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Mindestpreise sind aus seiner Sicht besser als Subventionen: Wirtschaftswissenschaftler Heiner Flassbeck bei der BDM-Infoveranstaltung.

Wirtschaftswissenschaftler Dr. Heiner Flassbeck sprach bei BDM-Versammlung

„Das wird nicht mehr lange gut gehen“

Oberhausen/Landkeis - Dr. Heiner Flassbeck äußerte bei einer Versammlung von BDM und AbLin Oberhausen Kritik am Wirtschaftssystem. 100 Besucher waren zur Versammlung gekommen.

Von Alfred Schubert

Zu einer untypischen Bauernversammlung hatten die „Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft“ (AbL) und der „Bund Deutscher Milchviehhalter“ (BDM) eingeladen. Als erstes bekamen die rund 100 Besucher, die am Dienstag ins Gasthaus „Stroblwirt“ in Oberhausen gekommen waren, vom Referenten zu hören: „Ich habe keine Ahnung von Landwirtschaft, ich beschäftige mich mit Volkswirtschaft.“ Und danach sprach Professor Heiner Flassbeck, der Geschäftsführer der „Makroskop Mediengesellschaft“ erst einmal ausführlich über Zusammenhänge in der Wirtschaft.

Eines der großen Probleme sieht Flassbeck darin, dass viele Politiker Zusammenhänge nicht verstünden: „Das Nachdenken ist in der Politik nicht vorgesehen.“ Nach seiner Einschätzung ist vielen Politikern nicht bewusst, dass es zu einem Guthaben immer gleich hohe Schulden gebe. „Die Schulden der ganzen Welt sind null“, wenn man die Guthaben gegenrechne. Die hohe Sparquote in Deutschland habe eine hohe Verschuldung in anderen Länder zur Folge. Und da Deutschland durch die – im Vergleich zu anderen Ländern – geringen Lohnsteigerungen in den vergangenen Jahren einen Wettbewerbsvorteil habe, würde es andere Länder „an die Wand fahren“, da diese wegen der Währungsunion keine Möglichkeit mehr hätten, mit einer Neubewertung ihrer Währung zu reagieren. Deutschland exportiere deshalb viel in die benachteiligten Länder, wodurch diese mehr importierten. Laut Flassbeck kann es keine Exportüberschüsse geben, da die Summe aus Exporten und Importen immer gleich sei: „Für die Welt gibt es ja kein Ausland – dummerweise.“ Eine Ursache für die hohe Arbeitslosigkeit in anderen Ländern der EU sei die rücksichtslose Wirtschaftspolitik Deutschlands. Der Referent befürchtet: „Das wird nicht mehr lange gut gehen.“

Zum Schluss ging Flassbeck doch noch kurz auf die Milch ein. Subventionen zur Unterstützung der Bauern lehnt er ab. Diese hätten nur Überproduktion zur Folge. Besser sei es, wenn der Staat eingreife, indem er einen Mindestpreis festsetzt. Die Welt würde „dadurch nicht untergehen“. Dies habe auch die Einführung des Mindestlohns in Deutschland gezeigt, die nicht zu Massenentlassungen geführt habe. Eine weitere Möglichkeit zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Bauern sieht der in Frankreich lebende Wissenschaftler in der Produktion hochwertiger Lebensmittel. Die Bauern müssten flexibel sein. Als Beispiele nannte er das Kobe-Rind aus Japan, das Höchstpreise für Fleisch erziele, und das Bresse-Huhn, für das in Frankreich 35 Euro pro Stück gezahlt würden. Flassbeck: „Deutschland hat mit seiner Billigheimer-Mentalität viel kaputt gemacht.“ Ein generelles Problem sieht Flassbeck darin, dass viele Menschen sich zu wenig mit wirtschaftlichen Zusammenhängen beschäftigten. Dies liege möglicherweise daran, dass dies „von der Politik gar nicht gewünscht“ sei. Zu seinen kritischen Anmerkungen zur deutschen Wirtschaftspolitik meinte er: „Jetzt steh’ ich allein da, ich Depp, und sage es.“

Flassbeck kritisierte auch die Bauern. Angesichts der politischen Diskussion wirtschaftlicher Themen meinte er: „Da frage ich mich immer: Wo sind die Bauernvertreter?“

Die neuen Ansprechpartner im Landkreis

Bei einer Informations-Veranstaltung im Dezember wählte der BDM zudem in den Gemeinden Ortsvertreter sowie Stellvertreter und Beisitzer neu. Die Ansprechpartner in den jeweiligen Ortschaften sind:

Bereits im Dezember hatte der BDM die Ortsvertreter bei einer Veranstaltung im Gasthof „Zur Post“ in Peißenberg neu gewählt.

Thomas Mayr (Deutenhausen), Thomas Ruhdorfer (Penzberg), Hartmuth Ebentheuer (Peißenberg), Thomas Bauer (Hohenpei- ßenberg), Ludwig Schreiber (Huglfing), Nikolaus Winter (Oberhausen), Rupert Frech und Peter Haberle (Antdorf), Tosso Geisenberger (Böbing), Claus Frohnwieser (Eberfing), Josef Hoiß (Habach), Johann Schweiger (Iffeldorf), Xaver Egner (Obersöchering), Maximilian Popp (Pähl), Johannes Hechenrieder (Polling), Thomas Strobl (Rottenbuch), Michael Brüderle (Seeshaupt), Michael Schelle und Hubert Orterer (Wessobrunn), Helmut Steigenberger (Wielenbach), Thomas Bertl (Wildsteig), Thomas Nagl (Eglfing), Josef Sellmaier und Leonhard Schilcher (Peiting), Hubert Thoma (Altenstadt), Paul Socher(Bernbeuren), Reinhard Bair und Christian Moser (Burggen), Markus Schmid (Ingenried), Ulrich Jörg (Prem), Georg Lang (Schwabsoien) sowie Josef Huber (Steingaden).

lvp

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