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Rathausmitarbeiter mit Corona in Sitzung: Gesundheitsreferentin legt Amt nieder - „Nicht begreiflich“

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Von: Bernhard Jepsen

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Im Peißenberger  Rathaus knirscht es. Gesundheitsreferentin Cornelia Wutz ist zurückgetreten.
Im Peißenberger Rathaus knirscht es. Gesundheitsreferentin Cornelia Wutz ist zurückgetreten. © EMANUEL GRONAU

Dass ein leitender Rathausmitarbeiter mit Corona-Symptomen an einer Sitzung teilnahm und später positiv getestet wurde, bleibt nicht ohne Folgen: Die Gesundheitsreferentin erklärte nun ihren Rücktritt.

Peißenberg – „Corona begleitet uns jetzt seit fast zwei Jahren – und dann passiert hier so etwas.“ Es war eine durchaus emotionale Erklärung, die Cornelia Wutz am Ende der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses abgab. Die Gemeinderätin der Bürgervereinigung bezog sich auf den Corona-Fall im Umfeld des Marktrats.

Corona-Erkrankter nimmt trotz Symptomen an Sitzung teil - Gesundheitsreferentin empört

Wie berichtet, hatte ein führender Rathausmitarbeiter trotz Symptomen an der Oktober-Sitzung teilgenommen. Am Sitzungstag lag zwar ein negatives Schnelltestergebnis vor, am Folgetag jedoch ein positives. Ein anschließender PCR-Test brachte dann die Gewissheit einer Corona-Infektion.

Für Wutz ist das im Rückblick alles „nicht begreiflich“. Bei Krankheitssymptomen gebe es allgemein die „dringende Empfehlung“, einen PCR-Test zu machen. Nur der biete die Sicherheit, um weiter am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Sich nicht daran zu halten, sei nichts anderes als „Russisches Roulette“.

Der Impfschutz, so Wutz, spiele dabei „überhaupt keine Rolle“. Zum Zeitpunkt der Sitzung sei längst bekannt gewesen, dass es zu Impfdurchbrüchen kommen könne. „Ich finde es auch bemerkenswert, dass manche Gemeinderatskollegen es fair finden, dass der Mitarbeiter eine FFP2-Maske getragen hat“, erklärte Wutz weiter. Damit spielte sie auf eine Äußerung von Sandra Rößle (CSU/Parteilose) in der Heimatzeitung an.

Mit Corona-Symptomen in Sitzung: „Sorgloser Umgang mit meiner Gesundheit“

„Fair“ wäre es laut Wutz indes gewesen, wenn der Marktrat über die Symptome des Mitarbeiters vor der Sitzung aufgeklärt worden wäre: „Ich persönlich wäre dann sofort heimgegangen.“ Unter den Markträten könnten sich theoretisch Hochrisikopatienten befinden. Zudem habe man eine Vorbildfunktion: „Ich persönlich empfinde das als sorglosen Umgang mit meiner Gesundheit.“

Nach Meinung von Wutz sei während der Sitzung auch der Hygieneschutz nicht eingehalten und keine ausreichenden Lüftungspausen vorgenommen worden. Und nach Bekanntwerden der Corona-Infektion seien nur spärliche Informationen geflossen und Fragen nicht beantwortet worden – zum Beispiel, ob sich die Räte in Quarantäne begeben hätten müssen.

Wutz´ Reaktion kommt nicht von ungefähr: Sie ist als Chefsekretärin des Ärztlichen Direktors und Corona-Beauftragten, Dr, Andreas Knez, im Weilheimer Krankenhaus tätig. Sie arbeitet, wie sie selbst sagt, in einem „hoch sensiblen Bereich“, und das medizinische Personal befinde sich angesichts der Pandemie am Limit seiner Kräfte: „Ich bin mir darüber im Klaren, dass das manche lächerlich finden, was ich sage. Ich finde das aber nicht“, ließ Wutz ihre Ausschusskollegen wissen: Das Verhalten der Rathausspitze im konkreten Fall würde die „Arbeit meiner Kollegen im Krankenhaus mit Füßen treten“. Die nonchalante Haltung der Rathausspitze in Bezug auf die Thematik könne sie nicht mit ihrem Referentenposten vereinbaren.

Nach Corona-Affäre: Gesundheitsreferentin sauer - „Arbeit im Krankenhaus mit Füßen getreten“

Bürgermeister Frank Zellner (CSU) bedauerte Wutz’ Rücktritt als Gesundheitsreferentin. „Das ist sehr schade, Conny, weil Du mit Deiner Fachkompetenz an der Stelle sehr wertvoll warst.“ Selbstkritik übte Zellner nicht: „Es war so, wie es war.“ Dass sich in der Sitzung niemand beim Rathausmitarbeiter angesteckt habe, würde für die Hygieneschutzmaßnahmen sprechen. Man könne nicht jeden Teilnehmer vor der Sitzung nach etwaigen Symptomen befragen. „Es ist nicht so, dass ich hier absichtlich jemanden gefährden will – wirklich nicht“, betonte Zellner – worauf Wutz prompt antwortete: „Ja, das hoffe ich ganz stark. Davon gehe ich eigentlich aus.“

Wutz appellierte nochmals an die Vernunft: „Wenn ich Symptome habe, dann bleibe ich daheim.“ Und direkt an Zellner gerichtet: „Von einer Führungsperson erwarte ich, dass er einem Mitarbeiter das auch so sagt. Bei uns in der Arbeit ist das gang und gäbe.“ Früher sei man vielleicht bei einem Schnupfen etwas toleranter gewesen – aber nun stecke man tief in einer Pandemie: „Jetzt ist nicht früher“, konstatierte Wutz.

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