Dank vom Chef: Bernd Schewe (l.) bekommt von Inspektionsleiter Harald Bauer bei seiner Verabschiedung auch eine offizielle Urkunde für seine geleistete Dienstzeit überreicht. foto: ruderLeidenschaftfür Gedichte

Stellvertretender Inspektionsleiter tritt in den Ruhestand

Bernd Schewe wechselt von der Polizei in die Politik

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Er ist eines der bekanntesten Gesichter der Polizei im Landkreis: Bernd Schewe, stellvertretender Leiter der Weilheimer Inspektion, hat an diesem Donnerstag seinen letzten Arbeitstag. Nach 37 Dienstjahren geht der 61-jährige Peißenberger in den Ruhestand.

Weilheim– Eigentlich war es für Bernd Schewe anfangs gar nicht der angestrebte Traumjob. Der Peißenberger hatte nach der Bundeswehrzeit in Mittenwald und Murnau, einem kurzen Gastspiel als Maschinenbaustudent in München, die Wahl, wieder zurück in das Soldatendasein zu gehen. Doch sein Fußballtrainer riet ihm, den Eignungstest bei der Polizei zu machen. Und plötzlich hatte Schewe eine Zusage. „Die haben gesagt, ich soll anfangen“, schmunzelt der heute 61-Jährige. Der damals 23 Jahre alte Schewe sagte seinen Motorrad-Urlaub in Spanien ab und ging am 1. September 1982 zur Bereitschaftspolizei in Königsbrunn.

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Einfach war es nicht. „Ich habe Wackersdorf voll mitbekommen“, erinnert er sich. „Wir sind in ganz Bayern rumgeschickt worden.“ Aus der eher zufälligen Beziehung wurde etwas Dauerhaftes: Nach 37 Jahren geht Bernd Schewe am heutigen Donnerstag in den Ruhestand. Fast vier Jahrzehnte Dienst mit Stationen in Weilheim, Penzberg, Fürstenfeldbruck und bei der Verkehrspolizei in Großweil. Seit fünf Jahren ist der gebürtige Duisburger – die Familie zog bald durch den Beruf des Vaters in die Nähe von Dachau und über den Bruggerhof nach Peißenberg – wieder in Weilheim stationiert. Als stellvertretender Dienststellenchef und Verfügungsgruppenleiter hört der Erste Polizeihauptkommissar jetzt auf.

Bereut, sagt er, habe er seine Berufswahl nie. „Man lernt das Leben in all seinen Facetten kennen. Man muss und darf hinter alle Fassaden schauen.“ Als Polizist und Führungskraft „muss man Menschen mögen“, neugierig sein – und bereit, auf die täglichen Abwechslungen zu reagieren. Gerade Letzteres gibt Schewe seinen jungen Kollegen oft mit auf den Weg. „Sie müssen Freude haben, zu improvisieren und sich etwas einfallen zu lassen.“ Obwohl sich die Zeiten geändert haben, das räumt der 61-Jährige ein. Neben der zunehmenden Respektlosigkeit gegenüber den Ordnungshütern, hat Schewe einen Wandel bei der Arbeit festgestellt.

Er spricht von „einer Beschleunigung ohne Ende“. Bedingt durch die Datenflut. War früher ein Wildunfall ein einfaches, jedoch unglückliches Ereignis, muss heute alles umfangreich im Dateisystem niedergeschrieben werden. „Ich bin der Herr der Listen“, sagt Schewe ein bisserl selbstironisch.

Bernd Schewe ist ein begeisterter Läufer

Der Peißenberger hat sich einen Ausgleich geschaffen: laufen. 30 Marathons hat er absolviert, sogar einen 73,5 Kilometer langen Ultralauf am Rennsteig in Thüringen. In Helsinki lief er schon mit, auch in Boston und natürlich bei den heimischen Rennen. „Sport hat mir schon immer Spaß gemacht.“ Zum 40. Geburtstag schenkte er sich selbst seinen ersten Marathon. Beim Trainieren merkte Schewe, dass es ihm taugt, vor allem das Laufen in der Gruppe, die Gemeinschaft. Eigentlich war für Mitte Mai ein Halbmarathon in Luxemburg angesetzt, der fiel aber der Corona-Krise zum Opfer.

Seinen Ruhestand will Schewe, verheiratet und Vater zweier Kinder, nun mit Familie und Enkel verbringen. Dazu Laufen, Wandern und Mountainbiken. Vielleicht ein bisserl mehr Motorradfahren, vor drei Jahren wurde eine 850er „Yamaha“ gekauft. Beim TSV hat er seinen Übungsleiterschein. Außerdem sitzt der Peißenberger ab Mai für die SPD im Marktgemeinderat.

Seine ehemaligen Kollegen werden künftig auf eine Tradition verzichten müssen: Bernd Schewe spielte bei der weihnachtlichen Polizei-Feier gern den Nikolaus. Dort gab es selbst geschriebene Gedichte zu hören. Schewe mag das Spiel mit Sprache und Wort: „Jedes Hüttenbuch muss ich mit einem Gedicht verzieren.“

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