegenossenschaft Oberland“ werden. Der neue Titel soll dem künftigen räumlichen Betätigungsfeld Rechnung tragen.

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