Der Eberlhof ist für Verena und Rainer Butschal sowie Hund „Poochie“ zur Heimat geworden. 

Zu  Besuch auf dem Eberlhof

„Wir wollen hier alt werden“

Seit 2015 sind Verena und Rainer Butschal Mieter des Eberlhofs über Peißenberg. Hier haben sie ihre Heimat gefunden und würden am liebsten für immer bleiben.

Peißenberg – Verena Butschal (34) kennt sich in der Immobilienbranche bestens aus. Seit 13 Jahren betreibt sie ein eigenes Maklerbüro, München und das Fünfseenland sind ihre Hauptbetätigungsfelder. „Es gibt viele schöne Orte und Häuser“, sagt Verena Butschal, die versucht, die Immobilienauswahl individuell zu gestalten – sprich: Die Persönlichkeit des Kunden und der Gebäudecharakter müssen zusammenpassen. An diese Vorgabe hat sich die 34-Jährige auch im privaten Umfeld gehalten: Zusammen mit Ehemann Rainer (43) hat sie jedenfalls die perfekte Immobilie für sich und ihre Familie gefunden. Es ist der rund 500 Jahre alte Eberlhof am Osthang des Hohen Peißenbergs.

Vom Ortsteil Sulz aus sind es etwa 20 Minuten Fußmarsch hinauf nach Rapolts–kreut. Dort erwartet einen eine Bilderbuchlandschaft mit grandiosem Rundblick vom Ammersee bis zur Alpenkette, Kuhglockengebimmel – und die Butschals mit Söhnchen Vinzenz und Hofhund „Poochie“.

Die Familie ist seit November 2015 Pächter des Eberlhofs. Ein paar Monate zuvor hatte der von der Eigentümer-Weidegenossenschaft gegründete „Instandsetzungs- und Erhaltungsverein“ die aufwendige Restaurierung des Gehöfts abgeschlossen. Die baulich-statische Grundsubstanz wurde unter anderem mit dem Einzug von Stahlträgern erneuert. Doch seinen historischen Charme hat der Eberlhof dadurch nicht verloren. Alt und Neu sind perfekt miteinander kombiniert – auch im Inneren. Die ursprünglichen Steinmauern sind teilweise ebenso noch sichtbar wie die alten Fußböden und Deckenbalken. Da kann man gut verstehen, warum die Pächterfamilie so begeistert von ihrem Zuhause ist: „Wenn uns keiner rausschmeißt“, kündigt Verena Butschal schmunzelnd an, „dann wollen wir hier alt werden. Wir können uns eigentlich gar nichts mehr anderes vorstellen.“

Die Butschals leben auf dem Eberlhof im Einklang mit der Natur – oder anders ausgedrückt: „entschleunigt“. „Es passt zu unserer Lebensphilosophie“, sagt Rainer Butschal, „was nicht heißen soll, dass wir Esoteriker sind.“ Nein, keinesfalls. Die Butschals finden auf dem Eberlhof aber den perfekten Ausgleich zu ihren beruflichen Tätigkeiten. Rainer ist als selbständiger Tonmeister in der hektischen Filmbranche unterwegs. Unter anderem war er an bekannten Produktionen wie „Fack ju Göthe“ beteiligt. Butschal macht sein Beruf Spaß, aber er weiß auch, dass die Filmwelt nichts mit dem realen Leben zu tun hat. Der Eberlhof bietet da ein „Kontrastprogramm, um das Ganze wieder zu erden“, wie er es formuliert. Ähnliche Erfahrungen macht seine Gattin: „Wenn mich ein Immobilienkunde mal nervt, dann gehe ich zwei Stunden zum Unkraut-Zupfen – und dann bin ich ein neuer Mensch. Der Eberlhof hat etwas unglaublich Positives. Man kann es nicht in Worte fassen.“

Freilich ist der abgeschiedene Wohnort nicht für jeden etwas: „Man muss damit klarkommen, dass man aus der Haustür geht und nicht gleich vor einem Kiosk oder Supermarkt steht“, sagt Rainer Butschal. Und man muss die Einsamkeit aushalten können: „Ich bin mit Kind und Hund oft allein. Aber ich bin manchmal ganz froh, einfach mal nix sagen zu müssen“, erzählt Verena Butschal. Und der Begriff „allein“ ist auf dem Eberlhof auch eher relativ zu verstehen. Die Weidebauern kommen nach der Waldarbeit oft zur Brotzeit, und die Werdenfelser Rinder wie „Rudi“ und „Martl“ schauen immer wieder am Zaun vorbei. Auch ein Fuchs gibt sich regelmäßig die Ehre: „Der klaut immer unsere Schuhe“, erzählt Verena Butschal schmunzelnd.

Für Söhnchen Vinzenz – 14 Monate alt und quasi ein gebürtiger „Eberlhofer“ – ist Rapoltskreut ein großer Abenteuerspielplatz: „Er hat die größte Freude. Es ist wichtig, dass die Kinder erstmal die Basics der Natur kennenlernen und erst dann die Stadt und die Gesellschaft“, sagt der Papa. Währenddessen ist der kleine Vinzenz nach seinem Mittagsschläfchen unbemerkt auf die Kuhweide ausgebüchst. Der Knirps inmitten der Werdenfelser Rinder – nicht ganz ungefährlich, möchte man meinen. Aber alles ist ganz entspannt. Mensch, Tier und Natur bilden auf dem Eberlhof eine Einheit. Und vermutlich genau das, was Rainer Butschal als „Basics“ bezeichnet.

Bernhard Jepsen

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