Justitia
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Vor dem Amtsgericht in Weilheim kämpft eine 80-jährige Peißenbergerin um ihren Führerschein. (Symbolbild)

Vor dem Amtsgericht Weilheim

80-Jährige Peißenbergerin kämpft um ihren Führerschein - Schwere Anschuldigungen gegen Staatsanwaltschaft und Polizei

Die Anweisung der Führerscheinstelle, sich einer Überprüfung der Fahrtüchtigkeit zu unterziehen und bis dahin keine Fahrerlaubnis mehr zu haben, ließ eine 80-jährige Peißenbergerin kalt. Sie fuhr weiter Auto, wurde prompt erwischt und stand nun wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis vor dem Amtsgericht Weilheim.

Peißenberg – „Ich kämpfe bis zum Schluss für meinen Führerschein!“, rief die alte Dame mit sehr lauter Stimme und reckte den Arm in die Luft. Als die Vorsitzende Richterin sie aufforderte, zu erzählen, warum sie der Weisung der Führerscheinstelle nicht nachgekommen sei, holte die Angeklagte weit aus.

Sie hatte gegen den Strafbefehl wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis mit einer Geldstrafe in Höhe von 450 Euro Einspruch erhoben. Einen Anwalt hatte die Seniorin nicht beauftragt. Sie wollte sich selbst verteidigen. Dann legte sie los, und im Laufe der langen, ausführlichen Geschichte wurde so langsam klar, warum die Behörde eine Überprüfung der Fahrtauglichkeit für wichtig hielt.

Schwere Anschuldigungen gegen Staatsanwaltschaft und Polizei

„Jetzt hören Sie mir mal ganz gut zu““, rief die Angeklagte der Richterin zu, die der 80-Jährigen dennoch Raum ließ, ihre Geschichte zu erzählen. Sie habe schon seit Jahren massiven Ärger mit der Justiz. Man habe sie betrogen um einen nicht unerheblichen Geldbetrag aus einem Lottogewinn. „Alle meine Strafanzeigen diesbezüglich fallen unter den Tisch“, schrie sie. Die Staatsanwaltschaft habe Beziehungen zur Polizei, alle würden unter einer Decke stecken. Sie als Bürgerin sei immer benachteiligt. Die Justizbehörde habe ihr sogar unverschämterweise gesagt, sie sei einem Betreuer nicht zumutbar, so die Angeklagte. Aber das sei noch nicht das Schlimmste: „Ich stecke seit drei Jahren voller Neutronen“, rief sie. Die Justizbehörde plus einem Polizeibeamten sei mit einem starken Laser bewaffnet in ihr Schlafzimmer eingedrungen und habe sie beschossen, so ihre Anschuldigung.

Amtsrichterin Karin Beuting unterbrach und lenkte die 80-Jährige freundlich zurück zum Anklagevorwurf. „Sie dürfen nicht mehr Auto fahren, bis die Fahrtauglichkeit überprüft wurde. Der Führerschein wurde eingezogen“, sagte sie. Die alte Dame regte sich furchtbar auf. „Ich fahre in Zukunft weiter“, rief sie entschlossen. Beuting wies sie darauf hin, dass sie nur zwei Möglichkeiten habe. „Entweder Sie nehmen den Einspruch zurück, oder ich muss Sie vom Landgerichtsarzt untersuchen lassen“, sagte die Richterin.

Nachbarin bringt 80-Jährige zur Einsicht

Die Seniorin hatte zur Begleitung ihre Nachbarin mitgebracht, die signalisierte, mit der Frau sprechen zu wollen, was die Richterin in diesem Fall genehmigte. Sanft redete die Nachbarin auf die Angeklagte ein, die sich zusehends beruhigte. Das Ergebnis war, dass die Peißenbergerin den Einspruch nun doch zurücknahm. „Dann ist es eben so. Ich nehme das Urteil an“, rief sie.

Ihre Fahrtüchtigkeit muss noch überprüft werden. Bis dahin bleibt ihr Führerschein bei der Polizei.

VON REGINA WAHL-GEIGER

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