Wilhelm-Röntgen- und Bert-Schratzlseer-Straße

Schleichweg ärgert die Anwohner

Viele Autofahrer nutzen die Wilhelm-Röntgen- und Bert-Schratzlseer-Straße als Abkürzung, was bei den Anliegern für Unmut sorgt. Maßnahmen dagegen wurden im Bauausschuss erörtert. 

Peißenberg – Früher war die Otto-Hahn-Straße in Peißenberg eine beliebte Abkürzungsroute zwischen der Böbinger- und Schongauer-Straße. Doch im Zuge des Tunnelbaus für die Ortsumfahrung und der Neubauten auf dem „Aerotech“-Gelände wurde die Verbindung vor rund zehn Jahren gekappt. Der Verkehr hat sich verlagert: Viele Autofahrer nutzen die Wilhelm-Röntgen- und Bert-Schratzlseer-Straße als Abkürzung zwischen Böbinger- und Schongauer Straße. Das wiederum sorgt bei den Anliegern für Unmut.

Diese beklagen, dass im eigentlich verkehrsberuhigten Wohnquartier die vorgeschriebene Schrittgeschwindigkeit kaum eingehalten werde. Im November vergangenen Jahres reichten die Anlieger im Peißenberger Rathaus eine Unterschriftenliste ein. Gefordert wurde unter anderem, dass der verkehrsberuhigte Straßenbereich mit dem Schriftzug „6 km/h“ markiert wird. Zudem kündigten die Bewohner an, sich während der Stoßzeiten auf die Straße zu stellen, um mit Schildern und Wurfzetteln auf die Verkehrssituation im Wohnquartier rund um die Bert-Schratzlseer-Straße aufmerksam zu machen. Doch die Verwaltung untersagte die Protestaktion. Begründung: „Weil hierdurch ein Eingriff in die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs erfolgt wäre, der rechtlich nicht zulässig ist“, wie Rathausmitarbeiter Bernhard Schregle in der jüngsten Bauausschusssitzung erläuterte. Auch bezüglich der gewünschten Markierung reagierte die Marktverwaltung nicht begeistert: Die Schrittgeschwindigkeit, so Schregle, sei nicht auf eine bestimmte Größe festgelegt, sondern beschreibe ein Tempo im Rahmen zwischen 4 und 7 km/h. Mit der Beschriftung „6 km/h“ würde man die Autofahrer nur verwirren. Schregle: „Das wäre eine vollkommen unübliche Markierung, die der Verkehrsteilnehmer wohl nicht erkennt.“

Dass zu schnell auf der Bert-Schratzlseer- und ihren Nebenstraßen gefahren wird, das bestreitet die Verwaltung allerdings nicht. Im April 2016 wurde im Wohnquartier neun Tage lang ein Tempomessgerät aufgestellt – und eine durchschnittliche Geschwindigkeit der 2219 registrierten Fahrzeuge von rund 35 km/h ermittelt. Schregle unterbreitete im Bauausschuss den Vorschlag, die Durchfahrtsmöglichkeit der Bert-Schratzlseer- zur Wilhelm-Röntgen-Straße zu sperren. Bauliche Maßnahmen zur Temporeduzierung wären im Vergleich dazu extrem kostenintensiv, würden Probleme beim Winterdienst verursachen und wären vermutlich wenig effektiv: „Wenn sie mit der StVO übereinstimmen sollen, dann kommt man über Bodenwellen auch mit 30 km/h noch problemlos drüber“, so Schregle.

Bürgermeisterin Manuela Vanni gab der Variante mit der Durchfahrtssperrung zur Wilhelm-Röntgen-Straße ebenfalls den Vorzug: „Mit baulichen Maßnahmen würden wir einen Präzedenzfall schaffen – und sie sind finanziell schlecht darstellbar. Mit der Sperrung hingegen wäre dort wirklich Ruhe.“ Allerdings: „Die Frage ist, ob die Anlieger die Durchfahrtssperrung wollen.“

Wohl eher nicht: Wie es im Ausschuss hieß, hätten die Anlieger einer solchen Lösung bereits widersprochen. Auch Dr. Klaus Geldsetzer (SPD), der selbst in einer Seitenstraße der Bert-Schratzlseer-Straße wohnt, argumentierte im Ausschuss gegen eine Kappung der südlichen Zu- und Ausfahrt im Wohnquartier, weil dann die schnelle Verbindung zur Umgehung wegfallen und der Verkehr einen großen Umweg über die Schongauer- und Böbinger Straße machen müsste. „Das Vernünftigste und Einfachste wäre eine Bodenwelle auf der Bert-Schratzlseer-Straße zwischen den beiden Einmündungen zur Sebastian-Reitmayer-Straße“, meinte Geldsetzer. Beschlossen wurde im jüngsten Bauausschuss letztlich nichts. Stattdessen sollen die Anwohner noch einmal zu einer Durchfahrtsperre zur Wilhelm-Röntgen-Straße schriftlich befragt werden. Zudem wurde die Marktverwaltung mit der Prüfung beauftragt, welche baulichen Möglichkeiten es für flexibel montierbare Bodenwellen gibt.

Bernhard Jepsen

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