Auf diesem Grundstück, das mit einem Kreuz markiert ist, wollen die Antragsteller bauen. grafik: bayernatlas/bo
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Auf diesem Grundstück, das mit einem Kreuz markiert ist, wollen die Antragsteller bauen. grafik: bayernatlas/bo

In Peißenberg

Weitere Bebauung an der „Alten Bahn“?

  • Bernhard Jepsen
    vonBernhard Jepsen
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Die Marschrichtung der Rathausverwaltung in Bezug auf den Ortsteil „Alte Bahn“ ist eigentlich seit Jahren klar: Die Splittersiedlung soll nicht durch eine zweite oder gar dritte Baureihe erweitert werden. Doch im Marktrat gibt es auch andere Stimmen, wie sich anlässlich einer Bauvoranfrage zur Errichtung eines Einfamilienhauses zeigte.

Peißenberg – Ruhige Lage, Bergblick und mit der Station „Peißenberg-Nord“ einen direkten Anschluss zur Pfaffenwinkelbahn: Es gibt sicher schlechtere Wohngegenden in Peißenberg als die im Ortsteil „Alte Bahn“. In der Vergangenheit musste sich die Marktverwaltung immer wieder mal mit Bauanfragen beschäftigen, doch aus dem Rathaus kam regelmäßig ein Veto. 2010 hatte der Marktrat einen Grundsatzbeschluss verabschiedet, dass mit der in einem Bebauungsplan festgesetzten, einreihigen Bebauung entlang der äußeren Ludwigstraße die Bauaktivitäten abgeschlossen sein sollen.

Die Fachbehörden hatten sich damals klar gegen eine Erweiterung der Splittersiedlung ausgesprochen – unter anderem wegen der hohen Anzahl an Drainagen, der Verkehrsinfrastruktur und wegen eines Bodendenkmals. Gemeint sind damit vorgeschichtliche Hügelgräber, die im südwestlichen Bereich der Alten Bahn kartiert sind. Doch im Marktrat gibt es auch Stimmen, die sich eine moderate, städtebauliche Weiterentwicklung der Alten Bahn sehr wohl vorstellen können. Konkret liegt eine Bauvoranfrage auf dem Tisch, wonach an der Ludwigstraße 61 in zweiter Reihe ein weiteres Wohngebäude entstehen soll – und zwar für die nachfolgende Familiengeneration.

Vor der jüngsten Sitzung des Bauausschusses begaben sich die Gremiumsmitglieder auf Einladung der Antragssteller extra zu einem Ortstermin. Der geplante Baukörper würde bezüglich Dachform, Dachneigung, Firsthöhe und Geschossflächenzahl dem Bebauungsplan entsprechen, allerdings liegt er nicht in dessen Geltungsbereich. Ein Teil der Markträte könnte sich aber eine Verschiebung der Baugrenzen durchaus vorstellen. „Es geht jetzt gerade mal um eine Anfrage und nicht um den großen Wurf“, meinte Jürgen Forstner (Freie Wähler) in der Ausschussdebatte. Die Bauvoranfrage solle man als „Sonderfall“ behandeln, danach könne man immer noch weiterplanen. Forstner verwies auf eines der Grundziele der Ortspolitik: „Ich finde es gut, wenn junge Familien nach Peißenberg zurückkehren wollen.“ Ähnlich argumentierte Stefan Rießenberger: „Vom Grundsatz her sehe ich das positiv. Die Grundstückspreise werden nicht fallen“, erklärte der Fraktionssprecher der Bürgervereinigung. Es sei durchaus sinnvoll, die Baulinie auf der Westseite der Ludwigstraße in zweiter Reihe in Richtung Sendlhof „runterzuziehen“. Auf der Ostseite gebe es ja auch schon Ausnahmefälle in zweiter Reihe. Und das betroffene Grundstück biete sich für eine Bebauung geradezu an: „Das steht eh leer. Außer Rasenmähen passiert da nix.“

Ganz anders beurteilte Bauamtsleiter Bernhard Schregle den Sachverhalt. Eine Zustimmung zur Bauvoranfrage würde an der Alten Bahn einen „Stein ins Rollen“ bringen. Die Gemeinde müsse aber auf eine städtebaulich solide Entwicklung achten – und zwar unter der Prämisse: „gerecht für alle“. Eine einfache Einbeziehungssatzung, wie beim Ortstermin vorgeschlagen, würde „nicht funktionieren“, weil die Gemeinde grundsätzlich nicht ein bauleitplanerisches Verfahren umgehen dürfe. Die Rathausverwaltung würde sich auch nicht generell gegen eine Bebauung auf dem konkreten Grundstück wehren – aber eben innerhalb der Baugrenzen, beispielsweise als Erweiterung zum Bestandsbau in erster Reihe. Beschlossen wurde im Ausschuss letztlich nichts. Die Angelegenheit wurde vertagt und soll am Mittwoch in der Marktratssitzung erneut debattiert werden. Rießenberger bat die Verwaltung, ein Meinungsbild von den Anliegern einzuholen: „Das ist schon ein gefährliches Viertel da draußen“, spielte Rießenberger auf den Bau der Freiflächenphotovoltaikanlage an. Gegen den ursprünglich geplanten Standort für die Module hatte sich ein Großteil der Bewohner an der Alten Bahn erfolgreich gewehrt (wir berichteten).

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