+
Auf Eis gelegt: Der „Zamboni“ des TSV Peißenberg ist defekt. Das Foto zeigt das Gerät vor der Abfahrt zu einer Spezialfirma in Reutte.

Eisbereitungsmaschine hatte ihren Geist aufgegeben

Kraftakt verhindert Schließung des Eisstadions Peißenberg

  • Paul Hopp
    VonPaul Hopp
    schließen

In der Zeit um den Jahreswechsel ist das Eisstadion des TSV Peißenberg besonders stark frequentiert. Ein Defekt am „Zamboni“ zwang den Verein, über eine Schließung des Stadions nachzudenken. Die wurde in einem Kraftakt samt Reise nach Österreich gerade noch verhindert.

Peißenberg – Eigentlich wollte Stefan Rießenberger nicht mehr ständig im Eisstadion stehen. Nach seiner Wahl zum TSV-Präsidenten gab er sein Amt als technischer Leiter der Eishockey-Sparte auf. Doch zuletzt war Rießenberger Dauergast in der Eishalle – „seit Heiligabend jeden Tag um die acht Stunden“, erzählt er. Er, die Eismeister und zahlreiche Helfer vom TSV arbeiteten fieberhaft daran, eine Schließung des Stadions zu verhindern. Die drohte, nachdem kurz vor Heiligabend die Eisbereitungsmaschine (nach ihrem Erfinder, dem US-Amerikaner Frank Zamboni, überall nur „Zamboni“ genannt) ihren Geist aufgegeben hatte. Was genau an dem Gerät, das der TSV vor 15 Jahren gekauft hatte, nicht mehr funktioniert, ist noch unklar.

Das Eis muss bearbeitet werden, sonst ist im Stadion weder Publikumslauf noch Trainings- und Spielbetrieb möglich. Die Zeit um Weihnachten und Neujahr herum ist „unsere Haupteinnahmequelle“, sagt Rießenberger. „Derzeit gibt es keine freie Eiszeit mehr.“ Allein zum Publikumslauf kommen im Schnitt 200 Besucher. Das Stadion jetzt zusperren? Undenkbar. Und doch stand der Verein kurz davor, es tun zu müssen. Denn die Herstellerfirma des defekten „Zambonis“ konnte aufgrund von Urlaub weder Techniker noch Ersatzteile schicken. „Wenn ich ein saisonales Geschäft betreibe, brauche ich doch einen Notdienst“, schimpft Rießenberger. Die Firma hätte zwar einen Ersatzwagen zur Verfügung gestellt, doch der wäre aufgrund seiner Konstruktion fürs Peißenberger Stadion unbrauchbar.

Kurze Abhilfe schaffte eine Leihgabe des EC Thanning, ein Oldtimer von 1972. Doch das Ding (laut Rießenberger ein „Hochkipper“) musste, um das aufgesammelte Eis abzuladen, immer durchs Stadiontor nach draußen fahren. Bei Eishockeyspielen hieß das, an den Besuchern vorbei zu navigieren. Durch herabfallendes Wasser (im Tank war ein größeres Loch) wurde zudem der Zugang zum Stadion vereist. Außerdem waren gleich mehrere Leute notwendig, um das betagte Kippsystem zu steuern. Nach der Bayernliga-Partie gegen Erding entschied der TSV, den Oldtimer nicht weiter zu benutzen. „Die Verantwortung konnten wir einfach nicht übernehmen“, so Rießenberger.

Leih-„Zamboni“ aus Reutte

Der Präsident und seine Helfer bekamen schließlich Kontakt zu einer Firma in Reutte. „Die haben uns sofort ein für uns passendes Leihgerät in Aussicht gestellt.“ Am Freitag wurde der defekte „Zamboni“ nach Tirol gebracht und im Gegenzug ein funktionierender geholt. Der Betrieb des Stadions „kann bis auf Weiteres aufrechterhalten werden“, sagt Rießenberger. Jeden Tag sind bis zu zwölf Eisbereitungsfahrten nötig. Pro Fahrt werden 1000 Liter Wasser aufs Eis aufgebracht bzw. rund ein Kubikmeter altes Eis abgeschabt. Für das Leihgerät und dessen Betrieb nimmt der TSV eine Summe von ein paar tausend Euro in die Hand. 

In der Not-Situation zeigte sich: Der Zusammenhalt im Verein und die Unterstützung von außen „ist phänomenal“, lobt der TSV-Chef. Der defekte „Zamboni“ wird am Mittwoch nun begutachtet. „Dann erfahren wir, ob er zu reparieren ist, was es kosten wird oder ob wir uns anderweitig Gedanken machen müssen“, sagt Rießenberger. Einfach einen neuen „Zamboni“ (ein einfaches Modell kostet rund 120 000 Euro) zu kaufen oder zu leasen – das ist finanziell derzeit nicht drin.

Ein Eisstadion zu betreiben, ist für einen Verein „schon ein enormer Aufwand“, sagt Rießenberger. Die ganze Organisation „wird bei uns ehrenamtlich erledigt. Anderswo gibt es da in Vollzeit angestellte Menschen“, so Rießenberger. Seit dieser Saison kümmern sich beim TSV vier Mann um die Stadionverwaltung (dazu gehören Abrechnung, Eisvermietung, technische Belange). 

Die Marktgemeinde unterstützt den Verein finanziell unter anderem mit einem Pauschalbetrag und übernimmt an Werktagen die Bezahlung der Eismeister. In der Vergangenheit kamen pro Jahr rund 120 000 Euro zusammen. Das Stadion. so Rießenberger, „ist in Peißenberg neben der ,Rigi-Rutsch’n‘ der Ort, der am stärksten frequentiert ist. So ein Ding sollte man am Laufen halten.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare