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Könnte zum Problem werden: Erst vor wenigen Tagen wurde die Sicherheitswacht in Weilheim präsentiert (Foto). Ein erheblicher Teil der dort aktiven Ehrenamtlichen kommt allerdings aus Peißenberg.

Marktgemeinderat beschließt Sicherheitswacht

Peißenberg ist so sicher wie nie - dennoch sollen Ehrenamtliche jetzt für Recht und Ordnung sorgen

Wie unsicher ist Peißenberg? Mit dieser Frage beschäftigte sich jetzt der Marktgemeinderat. Und kam zu einem überraschenden Ergebnis.

Peißenberg – Eigentlich hätte es den vierminütigen Hochglanz-Werbefilm gar nicht mehr gebraucht, den Weilheims Polizeichef Harald Bauer und sein Kollege Tobias Neuner in der jüngsten Marktratssitzung vorführten. Die beiden Beamten hielten vor dem Gremium ein flammendes Plädoyer für die Einführung einer Sicherheitswacht.

„Es ist unwahrscheinlich, in Peißenberg Opfer einer Straftat zu werden“, räumte Bauer zwar ein, „aber man kann immer noch besser werden.“ Keine der 155 Kommunen, die derzeit in Bayern über eine Sicherheitswacht verfügen, hätten die Einführung bis dato bereut – im Gegenteil: „Es wurden nur positive Erfahrungen gemacht“, so Bauer.

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Weilheim hat ab sofort eine Sicherheitswacht

Auch Neuner ließ keinen Zweifel am Sinn und Zweck der Sicherheitswacht – wobei er die Presse zunächst tadelte: Die ehrenamtlichen Streifengfänger dürfe man nicht als „Hilfspolizisten“ bezeichnen. Die Sicherheitswacht sei kein Ersatz für die Polizei, sondern ein zusätzliches Instrument, eine Ergänzung. Neuner sprach von einem „Mittler zwischen Bürgerschaft und Polizei“. Und Bauer betonte, dass das Sicherheitsgefühl der Bürger durch die Wacht deutlich gestärkt werde – „und das zum Nulltarif“. Aus der Sicht der Gemeinde ist Letzteres durchaus zutreffend. Auf sie kommen keinerlei Kosten zu. Auf den Steuerzahler allerdings schon. Die Sicherheitswacht wird von der Polizeiinspektion Weilheim organisatorisch betreut und vom bayerischen Innenministerium finanziert.

Die Streifengänger sind nicht ganz zum „Nulltarif“ tätig. Sie bekommen eine Aufwandsentschädigung von acht Euro pro Stunde. Hinzu kommen die Kosten für die Ausbildung (40 Unterrichtseinheiten unter anderem zu Dienstkunde, Einwirkungsrecht und Strafrecht) und die Ausrüstung mit Uniform und Funkgerät. Schusswaffen tragen die Streifengänger nicht: „Sie haben keine martialischen Hilfsmittel“, erklärte Neuner.

Wie viel Sicherheitswachtmitglieder für Peißenberg engagiert werden, legt das Innenministerium fest. Bauer rechnet mit acht Streifengängern. Einstellungsvoraussetzung ist, dass die Interessenten die deutsche Sprache sicher beherrschen, eine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen können und über einen einwandfreien Leumund verfügen.

Sicherheitswacht Peißenberg: Patrouillen durch den gesamten Ort

Außerdem muss man bei der Einstellung mindestens 18 Jahre alt sein und man darf das Alter von 62 nicht überschritten haben. Als „optimale Einsatzorte“ zählte Neuner das Wörth-Zentrum und den Barbarahof auf, dazu das Freizeitgelände samt „Rigi-Rutsch´n“, Eishalle und Sportstadion, das neue Jugendzentrum, das Rigi-Center, den Ammerdamm, die Asylunterkünfte und den Spielplatz am Michelsbach.

Anders ausgedrückt: Die Streifengänger sollen nahezu durch ganz Peißenberg patrouillieren. Die Einsatzzeiten werden von der Polizei vorgegeben. Ein Mindestpensum von fünf Stunden im Monat wird von den Streifengängern erwartet. Großartig diskutiert wurde im Marktrat über den Sinn und Zweck der Sicherheitswacht nicht mehr. „Das ist für Peißenberg nur von Vorteil“, meinte Stefan Rießenberger (Bürgervereinigung). In Schongau sei „das positive Ergebnis der Sicherheitswacht“ bereits sichtbar – „vor allem an den öffentlichen Grillplätzen“.

Kritik an Sicherheitswacht Peißenberg: „Arbeit wird auf das Ehrenamt abgeschoben“

Zudem könnten sich die Streifengänger auch als eine Art „Seelenklempner“ betätigen – was Neuner umgehend bestätigte: „Die Polizei muss strikt nach dem Legalitätsprinzip vorgehen. Die Sicherheitswacht nicht.“ Minimale Sicherheitsstörungen könnten von den Streifengängern selbst gelöst werden.

Kritisch äußerte sich allerdings Matthias Reichhart (Bürgervereinigung), der wie seine Fraktionskollegin Petra Bauer sowie Peter Blome und Ursula Einberger (beide SPD) gegen die Sicherheitswacht votierte. „Für mich hat das einen schalen Beigeschmack. So wie zum Beispiel beim Gabentisch wird wieder eine hoheitliche Aufgabe auf das Ehrenamt abgeschoben. Mir wäre es lieber, wenn wir mehr Polizei hätten. Aber die wird kaputtgespart.“

Dem widersprachen die beiden Polizeibeamten: „Selbst wenn wir zehn Polizisten mehr hätten“, erklärte Harald Bauer, „könnten wir keine Streifen zu Grillplätzen hinschicken.“ Generell würde die Polizei sogar steigende Personalzahlen verzeichnen. „Das ist die klare Tendenz“, so Bauer, der sich dennoch für die Sicherheitswacht starkmachte.

VON BERNHARD JEPSEN

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