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Glücklich, lebensfroh – aber nicht ganz zufrieden. So beschreibt sich Martina Hoyer vor ihrer Schönheits-OP. Sie möchte wieder aussehen, wie sie sich fühlt.

Zwei Jahre vergessen

Sie will wieder so aussehen, wie sich so fühlt - helfen dabei soll eine OP

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Nach einer Veränderung in ihrem Leben fühlt sich Martina Hoyer nicht mehr so schön, wie vorher. Eine Schönheits-OP soll helfen, ihr Selbstbewusstsein wiederherzustellen.

Schönheits-OP? Nein. Menschen, die das machen lassen, hat Martina Hoyer, 44, immer belächelt. Nur einmal, mit 18, wollte sie sich ihre Nase machen lassen. Ihre Eltern waren dagegen. Seitdem war es nie wieder ein Thema. Hoyer macht jeden Tag Sport, ernährt sich gesund, benutzt Naturcremes. Schönheits-OPs passen da nicht rein. „Ich habe immer gesagt, so einen Scheiß mache ich nicht. Ich werde in Würde altern“, sagt sie.

Jetzt sitzt sie im Garten ihres Hauses in Peißenberg und hat Angst vor ihrem ersten Schönheitseingriff. Nasolabialfalte und Schlupflider. Die Falten in ihrem Mundwinkel werden mit Eigenfett aufgespritzt, die überschüssige Haut der Schlupflider weggeschnitten. Diese Behandlungsmethoden lesen sich für eine Frau, die eine Phobie vor Spritzen hat, wie moderne Foltertechniken. Doch für Hoyer gibt es kein Zurück. „Ich hatte zwei harte Jahre“, sagt sie. Die Beziehung mit ihrem Mann ging in die Brüche. Das hat an ihr gezehrt. „Ich hatte viel Kummer. Man wacht auf und hat Tränensäcke. Es hat mich alt gemacht.“

„Altwerden ist nicht schön“

Dieses Gefühl kennt Hoyer von ihren Kunden nur zu gut. Sie ist Nagelpflegerin und bietet auch medizinische Fußpflege an, arbeitet oft mit Bewohnern von Altenheimen. „80 Prozent der Frauen erschrecken, wenn sie in den Spiegel schauen. Sie sehen aus wie 100, sind aber 90 – und im Herzen noch das junge hübsche Mädel mit 25.“ Hoyer seufzt und sagt: „Das Altwerden ist im Grunde nicht schön.“

Dabei steht die Mutter von fünf Kindern mitten im Leben. Ihren Alltag meistert sie mit viel Disziplin. Dazu gehören täglich 20 Minuten Sport. Ihre 50 Kilo hält sie seit 30 Jahren, ein Stück Kuchen pro Tag war nie ein Problem. Aber ihr Gefühl, innerhalb von zwei Jahren gealtert zu sein, wurde immer stärker. Irgendwann, etwa vor einem Jahr, hatte Hoyer die Trennung abgehakt. Das Ausgehen machte wieder Spaß – nur der Blick in den Spiegel nicht. „Die Sorgenfalten sind geblieben“, sagt sie. „Mein Spiegelbild passte nicht mehr mit dem zusammen, wie ich mich fühle.“ Beim Schminken denkt Hoyer immer wieder an einen Schönheits-Eingriff. Wenn sie Bilder von vor vier Jahren sieht, weiß sie: „So möchte ich wieder aussehen.“ Am Anfang setzt sie noch auf Cremes. „Aber wenn du die Creme weg nimmst, sind die Falten wieder da.“

Vorherbild: Die Nasolabialfalte an den Mundwinkeln und die Schlupflider waren das Ziel des Eingriffs.

Dann trifft sie einen Bekannten. Sie hatten sich fünf Jahre lang nicht gesehen. Und doch scheut sich dieser Bekannte nicht, ein sensibles Thema anzusprechen. „Er meinte, ich schaue ganz schön mitgenommen aus.“ Wenn sie mit Freunden über ihre Alterung spricht, schweigen sie. Stille Zustimmung. Und Bestätigung für Hoyer. „Ich habe einfach zwei harte Jahre hinter mir.“ Mittlerweile ist ihr Entschluss so gefestigt, dass sie jahrzehntelange Überzeugungen aufgibt. Mit einem Freund sprach sie immer wieder über das Thema. Sie hatten sich geschworen: nicht mit uns. „Er sagte, wir zwei werden alt, stolz mit jeder Falte und jedem Haarausfall, jeder Geheimratsecke.“

Jetzt möchte sich Hoyer doch einer Schönheits-OP unterziehen. Aber mit einem Vorsatz: „Manche Frauen lassen was mit Botox machen, geben das aber nicht zu. Ich möchte dazu stehen.“ Es soll bei der Behandlung von Nasolabialfalte und Schlupflidern bleiben. „Wenn man anfängt, hier und dort zu straffen und noch die Lippen zu machen, hat es eher mit dem Selbstwertgefühl zu tun.“ Was Hoyer nicht machen lassen würde: „Die Oberschenkel straffen, größere Lippen machen oder alle Falten aus dem Gesicht entfernen lassen.“ Sie betont: „Es kann nicht der Sinn sein, dass man mit 50 ausschaut wie mit 20 und sich da was vormacht. Viele Frauen verbinden das oft mit Glücklichsein. Man muss einen anderen Weg finden.“ Hoyer bezeichnet sich selbst als glücklich – „nur nicht so ganz einverstanden.“

Deswegen stellt sie sich ihrer Phobie vor den Spritzen und Eingriffen und sitzt eines Vormittags auf dem Behandlungsstuhl von Dr. Joachim Graf von Finckenstein in dessen Starnberger Praxis. Eine Stunde später liegt sie mit Kühlpacks und einem Verband über den Augen im Aufwachraum. „Das habe sogar ich überstanden“, sagt Hoyer und lacht müde.

Nachherbild: Einen wacheren Blick und keine Falten im Mundwinkel verspricht sich Hoyer durch den Eingriff.

Die drei Wochen darauf sind nicht so schön, sagt sie später. „Am Tag danach habe ich mir gedacht: Meine Güte, was habe ich getan?“ Die Spuren des Eingriffs sind da noch zu sehen. Irgendwann gibt es dann von Freunden die ersten lobenden Worte. Andere, die nichts von dem Eingriff wussten, sagen: „Du hast dich super erholt.“ Jetzt ist alles gut. Den Behandlungserfolg sieht sie selbst aber am allerwenigsten, sagt Hoyer. „Das ist komisch, ich muss immer Bilder hernehmen.“ Die 44-Jährige wirkt zufrieden. Oder? Beim rechten Schlupflid hätte man schon noch etwas mehr wegmachen können, sagt sie. „Aber die Natur ist ja auch nicht perfekt.“ Jetzt möchte sie endgültig mit den zwei harten Jahren abschließen.

Nur eines stimmt sie nachdenklich. Bei der nächsten Begegnung mit dem Freund, mit dem sie sich dem natürlichen Altern verschrieben hatte, wird sie ihren Eingriff beichten müssen. „Das wird schwer“, sagt sie. „Er wird schimpfen.“ Vielleicht sogar entsetzt sein. „Weil ich eigentlich ein positiver Mensch bin.“

Interview: „Manche denken, ich kann zaubern“

Dr. Joachim Graf von Finckenstein (61) ist seit 1989 Facharzt für Plastische Chirurgie. „Ich war einer der ersten, der diese Fachrichtung ausgeübt hat“, sagt er. Drei Jahre später hat sich Dr. Finckenstein mit einer Praxis in Starnberg selbstständig gemacht. Er spricht über das Altern und darüber, welche Patienten er ablehnt.

Herr Dr. Finckenstein, haben Sie bei sich etwas machen lassen?

Ich habe mir Botox in die Stirn geben lassen. Damit ich etwas freundlicher wirke und nicht böse schaue, wenn ich konzentriert bin. Wenn meine Oberlider anfangen, zu sehr wie ein Vorhang zu wirken, werde ich sie auch machen lassen.

Haben Sie selbst Angst vor dem Altern?

Das nicht. Aber ich schließe nicht aus, dass das kommen wird, wenn die Lebensqualität schwindet.

Gibt es Eingriffe, die Sie an sich nicht machen lassen würden?

Ich biete keine OP-Methoden an, deren Effizienz ich hinterfrage. Insofern gäbe es keinen Eingriff, den ich nicht auch an mir durchführen würde, sofern damit ein Problem gelöst wird. Entscheidend ist, ob einen das subjektiv gegebene Manko nachhaltig stört.

Viele Menschen mögen ihre Falten und stehen dazu. Machen es sich Menschen mit Schönheits-OP’s nicht zu leicht?

Das sehe ich anders. Wenn man in den Spiegel schaut und sich über seine Zornesfalte ärgert, spricht nichts dagegen, sie sich entfernen zu lassen. Nichts machen zu lassen, ist eine sehr deutsche Eigenschaft. Wenn dir der liebe Gott eine Körperbeschaffung hinterlassen hat, unter der du leidest - was ist daran verwerflich, wenn man die beseitigt haben will? Manche Menschen haben ethische Bedenken. Dann sollen sie für sich ihre ethischen Bedenken berücksichtigen. Ich halte es aber für anmaßend, über andere zu urteilen, die keine Bedenken haben. Hat jemand eine halbe Hasenscharte ohne Kau- und Sprechbehinderung, dann hat er ein rein äußerliches Stigma im Gesicht. Beseitigt man die Hasenscharte, wird da niemand ethische Bedenken haben.

Dr. Joachim Graf von Finckenstein operiert seit 1989.

Andere Eingriffe erscheinen fast überflüssig.

Wenn jemand mit C-Körbchen kommt und ein E-Körbchen will, sind die Bedenken berechtigt. Der Schaden, den ich mit einer OP zufüge, muss immer in Verhältnis zum Ergebnis stehen.

Operieren Sie in so einem Fall überhaupt?

Ich lehne jede vierte Anfrage ab - wenn die Gefahr einer Komplikation zu hoch ist im Vergleich zu dem, was man erreichen kann. Wenn eine Tränenrinne zu einem Tränensack hochstilisiert wird, versuche ich, den Patienten wieder auf den Boden zu bringen. Häufig gibt es aber eine falsche Erwartungshaltung. Manche denken, wir können zaubern. Frauen wollen größere Brüste – die Implantate soll keiner sehen.

Welche Menschen kommen zu Ihnen?

80 Prozent unseres Klientels sind Frauen. Es fängt beim Kleinkind mit abstehenden Ohren an. Es gibt auch Mädchen mit zwölf Jahren, die sich wegen übergroßen Brüsten nicht mehr trauen, ins Schwimmbad zu gehen. Ich habe aber auch eine Patientin, die ist bereits 80 Jahre alt.

Ist Frau Hoyer für Sie eine klassische Kundin?

Ja. Sie erkennt die ersten Spuren ihrer Alterung und hat Schicksalsschläge erlitten, möchte einen Neuanfang setzen. Manchmal kommen auch Frauen, die gerade frisch verwitwet sind, lange geweint haben. Irgendwann überwinden sie das und meinen, die ganze Trauer ist im Gesicht zu erkennen.

Haben Schicksalsschläge wirklich Auswirkungen auf das Aussehen?

Es ist eine Mischung aus vielem. Primär ist für das Aussehen sicherlich die Genetik ausschlaggebend. Manche Menschen altern besser als andere.

Sie erleben in ihrem Beruf viel. Haben sie eine besondere Anekdote?

Eine Patientin kam sehr ungepflegt. Sie wirkte deprimiert. Ihr Busen füllte nicht mal ein A-Körbchen, sie fühlte sich nicht als Frau. Wir haben die Brüste moderat vergrößert. Zwei Jahre später war sie fast nicht wiederzuerkennen. Die Frau hatte durch die äußerliche Änderung ihr Selbstbewusstsein wieder gefunden. Das ist das, was ich bei jedem Patienten erreichen möchte.

Ob Dr. Finckenstein einen Eingriff an mir empfehlen würde? Nur, wenn mich etwas stört. Beruhigend.

Sebastian Raviol, 26, Volontär beim Starnberger Merkur

Alter, die Jugend! Eine Volontärs-Beilage

Dieser Text ist Teil der Beilage Alter, die Jugend!“. Die Volontäre von Münchner Merkur, tz und Merkur.de haben sich auf die Suche nach Geschichten gemacht, die das Verhältnis der jungen Leute zum Alter und anders herum erzählen. Hier geht es zum Überblick über alle Artikel.

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