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Ein Panoramafoto des Barbarahofs in Peißenberg.

Peissenberg

„Pro Barbarahof“ macht mobil

Peißenberg - In Sachen "Barbarahof" bleibt Altbürgermeister Hermann Schnitzer kämpferisch. Nun übergab er im Rathaus eine Unterschriftenliste. 

Wenn es um den Erhalt des Wörther Barbarahofs „als Zeugnis einer Bergarbeitersiedlung“ geht, dann wird Hermann Schnitzer zum leidenschaftlichen Kämpfer. Als die „Weilheimer Wohnbau GmbH“ im November 2015 die Holzlegen abreißen lassen wollte, setzte der Altbürgermeister alle Hebel in Bewegung – und erzielte einen Teilerfolg: Das Landratsamt verhängte für die 1950 unter anderem im Rahmen des Marshall-Plans errichtete Wohnsiedlung eine Veränderungssperre, um die Denkmaleigenschaft zu prüfen.

Schnitzer und die Anlieger – der Barbarahof umfasst 60 Wohnungen – sind keine Einzelkämpfer. Mitte Februar hat der Altbürgermeister im Rathaus eine 600 Namen umfassende Unterschriftenliste mit dem Titel „Pro Barbarahof“ übergeben. Auf Nachfrage der Heimatzeitung kündigt Schnitzer an, im Bedarfsfall weiter mobilzumachen: „Wenn ich merke, dass etwas gewaltig aus dem Ruder läuft, dann gehe ich auf die Barrikaden – wenn es sein muss bis zum Bürgerentscheid.“

In einem Begleitschreiben zur Unterschriftenliste werden die Bürgermeisterin und der Marktrat von „Pro Barbarahof“ „dringend“ gebeten, sich für den Erhalt des Barbarahofs in seinem historischen Erscheinungsbild einzusetzen. Um die Kubatur der Wohnbebauung und das Innenhofgelände samt Holzlegen zu erhalten, „muss die gesamte Gartenanlage im Sinne des Denkmalschutzes unter Ensembleschutz gestellt werden“. Das würde eine Nachverdichtung praktisch unmöglich machen oder zumindest erheblich erschweren – das birgt Konfliktpotenzial. Die von Kommunen und vom Landkreis getragene „Wohnbau GmbH“ hat den Barbarahof 2010 unter der Prämisse von der BHS erworben, das Gelände baulich zu ergänzen: „Der Kaufpreis wurde damals von einem Gutachter analysiert. Und es wurde gesagt, dass es sich nur rentiert, wenn man die Nachverdichtungspotenziale ausschöpft“, erklärt Felix Nuss. Der „Wohnbau“-Geschäftsführer verweist zudem auf den „sozialen Auftrag“ des Unternehmens und den Bedarf an bezahlbarem Wohnraum: „Wir wollen im Barbarahof keine Luxusgeschichten oder Wohnhochhäuser errichten. Der Charakter soll im Wesentlichen erhalten bleiben.“ Wird der Barbarahof unter Denkmal- oder gar Ensembleschutz gestellt, wird es laut Nuss schwierig: „Wir haben einen Architekten beauftragt, der darauf spezialisiert ist. Er soll Pläne ausarbeiten. Aber es wäre ein riesiger Aufwand, den man tätigen müsste.“

Nach einem Ortstermin Mitte Januar unter anderem mit Schnitzer, Nuss, Gemeinde- und Amtsvertretern wartet nun alles auf die Entscheidung der Denkmalbehörden – auch der Marktrat. Wobei das Gremium Ende 2015 in nichtöffentlicher Sitzung ein „Meinungsbild“ verabschiedet hat. Demnach sprechen sich die Räte mehrheitlich gegen einen Denkmalschutz aus. Laut Bürgermeisterin Manuela Vanni hat das „Meinungsbild“ nach wie vor Gültigkeit. „Natürlich wollen wir kein vierstöckiges Wohnhaus in den Barbarahof setzen“, betont die Rathauschefin. Allerdings verweist sie wie Nuss auf den Wohnraumbedarf: „Wir haben in der Gemeinde eine Unmenge von Namen auf der Warteliste für Sozialwohnungen stehen“, sagt sie. „Und bevor wir wieder eine grüne Wiese zubauen, dann doch lieber Nachverdichtung mitten im Ort in sehr guter Lage.“ Vanni findet es zwar „richtig“, dass die Bergwerksvergangenheit in Peißenberg gepflegt wird. Doch bezüglich des Engagements ihres Amtsvorgängers kann sie sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: „Ich hätte mich auch gefreut, wenn man sich beim PKG-Gelände ebenso eingesetzt hätte“, erinnert sich Vanni an ihren Arbeitstag im Rathaus am 2. Mai 2008: „Den Tag werde ich nie vergessen. Es war meine erste Amtshandlung, als ich den Abrissantrag für die wunderschönen Bergwerkshallen und den Turm unterschreiben musste. Mir tat es in der Seele weh“, sagt Vanni.

Hier lesen Sie einen weiteren Artikel zum Barbarahof.

-Bernhard Jepsen-

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