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Nachbestuhlen musste die „Peißenberger Bürgervereinigung“ bei ihrer Veranstaltung.

Wer  führt sie zuerst ein?

Gemeinwohlökonomie ... die Wette gilt

Bei der Info-Veranstaltung  zur Gemeinwohlökonomie   wettete der Moderator, dass Peißenberg sie zuerst einführt.  Wessobrunns Bürgermeister hält dagegen.

Peißenberg – Nein, mit so einer großen Resonanz hatte bei der „Peißenberger Bürgervereinigung“ (BV) keiner gerechnet. Trotz Fußball-Länderspiel-Übertragung im Fernsehen pilgerten rund 110 Besucher zur Vortrags- und Diskussionsveranstaltung „Gemeinwohlökonomie – Ein Wirtschaftsmodell mit Zukunft“ in die Tiefstollenhalle. BV-Vorstand Stefan Rießenberger („Ich bin überwältigt, dass so viel gekommen sind“) und seine Helfer mussten im großen Saal noch nachbestuhlen. Mit der Gemeinwohlökonomie (GWÖ) hatte die BV thematisch offenbar einen Nerv getroffen: Rücksichtsloses Gewinnstreben, ungezügeltes Wachstum und fehlende Nachhaltigkeit, das sind Merkmale des globalen Wirtschaftssystems, die inzwischen immer lauter hinterfragt werden.

Intention der Veranstaltung war es, für die GWÖ zu werben und über die Inhalte aufzuklären. Den Part übernahm Gastreferent Jörn Wiedemann. Der selbst ernannte „ehemalige Turbokapitalist“ ist inzwischen Vorstand der GWÖ Bayern und als Berater für nachhaltiges Wirtschaften und Regionalentwicklung tätig. Wiedemanns Definition für die GWÖ: „Ich wirtschafte so, dass es weder ökologischen noch sozialen Schaden anrichtet.“ Grundlage eines werteorientierten Wirtschaftsmodells sei die Nachhaltigkeit – Wiedemann spricht von „Enkeltauglichkeit“. Die Schieflage des jetzigen Systems bestehe darin, dass es auf quantitatives, aber nicht auf qualitatives Wachstum ausgerichtet sei. Doch ungezügeltes Wachstum sei aufgrund begrenzter Ressourcen nicht endlos möglich, auch in Deutschland nicht: „In 20 Jahren werden die Hälfte aller Gewerbegebiete leer stehen“, prognostizierte Wiedemann. Aber wie kann der Wertewandel eingeläutet werden? Was kann der Einzelne tun? Nach Einschätzung Wiedemanns „sehr viel“: „Der große Druck kommt von uns Bürgern. Jeder Euro ist eine Wählerstimme. Es geht darum, weniger und bewusster zu konsumieren.“ In der anschließenden Diskussions ging es vor allem darum, wie Kommunen für die GWÖ begeistert werden können. Moderator Alexander Rossner bot eine Wette an: „Ich schwöre darauf, dass Peißenberg die erste Gemeinde wird, die die Gemeinwohlökonomie einführt.“ Das könnte zeitlich eng werden. In Wielenbach gibt es vom Gemeinderat bereits einen Absichtsbeschluss, und auch Wessobrunn steht in den Startlöchern: „Ich wünsche mir, dass wir die erste Gemeinde werden, die eine GWÖ-Bilanz macht“, nahm Bürgermeister Helmut Dinter das Wettangebot Rossners an. Kommunen könnten speziell bei der Auftragsvergabe die Ausschreibungen so gestalten, dass nur nachhaltig wirtschaftende und an Sozialstandards orientierte Anbieter zum Zug kommen. Laut Wiedemann würde sich derzeit die Idee der GWÖ vor allem bei mittelständischen Unternehmen verbreiten und für ein verbessertes Image sorgen. „Eigentümergeführte Firmen tun sich da viel einfacher. Der Bürgermeister muss hingegen erst seinen Gemeinderat fragen, ob man die GWÖ einführt. Das erfordert Zeit und Geduld“, sagte Wiedemann.

Und wie sieht’s in Peißenberg aus? „Mein Ziel ist eine große Mehrheit im Gemeinderat, die die GWÖ gemeinsam trägt“, sagte BV-Gemeinderat Matthias Reichhart. Weniger optimistisch äußerte sich „Sulz“-Eigentümer Hans Fischer: „Die Kommunen sind gefordert – aber wenn ich mir den Schlamassel im Peißenberger Gemeinderat anschaue…“

Bernhard Jepsen

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