Alle sieben Jahre tanzen die Schäffler. Dieses Bild stammt aus der Saison 2014. Privat

Wegen Corona

Schäffler tanzen erst 2022 wieder

  • Bernhard Jepsen
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Es ist eine bittere Nachricht, doch dem Pfeifenclub Peißenberg-Sulz blieb nichts anderes übrig: Der Verein musste aufgrund der Corona-Krise die für 2021 geplante Auftrittssaison seiner Schäfflertanzgruppe absagen. Das Spektakel soll nun 2022 über die Bühne gehen.

Peißenberg – Auf der Homepage der Peißenberger Schäfflertänzer (www.schaeffler-peissenberg.de) läuft noch ein Countdown. Er zählt die Tage, Stunden und sogar Sekunden bis zum vermeintlichen, ersten Tanztag herunter. Aber am Dreikönigstag 2021 wird der Rathausplatz leer bleiben. Es wird keinen Kronen- oder Laubentanz geben, keinen versvortragenden Reifenschwinger, keine Kasperln und Marketenderinnen. Auch der obligatorische Schnaps wird nicht ausgeschenkt werden. Das Traditionsspektakel musste aufgrund der Pandemie abgesagt werden.

„Die Enttäuschung ist natürlich groß“

„Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, berichtet Schäfflersprecher Jörg Wurzer gegenüber der Heimatzeitung. Verständlich, denn die Tanzsaison findet nur alle sieben Jahre statt. Seit dem ersten Auftrittsjahr nach dem Zweiten Weltkrieg 1958 wurde der Turnus immer eingehalten. „Sieben Jahre Tanzpause sind eine lange Zeit. Jeder hat auf 2021 hingefiebert und sich gefreut“, erzählt Wurzer. Etwa dreiviertel der 110 Tanzauftritte, die man in der Saison 2021 bis Faschingsende absolvieren wollte, waren bereits gebucht. Auch die Werbung, die Einkleidung der neuen Tänzer und die organisatorischen Vorbereitungen waren schon weit gediehen. Aber Corona machte den Schäfflern einen Strich durch die Rechnung. Bereits an Pfingsten fiel vereinsintern die Entscheidung für die Absage. „Die Enttäuschung ist natürlich groß“, erklärt Wurzer: „Aber es hätte an Verantwortungslosigkeit gegrenzt, wenn wir die Saison durchgezogen hätten.“

Budget der Tanzsaison ist  knapp kalkuliert

Die Peißenberger Schäffler haben in der Region einen guten Ruf. Während der Tanzsaison touren sie durch den ganzen Landkreis und sogar darüber hinaus. Die Auftritte finden zum Teil vor bis zu 1500 Zuschauern statt. Bei solchen Großveranstaltungen die Hygiene- und Abstandsregeln zu gewährleisten, ist für den Verein nicht möglich – auch gruppenintern nicht. Der Schäffler-Tross inklusive Knappschaftskapelle umfasst rund 70 Leute. „Da müssten wir wegen dem Sicherheitsabstand drei Busse ordern“, beschreibt Pfeifenclub-Vorsitzender Werner Haseidl die Problematik: „Das geht finanziell gar nicht.“ Die Budgetierung der Tanzsaison ist ohnehin jedes Mal knapp kalkuliert. „Meistens ist es eine Nullrechnung“, weiß Haseidl aus Erfahrung: „Wenn wir wegen einer Ansteckung eines unserer Teammitglieder mitten in der Saison aufhören müssten, dann wäre das ein finanzielles Fiasko. Wenn einer Corona hat, dann müssten alle in Quarantäne. Das zieht einen riesigen Rattenschwanz nach sich.“ Auch würden wohl einige Firmen-Sponsoren aufgrund der wirtschaftlichen Einbußen durch Corona ihre Tanzbestellungen stornieren und sich das Geld sparen. Das Risiko wollten die Schäffler nicht eingehen – wobei das Hauptaugenmerk freilich auf den gesundheitlichen Schutz der eigenen Tänzer und der Zuschauer liegt. Die Schäffler absolvieren viele Auftritte auch in Seniorenheimen, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern: „Das wäre nicht vertretbar, solange die Pandemie nicht vorbei ist“, betont Haseidl.

Starttermin ist 6. Januar 2022

Doch das Ende der Corona-Krise ist eben noch nicht absehbar. Keiner weiß, wie sich die Situation in einem halben Jahr darstellt. Eigentlich wollten die Schäffler im September mit den Tanzproben beginnen. Bei 15 Neuzugängen sind die Übungseinheiten extrem wichtig. Die Schäffler legen großen Wert auf die Qualität ihrer Auftritte: „Die Tanzbesteller zahlen ja auch dafür“, sagt Wurzer. Aber die Tanzfiguren effektiv einzustudieren, ist mit den geltenden Abstandsregeln nicht möglich.

Nun fokussieren sich die Schäffler auf 2022. Um den Sieben-Jahres-Rhythmus zumindest formal aufrecht zu erhalten, wurde zunächst über eine Verschiebung um ein dreiviertel Jahr nachgedacht. „Wir haben das kontrovers diskutiert“, erzählt Wurzer, „aber im Altweibersommer ’Aber heid’ is koid‘ singen? Das wäre nicht das Richtige gewesen.“ Starttermin ist nun der 6. Januar 2022. Alles hofft darauf, dass die Pandemie bis dahin vorbei oder zumindest entscheidend eingedämmt ist. Das wäre die passende Symbolik für die Auftritte der Schäffler (siehe Kasten). Bernd Diem, Mitglied im Organisationsteam, richtet schon mal den traditionellen Schäfflergruß an die Bevölkerung: „Ich hoffe, dass wir 2022 gesund und zahlreich zusammenkommen. Gut Spund.“

Lesen Sie hier mehr aus der Marktgemeinde Peißenberg.

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