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Völliges Chaos: Das Foto entstand  nach dem  Hochwasser vom 29. Mai im Keller des Getränkehandels "Weissenbach".

Bach- und Jahnstraße in Peißenberg

Mit dem Regen kommt die Angst

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Peißenberg - „Tagblatt“-Redakteurin Katrin Martin war gerade im Gespräch mit  Anwohnern zum Hochwasser, als es passierte. Das Wasser im Wörthersbach  stieg rapide an.

Mit solchen Brettern sichern Anwohner an der Bachstraße mittlerweile ihre Grundstücke, wenn der Wörthersbach wieder gefährlich anschwillt.

 Es ist kurz vor 17 Uhr, als die Hektik an Bach- und Jahnstraße beginnt. Ein Unwetter zieht über den Ort, Regen prasselt lautstark nieder. „Das gibt’s doch jetzt nicht“, sagt eine Anwohnerin. Sie und weitere Peißenberger kommen nach und nach auf das Grundstück des Getränkefachgroßhandels „Weissenbach“. Hier sind sie mit der Heimatzeitung verabredet. Sie wollen erzählen, wie es ihnen in den vergangenen Wochen ergangen ist, wie sehr sie in Sorge leben, wie viele Schäden es zu beheben gab – und noch gibt. Danach soll es zur Bürgerversammlung gehen, bei der über den Hochwasserschutz informiert werden soll.

Es kommt alles anders. Als um 17 Uhr ein paar Betroffene am Küchentisch Platz nehmen, ist das Thema nicht die Vergangenheit, sondern die Gegenwart. „Fünf Stufen sind noch Platz“, sagt eine Anwohnerin, als sie in den Raum kommt. Sie trägt Gummistiefel und Regenmantel. „Fünf Stufen“, entgegnet ihr ein Mann, „das ist gut.“ Denn das heißt: Der Wörthersbach läuft noch nicht über. Die Höhe des Bachs beschreiben einige Anwohner mittlerweile anhand der Treppe, die an jener Stelle in den Wörthersbach führt, an der der Michelsbach in diesen mündet. Es dauert nicht lang, da kommt ein Anruf: nur noch zwei Stufen Platz, bis das Wasser auf die Straße läuft. Zwei Männer am Tisch – der Pächter des Getränkefachgroßhandels „Weissenbach“ und der Besitzer des Grundstücks – schauen sich an, nicken und gehen hinaus. Sie wissen, was jetzt zu tun ist. Rund um das Gelände werden Hochwasserschutzbretter angebracht. Sie wurden extra an die Einfahrten und Treppeneingänge angepasst. Niemals wieder soll das Wasser solche Schäden anrichten wie Ende Mai.

Als alles abgesichert ist, kommt einer von ihnen zurück. Er will wie alle Betroffenen seinen Namen nicht in der Zeitung lesen – aber trotzdem von dem Drama erzählen, das sich am 29. Mai ereignet hat. „Es war eine Hochwasser-Olympiade“, sagt der Grundstücksbesitzer. „Und wir haben die Goldmedaille. Die größten Schäden und die meiste Arbeit.“ Vier Häuser stehen auf dem Gelände der Familie an Bach- und Jahnstraße. Sie alle wurden von dem Wasser erwischt. Die Schäden liegen im sechsstelligen Bereich. In den vergangenen Wochen „ist kein Tag ohne mindestens zwölf Stunden Arbeit vergangen“, sagt der Peißenberger.

Auf Fotos hat er das Ausmaß dokumentiert. Er reicht sie herum. Seine Frau hält eines aus einem Kellerraum in der Hand. Umgefallene Getränkekisten voll Schlamm sind darauf zu sehen, die Wände verdreckt. Ein einziges Chaos. „In Nullkommanix waren wir vollgelaufen“, sagt die Frau. 17 Kellerräume sind unter den vier Gebäuden. Das Wasser stand in ihnen bis zur Decke – bis zu drei Meter hoch. Es riss vier Türen aus der Verankerung und schwemmte die gelagerten Getränkekisten davon. 3500 volle Kästen mussten entsorgt werden. 20 Männer halfen, sie nach oben zu tragen. „Der Aufzug war kaputt“, sagt die Frau. Ebenso Heizungen und Elektroanlagen. Eine Katastrophe für die Familie. Und auch für den Pächter. Der hatte vor zehn Jahren den Getränkehandel von den Besitzern übernommen. Sechs Wochen lang musste er ohne warmes Wasser auskommen. „Als erstes haben wir dafür gesorgt, dass der Laden wieder läuft“, sagt der Grundstückseigentümer. „Damit unser Pächter wieder auf die Füße kommt.“

Es ist mittlerweile 17.45 Uhr, über „Facebook“ wird bekannt, dass die Bürgerversammlung abgesagt wurde. Draußen lässt der Regen langsam nach.

„Ich zeige Ihnen, wie es jetzt aussieht“, sagt der Mann und geht in den Keller. Neue Getränkekästen stehen dort, die Werkstatt wurde neu gestrichen. Das Werkzeug, das es durch die Räume geschwemmt hatte, liegt wieder an Ort und Stelle. In einem kleinen Nebenraum aber bröckelt noch getrockneter Schlamm von der Wand.

Der Dreck macht auch auf dem restlichen Grundstück Probleme, wie der Eigentümer zeigt. Das Wasser sickert im Garten nur schwer ab – der Schlamm hat den Boden verdichtet. Obwohl er sogar weggebaggert wurde, ist noch nicht alles wie früher.

Vor den Kellereingängen wurden mittlerweile Stufen angebracht, um das Wasser abzuhalten. Den Rand des Gartenteiches mit zahlreichen Kois haben die Besitzer mit Steinen erhöht. Daneben auf der Wiese leben Schildkröten. „Wir haben zum Glück alle retten können“, sagt der Mann, der zuletzt 1978 ein Hochwasser an der Bachstraße erlebt hatte.

Mittlerweile hat der Regen aufgehört, die Menschen an Bach- und Jahnstraße wirken wieder ruhiger. Die Feuerwehr fährt weg. Diesmal ist an Bach- und Jahnstraße alles gut gegangen. Doch die Angst wird wieder kommen – sobald der Regen lautstark an die Fenster prasselt.

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