1860 trauert um „Atom-Otto“

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Private Wetterstation: Am Balkon hat Stefan Schwarzer ein Messgerät angebracht.

Wetterverständnis nachgelassen

Wetter-Beobachter Stefan Schwarzer klärt auf

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Peißenberg – Der Wetterbeobachter Stefan Schwarzer beschäftigt sich auch privat mit Sonne, Regen und Sturm - wie er versucht, verlorenem Wetterverständnis entgegenzuwirken:

Mal ist es zu warm, mal zu kalt. Dann ist es zu nass – und Wochen später zu trocken. Das Wetter beschäftigt die Menschen immer, ist ein beliebtes Gesprächsthema. Nur ... so richtig kennt sich kaum einer damit aus. „Es ist viel Verständnis verloren gegangen“, sagt Stefan Schwarzer, 43. Vor hunderten von Jahren sei das Wetter noch existenzbedeutend gewesen. Und wer auf den Berg wollte, der schaute sich den Himmel genau an, um zu wissen, ob’s zu gefährlich ist. Doch heute tun sich viele schwer damit, zu deuten, was um sie herum passiert. Der Wetterbeobachter, der auf dem Hohen Peißenberg arbeitet, versucht, dem entgegenzuwirken. Im Internet erklärt er unter anderem Wolkenformen, Temperaturschwankungen und Begriffe wie „Warmfront“. Außerdem gibt Schwarzer Warnungen des Deutschen Wetterdienstes weiter.

Und vor wenigen Wochen sprach der Wetterbeobachter sogar bei der Bürgerversammlung in Peißenberg. Er beschrieb den Anwesenden, wie es zu den Hochwassern gekommen war. Schwarzer trat souverän auf – dabei war er erst drei Stunden vorher gebeten worden, sich mit aufs Podium zu setzen. Doch wenn einer in der Materie drinsteckt, dann ist das eben auch kein Problem. Den gebürtigen Gelsenkirchener, der in Peißenberg lebt, störten auch die mehr als 200 Besucher nicht. „Ob 20 oder 200 Leute, es ist doch nur eine 0 dazu“, sagt er gelassen.

Außerdem kam ihm diese Gelegenheit ganz recht. „Ich erzähle gern“, bestätigt Schwarzer. „Ich will einfach vermitteln, wie bedeutend Wetter immer noch ist. Wir sind verwöhnt, für die Gefährlichkeit des Wetters haben viele keinen Sinn mehr.“

Schwarzer schon. Er kann sich noch gut an den Orkan „Wiebke“ 1990 erinnern, als sein Onkel auf dem Dach versuchte, die Ziegel festzuhalten und Schäden zu verhindern. Auch beruflich hat Schwarzer schon heftige Unwetter erlebt. Bevor er 2009 auf den Hohen Peißenberg wechselte, arbeitete er zwölf Jahre lang als Wetterbeobachter auf der Zugspitze. „In den Bergen ist man dicht am Geschehen, nah an der Katastrophe dran“, sagt Schwarzer.

Der hatte nach der Schule nicht sofort den Weg zu seinem heutigen Beruf eingeschlagen. Er machte die Ausbildung zum Fernsehtechniker. „Aber mein Beruf war das nicht.“ Dann bewarb er sich für die Ausbildung zum Wetterbeobachter – und wurde genommen. Das führte ihn vom Ruhrpott in die Berge, „die ich schon vorher sehr gemocht habe“.

Mit seiner Frau Kerstin und Tochter Caja (12) wohnt er mittlerweile in Peißenberg – am Haus hat die Familie seit 2009 eine private Wetterstation. Am Balkon werden Temperatur, Niederschlag, Luftdruck und Sonnenscheindauer gemessen. Im Garten steckt bis in 50 Zentimetern Tiefe ein Erdbodenthermometer. „Es ist einfach interessant, mit den Daten zu spielen“, sagt Schwarzer und grinst.

Die muss er nicht jeden Tag notieren, die laufen elektronisch auf dem Computer ein. Als Schwarzer anfing, sich für das Programmieren zu interessieren, war er noch keine zehn Jahre alt. „Ich bin Autodidakt“, sagt der 43-Jährige, der sieben Programmiersprachen beherrscht. Die Wetterstation an seinem Haus hatte er geschenkt bekommen, nachdem er jemandem eine Website programmiert hatte.

Für Schwarzer ist es also ein Leichtes, sein Wissen im Internet weiterzugeben. Dafür hat er neben einer eigenen Homepage (www.wetter-peissenberg.de) auch eine Facebook-Seite und noch ein weiteres Angebot im Internet: www.sklima.de. Auf dieser Seite werden alte Daten des Wetterdienstes ausgewertet. „Bei Wetter- und Klimaverrückten ist das ein Tool, das super ankommt“, sagt Schwarzer. Kein Wunder – ein Wetter- und Klimaverrückter hat es ja entwickelt.

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