Verzweifelte Suche nach einem Augenarzt - so erging es einem 17-Jährigen 

Die erfolglose Suche nach einem Augenarzt, der ihren Sohn behandelt, hat Iris Hofmann aus Peißenberg kürzlich an den Rande der Verzweiflung gebracht. Ihr 17-jähriger Sohn hatte beim Arbeiten etwas ins Auge bekommen.

Peißenberg „Ich bin mit meinem Sohn im Auto gesessen und war fassungslos“, sagt Iris Hofmann: „Ich habe einen Notfall und werde von vier Augenärzten abgewiesen.“ Die Peißenbergerin erzählt, wie es dazu kam, dass sie den Glauben an die gute medizinische Versorgung in der Region verloren hat: Ihr 17-jähriger Sohn sei an einem Werktag am Nachmittag von der Arbeit nach Hause gekommen und habe erzählt, dass er bei der Arbeit etwas ins Auge bekommen habe. Er ist Auszubildender in einem metallverarbeitenden Betrieb. Sie habe dem Auge sofort angesehen, dass etwas nicht stimmen kann, weil es extrem gerötet war. Mutter und Sohn haben das Auge gespült, dennoch sei es immer röter geworden.

Die Mutter beschloss, das Auge einem Fachmann zu zeigen. „Ich wusste ja nicht, ob die Hornhaut verletzt ist“, sagt Hofmann. Sie rief einen Augenarzt in Weilheim an. Dieser habe sie nach der Krankenversicherung gefragt, und als er hörte, dass der Patient gesetzlich versichert ist, gesagt, dass er ihn nicht mehr behandeln könne, weil er in zehn Minuten schließe. Der nächste Augenarzt, den sie angerufen habe, habe eine Ansage auf Band gehabt, dass er Sprechstunde bis 17 Uhr habe. Da noch mehr als eine Stunde Zeit bis dahin war, stiegen Mutter und Sohn ins Auto und fuhren los. Als sie in der Augenarztpraxis angekommen waren, sei das Wartezimmer bis auf zwei Patienten leer gewesen. Auch dort habe sich die Arzthelferin nach der Versicherung erkundigt und dann abgewinkt: Es gebe keinen Termin mehr.

Die Mutter war fassungslos: „Man hat gesehen, dass mein Sohn etwas im Auge hat“, sagt Hofmann. Der nächste Arzt habe ihr geraten, sich an den ärztlichen Bereitschaftsdienst zu wenden. Aber als sie dort angerufen habe, habe es geheißen, solange Augenärzte noch Sprechstunde hätten, sei dies die falsche Adresse. Ein weiterer Augenarzt habe einen Termin für den nächsten Morgen angeboten.

Dann hat Iris Hofmann die Verzweiflung gepackt: „Ich habe unsere Hausärztin angerufen, die sagte, wir sollen sofort vorbeikommen.“ Die Hausärztin konnte nach einer Untersuchung schließlich Entwarnung geben: Das Auge sei zwar noch angegriffen gewesen, aber den Fremdkörper hatte es offensichtlich herausgeschwemmt.

Auch, wenn diese Sache gut ausgegangen ist, Iris Hofmann ist noch immer erschüttert über das, was sie an jenem Nachmittag erlebt hat: „Mein Sohn hatte Schmerzen, es war ein Notfall, und es hat nur interessiert, ob er privat versichert ist oder nicht.“ Zudem habe sie bei jedem Arzt darauf aufmerksam gemacht, dass es sich um einen Notfall handle. „Da muss es doch egal sein, wie viele Patienten ich noch habe.“

Auch Birgit Grain, die Pressesprecherin der „Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns“, kann sich nicht erklären, warum der Sohn von Iris Hofmann nicht behandelt wurde, denn: „Notfallpatienten werden in jedem Fall ärztlich behandelt“, so Grain.

Weshalb in diesem Fall keine ärztliche Behandlung erfolgt sei, obwohl die Mutter des Patienten geschildert habe, dass es sich um einen augenärztlichen Notfall gehandelt habe, „können wir leider nicht beurteilen, ohne die genauen Hintergründe zu kennen“, so Grain. Notfallpatienten seien in jedem Fall voranging zu behandeln.

Text: Kathrin Hauser

Rubriklistenbild: © Symbolfoto picture-alliance/ dpa/dpaweb / Rolf Vennenbernd

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