Anita Augspurg wird eine Straße gewidmet.
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Anita Augspurg wird eine Straße gewidmet.

Zum  internationalen Frauentag

Weg und Straße für die Wegbereiterinnen

  • Kathrin Hauser
    vonKathrin Hauser
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Am 8. März ist „Internationaler Frauentag“, der mit aus dem Kampf ums Frauenwahlrecht entsprungen ist. Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann waren Wegbereiterinnen des Wahlrechts für Frauen. Sie haben ein paar Jahre in Peißenberg gelebt. Im November hat sich der Marktgemeinderat dazu durchgerungen, zwei Straßen nach ihnen zu benennen.

Peißenberg – Als Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann im Jahr 1908 mit Hunden und einem Pferd auf dem Siglhof einzogen, muss das ein Kulturschock für die Peißenberger gewesen sein: zwei Frauen, die ein Liebespaar waren und so gar nicht nach den damaligen Konventionen lebten, die fürs Frauenwahlrecht kämpften und sich zutrauten, den 1000 Tagwerk großen, ziemlich heruntergekommenen Hof mit 43 Kühen, Moorflächen und einem Torfwerk zu bewirtschaften – und das auch noch fast ausschließlich mit Frauen.

Und dann waren die beiden Exotinnen auch noch erfolgreich damit. Obwohl sie Heiratsanträge ausgeschlagen hatten, verwandelten den herabgewirtschafteten Bauernhof in ein Mustergut. Dass sie sich mit diesen profanen Dingen wie Gartenarbeit und Gemüseanbau beschäftigten, sorgte auch bei den Mitstreiterinnen für Kopfschütteln. Die Frauenrechte-Aktivistin, Herausgeberin und Journalistin, Minna Cauer, die eine zeitlang mit Anita Augspurg zusammengearbeitet hatte, und diese auf dem Land besuchte, schrieb in ihren Erinnerungen: „Wie kann man bei dem Geist von Anita zufrieden sein mit Reiten, Fahren, Bohnenpflücken, Jäten, Harken und dergleichen mehr.“

Auch von ihren Nachbarn wurde die landwirtschaftliche Tätigkeit der beiden Frauen kritisch beäugt. Noch mehr auf Skepsis stieß die öffentliche Bibliothek, die Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann auf dem Hof eingerichtet hatten. Einige Peißenberger nutzten dieses Angebot und liehen sich Bücher unter anderem von Heinrich Heine oder Henrik Ibsen aus. Dieses verdächtige Treiben beendete das Pfarrer dann allerdings, indem er dringend davon abriet, Literatur dieser Schriftsteller zu lesen.

Doch es blieb nicht bei diesen harmlosen Abgrenzungen: Zwei Mal brannte der Siglhof innerhalb von fünf Jahren. Zudem erkrankte Anita Augspurg so schwer, dass die Ärzte sie schon aufgegeben hatten. Im Winter 1913/1914 verließen die beiden Frauen Peißenberg wieder und verkauften den Siglhof.

Dennoch werden sie nun wohl dauerhaft mit der Marktgemeinde verbunden bleiben. Im November hat der Peißenberger Gemeinderat beschlossen, dass zwei Straßen in dem neuen Wohnviertel, das auf dem ehemaligen „Finsterwalder-Anwesen“ gebaut werden soll, nach den beiden Frauen benannt werden sollen.

Zuvor hatte der Gemeinderat immer wieder mit diesem Schritt gefremdelt. Den Vorschlag, Augspurg und Heymann in Form von nach ihnen benannten Straßen in Peißenberg zu würdigen, hatte die SPD-Fraktion vor etwa sechs Jahren gemacht. Im Jahr 2015 war dann auch das Mühlpointfeld II im Gespräch als Stätte für eine „Anita Augspurg-„ oder „Lida Gustava Heymann-Straße“. Damals entschied sich der Marktgemeinderat allerdings dagegen, weil in diesem Baugebiet die Straßen und Wege nach Vögeln genannt worden waren. So machte der damalige „Vogel des Jahres“, der Habicht, einstimmig das Rennen. Die beiden Frauenrechtlerinnen sollten aber in der Vorschlagsliste der Verwaltung bleiben. Gute fünf Jahre später war es dann so weit: Der Peißenberger Gemeinderat entschied sich dafür, die beiden Erschließungsstraßen im Baugebiet „An der Ludwigstraße II“ „Anita-Augspurg-Straße“ und „Lida-Gustava-Heymann-Weg“ zu nennen. Die beiden Straßen eigneteen sich nach Ansicht der Gemeinderäte besonders gut, weil sie zusammenhängen.

Wieder gab es Bedenken gegen die beiden Frauen als Namenspatinnen für diese beiden Straßen und die Entscheidung fiel nicht einstimmig aus. Aber mit 15:8 Stimmen war die Mehrheit der Gemeinderäte dafür, die Straßen nach die Mehrheit der Gemeinderäte dafür die Straßen nach Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann zu benennen. SPD-Gemeinderat Peter Blome sagte damals, dass es ihm um die Lebensleistung der beiden Frauenrechtlerinnen gehe: „Wir würdigen mit der Namensvergabe Menschen für ihr Leben – und die beiden Damen gehören gewürdigt.“

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