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Wehrumbau muss noch warten

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Von: Bernhard Jepsen

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Das Wasserwirtschaftsamt plant den naturnahen Rückbau des Ammerwehrs bei Peißenberg samt Deichverlagerung erst für Ende des kommenden Jahres. PLAN: WASSERWIRTSCHAFTSAMT
Das Wasserwirtschaftsamt plant den naturnahen Rückbau des Ammerwehrs bei Peißenberg samt Deichverlagerung erst für Ende des kommenden Jahres. © Wasserwirtschaftsamt

Dass das „PKG-Wehr“ an der Ammer bei Peißenberg entschärft wird, das ist beschlossene Sache. Doch in diesem Jahr steht der naturnahe Rückbau samt südlicher Deichverlagerung nicht mehr auf der Agenda. Das Wasserwirtschaftsamt Weilheim hat das Projekt vorerst bis auf Ende 2021 verschoben.

Peißenberg – In den nächsten Jahren wird sich an der Ammer einiges tun. Im Zuge der Hochwasserschutzplanungen für „Weilheim-Süd“ sollen zum Beispiel die Wehrverbauungen nördlich von Oderding abgebrochen und drei Sohlengleiten in das Flussbett integriert werden. Auch auf Peißenberger Gemeindegebiet plant das Wasserwirtschaftsamt, eine Staustufe naturnah zurückzubauen – nämlich das „PKG-Wehr“ zwischen der Umgehungsstraßenbrücke und dem KJR-Zeltplatz.

Das Betriebsgebäude steht direkt am nördlichen Ammerufer

Der Name „PKG-Wehr“ leitet sich von der „Peißenberger Kraftwerksgesellschaft“ ab, die in früheren Jahren kurz oberhalb der Wehranlage ein Ausleitungsbauwerk betrieben hat. Über die Rohre wurde Kühlwasser für die Kraftwerkskessel auf dem ehemaligen Bergwerksgelände abgezweigt. Das Betriebsgebäude steht direkt am nördlichen Ammerufer und ist in den Wehrumbauplänen als Abbruchstelle markiert. Doch es gibt im Rahmen des vom Tourismusverband Pfaffenwinkel forcierten „Hotspot-Projekts“ Überlegungen, in dem Häuschen eine „Naturerlebnisstation Ammer“ einzurichten (wir berichteten). Für das Wasserwirtschaftsamt wäre das kein Problem. Das Betriebsgebäude könne „alternativ auch erhalten bleiben“, bestätigt Abteilungsleiter Bernhard Müller gegenüber der Heimatzeitung. Voraussetzung sei lediglich, dass die Ausleitungen abgedichtet werden.

Warum erfolgt der Rückbau eigentlich?

Aber warum soll das „PKG-Wehr“ eigentlich zurückgebaut werden? Zum einen aus ökologischen Gründen, unter anderem möchte man den Fischen den Aufstieg zu Laichplätzen im Flussoberlauf ermöglichen. Zum anderen gilt das in den 1930er Jahren errichtete Wehr aufgrund seiner Rückströmungen als gefährlich. 2016 kam es zu einem tödlichen Badeunfall mit einem Asylbewerber. Konzeptionell hat das Wasserwirtschaftsamt bezüglich des Umbaus auf eine 2014 präsentierte Machbarkeitsstudie des „World Wide Fund For Nature“ (WWF) zurückgegriffen. Die damalige Vorzugsvariante wurde übernommen und planerisch verfeinert.

Unterhalb des Wehrs werden mehrere Steinriegel gesetzt

Demnach soll das Wehr laut Müller „in kleinere Abstürze aufgebrochen werden“. Dazu werden unterhalb des Wehrs mehrere Steinriegel gesetzt, die aber für die Fische kein Hindernis darstellen: „Durch den Umbau wird auf der gesamten Flussbreite wieder eine Durchgängigkeit hergestellt“, so Müller.

Das Wehr verschwindet aber nicht ganz

Ganz verschwinden wird das Wehr allerdings nicht. Nur der stahlgepanzerte Wehrrücken wird abgebaut. „Das eigentliche Bauwerk bleibt in der Ammer. Aber es wird mit der Zeit von dem Geschiebe überdeckt“, erklärt Müller. Kosten wird die Renaturierung nach den aktuellen Kostenschätzungen rund 300 000 Euro. Begleitend zum Umbau der Wehranlage wird übrigens der südliche Flussdeich zurückverlegt. Dadurch sollen die Ammerauen reaktiviert werden. Im Vorgriff auf die Maßnahme hat das Wasserwirtschaftsamt bereits einen neuen Deichweg angelegt.

Eigentlich sollte der Wehrumbau heuer über die Bühne gehen, aber laut Müller wird selbiger nun „voraussichtlich erst nächstes Jahr im Herbst oder Winter erfolgen“. Bei der Begründung für die Zurückstellung verweist das Wasserwirtschaftsamt auf „Vorhaben mit höherer Priorität“ wie zum Beispiel die Planungen für den Hochwasserschutz „Weilheim-Süd“.

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