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Wolfgang Kircher , der in Peißenberg arbeitet, war Präsident des Rotary-Clubs Weilheim. Das Foto entstand auf dem Marienplatz in der Kreisstadt. Die Wimpel und der Kalender sollen die drei Bereiche symbolisieren, in denen der Club in der Corona-Krise half: in Weilheim, Peißenberg und – über den Club in Siena – in Mailand. 

Interview mit Wolfgang Kircher über sein Jahr als Präsident

Rotary-Club Weilheim unterstützte Krankenhaus in Mailand

  • Kathrin Hauser
    vonKathrin Hauser
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Die Corona-Krise und die damit verbundenen Maßnahmen haben auch die Rotary-Präsidentschaft des Peißenberger Apothekers Wolfgang Kircher geprägt, wie er im Interview ausführt.

Peißenberg/Weilheim– Für ein Jahr war der Apotheker Wolfgang Kircher Präsident des Rotary-Clubs Weilheim. Als der promovierte Pharmazeut den Posten im Juli 2019 übernahm, rechnete er zwar damit, dass er zusätzlich zu seinen zahlreichen Tätigkeiten noch Zeit für die Rotarier würde aufwenden müssen, dass er sie für Pandemie-Hilfen benötigen würde, konnte er damals nicht ahnen. Ein Interview.

Wie war das Jahr als Präsident des Rotary-Clubs Weilheim für Sie?

Es hat viel Freude gemacht, auch wenn durch Covid-19 etliche Telefonate und Mails mehr angefallen sind und unsere Dienstagstreffen aufwändiger waren, weil wir uns nicht persönlich getroffen, sondern Telefon- oder Videomeetings durchgeführt haben. Dennoch überwiegt das Positive: Ich habe viele angenehme Situationen erlebt. Vor allem den intensiven Austausch mit den rotarischen „Freunden“ – so nennen wir uns untereinander – habe ich geschätzt. Dieses Jahr hat mir einmal mehr bewusst gemacht, dass wir kein Altherren-Club sind, der sich um sich selbst dreht, sondern eine große Gemeinschaft, in der die Unterstützung und Hilfsbereitschaft untereinander und nach außen eine große Rolle spielen. Zu helfen wurde in der Corona-Krisenzeit besonders wichtig.

Wie hat der Rotary-Club Weilheim in der Corona-Krise geholfen?

Wir haben uns überlegt, dass wir sowohl in der Region als auch international Hilfe leisten möchten. Ich habe deshalb einen Brief an alle Mitglieder unseres Weilheimer Clubs geschrieben, in dem ich in dieser außergewöhnlichen Situation um außerplanmäßige Geldspenden gebeten habe. Und unsere Mitglieder sind der Bitte nachgekommen, ebenso wie befreundete Rotarier aus Tutzing und Penzberg, die ich auch um Mithilfe gebeten hatte.

Welcher Betrag kam bei der Aktion zusammen, und wo sind die Gelder hingeflossen?

Wir konnten auf diese Weise insgesamt 10 000 Euro an Spendengeldern sammeln. Davon gingen 1000 Euro an die „Stunde der Solidarität“, die vom „Therapiezentrum Pro“ in Peißenberg ins Leben gerufen wurde. Dabei geht es darum, sowohl Covid-19-Patienten und Gefährdete als auch Menschen in Quarantäne zu unterstützen. Diese Idee hat uns gut gefallen. Weil uns gemeldet wurde, dass es die „Weilheimer Tafel“ und der „Peißenberger Gabentisch“ in Zeiten der Pandemie schwerer haben, haben wir ihnen jeweils 1000 Euro zukommen lassen. Und mit 7000 Euro haben wir ein Krankenhaus in Mailand unterstützt.

Wissen Sie, wofür das Geld dort verwendet wurde?

Ja, es ist genau belegt, welche Dinge für diesen Betrag angeschafft wurden. Unsere Spende wurde für Thermoscanner, Beatmungsgeräte, Intensivpflegebetten und andere medizinische Geräte verwendet. Dabei fielen keinerlei Verwaltungskosten an.

Wie kam der Kontakt zu dem Mailänder Krankenhaus zustande?

Wir pflegen Kontakte zu anderen Rotary-Clubs im Ausland – insbesondere zu Clubs in Prag, in Valence und in Siena. Deshalb war es naheliegend, unsere Bekannten in Siena zu kontaktieren, als im Laufe der Covid-19-Pandemie die Zustände in Oberitalien immer schlimmer wurden. Die Bekannten hatten wiederum persönliche Kontakte zu einem Krankenhaus in Mailand, das Hilfe dringend nötig hatte. Wir haben noch die benachbarten Rotary-Clubs aus Penzberg und Tutzing um Unterstützung gebeten und konnten 7000 Euro nach Mailand überweisen.

Kamen Rückmeldungen aus Italien?

Es gab wirklich viele, sehr positive Reaktionen aus Siena und der Lombardei: E-Mails und Videobotschaften, in denen überschwänglich gedankt wurde. Diese Hilfe hat unsere internationalen rotarischen Freundschaften intensiviert. In dieser Zeit hat sich wieder einmal gezeigt, wie nützlich es ist, persönliche Kontakte auch ins Ausland zu pflegen. Das hat die Hilfsaktion unkompliziert gemacht. Das Geld kam auf direktem Wege dort an, wo es gebraucht wurde.

Das freut einen als Clubpräsidenten doch sicher, oder?

Ja, es ist schön, dass es so große Hilfsbereitschaft gab und gibt. Wir unterstützen hier in der Region einige Einrichtungen und Vereine regelmäßig, wie zum Beispiel das SOS-Kinderdorf in Weilheim oder das „Netz gegen sexuelle Gewalt“. Die Mittel für die sozialen Zwecke kommen zum großen Teil von unserem „Weilheimer Buchmarkt“. In diesem Zusammenhang möchte ich besonders das Ehepaar Hauer erwähnen, das zusammen mit weiteren Mitgliedern den Buchmarkt mit großem Einsatz betreut. Dass wir mit aussortierten Büchern so substanzielle Hilfe leisten können, ist eine schöne Erfahrung.

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