Die Belegung des Tölzer Wohnmobil-Stellplatzes an der Isar ging im Krisenjahr 2020 lediglich von vorher 10 200 Besucher auf 9200 zurück.
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Unter anderem um Wohnmobil-Tourismus ging es im Marktgemeinderat. Das Bild wurde am Wohnmobil-Stellplatz in Bad-Tölz gemacht.

Diskussion im Peißenberger Gemeinderat

Wie viel Tourismus darf’s denn sein?

  • Bernhard Jepsen
    vonBernhard Jepsen
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Die Fraktion der Peißenberger Liste (PL) hat im Marktrat angeregt, sich Gedanken über eine Ankurbelung des Tourismus zu machen. Doch wie viel Fremdenverkehr wäre für Peißenberg eigentlich verträglich und wünschenswert? Darüber wurde in der jüngsten Sitzung durchaus kontrovers diskutiert.

Peißenberg – Der PL-Antrag hat, wie berichtet, mehrere Facetten. Die Hauptintention zielt darauf ab, einen Arbeitskreis aus der Taufe zu heben, der Tourismusangebote (z.B. Kombikarten) und Marketingmaßnahmen entwickelt. Im Fokus soll dabei vor allem der Tagestourismus stehen. Wie bereits im vorberatenden Hauptausschuss wurde der Antrag auch im großen Marktratsplenum einhellig befürwortet. Von Seiten der Grünen wurden allerdings auch Bedenken angemeldet.

Fraktionssprecher Matthias Bichlmayr goutierte zwar grundsätzlich die Idee, den Tourismus ankurbeln zu wollen, allerdings müsse es sich dabei um „sanften Tourismus“ handeln. Wohnmobilstellplätze in der Ortsmitte seien durchaus kritisch zu sehen, weil sie die Bemühungen, die Ortsdurchfahrt zu entschleunigen und verkehrstechnisch zu entlasten, konterkarieren würden. Außerdem dürfe man keine Konkurrenz zum Natur-Campingplatz „Ammertal“ schaffen. Ähnlich äußerte sich Bichlmayrs Fraktionskollegin Annette Daiber: „Unser Ort soll doch schöner werden. Aber riesengroße Caravans sind alles andere als reizvoll für unseren Ort.“ Der Tourismus sei grundsätzlich ein „zweischneidiges Schwert“. Daiber verwies auf die Situation am Parkplatz auf dem Hohen Peißenberg und Tourismus-Hotspots wie zum Beispiel das Inntal. „Wir sollten uns genau überlegen, ob wir so etwas wollen.“ Außerdem seien Camper zumeist Selbstversorger, sodass sich der Mehrwert für die örtliche Gastronomie und Geschäftswelt in Grenzen halten würde. Die Gründung des Arbeitskreises sei dennoch zu befürworten, „aber er muss sich mit dem Thema auch kritisch befassen“.

Daiber fokussierte sich vor allem auf den von der PL in der ursprünglichen Antragsformulierung geforderten Ausbau des bereits bestehenden Wohnmobilstellplatzes an der Moosleiten. Doch der stand eigentlich gar nicht mehr zur Debatte. Im Hauptausschuss wurde eine kurzfristige Aufrüstung mit Versorgungsleitungen und Sanitäranlagen als nicht realisierbar eingestuft. Manuela Vanni (PL) betonte im Marktrat denn auch, dass es ihrer Fraktion nicht auf einen bestimmten Standort für einen Wohnmobilstellplatz ankommen würde. Der Antrag ziele generell darauf ab, wie man die Wirtschaftskraft des Ortes steigern könne. „Irgendwo muss das Geld ja herkommen. Und wir verkaufen uns einfach unter Wert“, konstatierte die Altbürgermeisterin.

Stefan Rießenberger wiederum konnte Daibers Vergleich mit Tourismus-Hochburgen nicht folgen: „Peißenberg ist ein wunderschöner Ort, aber so schön dann doch nicht, dass Karawanen von Wohnmobilen einfallen werden“, so der Fraktionssprecher der Bürgervereinigung – „und wenn tatsächlich Horden kommen, dann werden wir eine Lösung finden“.

Ähnlich äußerte sich Sandra Rößle (CSU/Parteilose): Man lebe zwar im Vergleich zu anderen Regionen in einem Paradies, aber Peißenberg sei nicht mit Tourismusgebieten wie den Tegernsee oder das Werdenfelser Land zu vergleichen. Einig war sich Rößle mit Walter Wurzinger (Freie Wähler), dass Urlaub mit dem Wohnmobil wohl ein dauerhafter Trend bleiben werde. Ein dazu passendes Infrastrukturangebot würde jedenfalls auf entsprechende Nachfrage treffen: „Dabei ist ein Stromanschluss nur bedingt nötig. Das A und O ist die Abwassererschließung“, erklärte Wurzinger, der regelmäßig selbst mit seinem Wohnwagen in der Ferienzeit durch Europa tourt.

Auch Jürgen Forstner war der Meinung, dass man den Wohnmobil-Markt nicht ignorieren dürfe, auch wenn man selbigen mit Bedacht bedienen müsse. Die Arbeitskreisgründung sei ein richtiger und guter Schritt – „und wir befinden uns ja schon mitten in der Diskussion, die der Kreis führen soll“, so Forstner.

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