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Thomas Weinfurtner hat 54 seiner Bilder in einer Ausstellung im Seniorenzentrum gezeigt.

peißenberg

Bergbau in 1000 Bildern

Peißenberg - Thomas Weinfurtner ist vom Bergbau am Hohen Peißenberg begeistert.  Der Peißenberger besitzt unter anderem über 1000 Fotos davon.

Aus dem Jahr 1911 stammt dieses Bild. Es zeigt  einen Holzturm der für den ersten Abteufversuch in Peißenberg aufgestellt worden war.

Wenn man die Wohnung von Thomas Weinfurtner betritt, dann wird man sofort mit seinen Leidenschaften konfrontiert. Da hängt zum einen ein Fan-Schal des FC Bayern an der Wand, zum anderen sind rund 50 historische Grubenlampen auf Regalen oder in Vitrinen ausgestellt. Weinfurtners Vater war Bergmann, da wurde das Interesse für den Kohleabbau schon im frühen Bubenalter geweckt: „Ob Geologie, Technik oder Historisches, es kommt bei dem Thema so viel zusammen. Was sich die Bergleute früher alles an Innovationen haben einfallen lassen, ist unglaublich“, schwärmt der 53-jährige Peißenberger, den man getrost als „Hobbygeschichtsforscher“ bezeichnen kann. Es gibt vermutlich nur wenige Details, die er nicht über die heimische Bergbauvergangenheit zu erzählen weiß. Das Besondere bei Weinfurtner: Er kann die Bergbauhistorie auch sehr gut bildlich dokumentieren.

Rund 1000 Fotos hat Weinfurtner in seiner beeindruckenden Bildersammlung zusammengetragen. Die meisten davon stammen aus privater Hand, ein Teil aber auch aus Museumsarchiven. Weinfurtner hat alle Fotos digitalisiert. Die Zeitspanne der Aufnahmen reicht von 1880 bis zum Ende des Peißenberger Bergbaus Anfang der 1970-er Jahre. Darunter finden sich viele Abbildungen und Motive, die man noch nicht in den einschlägigen Büchern und Heftchen zur Bergbaugeschichte gesehen hat. Für Heimatforscher eine wahre Fundgrube. Unter anderem hat Weinfurtner auch zwei Bilder in seinem Fundus, die ein für Peißenbergs spätere Siedlungsentwicklung nicht ganz unwesentliches Ereignis festhalten. Auf den Schwarz-Weiß-Aufnahmen ist eine Holzkonstruktion zu sehen, die auf den ersten Blick einem Römerlagerwachturm ähnelt. Der Standort lässt sich zumindest auf einem Foto leicht lokalisieren: Der Turm steht auf halber Strecke zwischen dem Tiefstollengelände und dem heutigen Betriebsareal der Pyrotechnikfirma „Hummig Effects“. Aufgenommen wurden die Fotos im Jahr 1911. Aber warum war das Motiv damals so bedeutsam? Ganz einfach: Es handelte sich um den ersten großen Abteufversuch auf Peißenberger Flur. Der Holzturm diente als Gerüst für die Bohrvorrichtungen.

Drei Jahre zuvor hatte es bereits mehrere bis zu 1200 Meter tiefe Probebohrungen am Südhang des Hohen Peißenbergs gegeben. Die Explorationen wurden mit der Erkenntnis abgeschlossen, dass im Aufsuchungsgebiet eine ausgedehnte Kohlenmulde vorhanden ist. Das versprach steigende Absatzmengen. Die Abbau-Kapazitäten am Tiefstollen waren langsam ausgereizt. Und am Hohenpeißenberger Unterbauschacht fehlte es an einem Bahnanschluss, zudem war die dortige Grubenanlage veraltet. So entschloss man sich, in Peißenberg eine Abteufung vorzunehmen. Zunächst nahmen die Geologen das Areal des späteren Zieglmeier-Schachts im heutigen Einkaufspark an der Hochreuther Straße ins Visier. Doch aus Kostengründen wurde zunächst umgeplant. Der Schacht sollte näher an die Tiefstollen-Infrastruktur mit Kohlenwaschanlage und Bahnanschluss rücken. Etwa 200 Meter südwestlich des Tiefstollens wurde im Dezember 1911 mit der Abteufung begonnen. Nach 26 Metern war aber wegen akuter Erdrutschgefahr wieder Schluss. Die Bohrung stieß auf stark gefaltetes Gebirge, wodurch der weitere Schachtausbau unmöglich wurde. Wäre der Abteufversuch erfolgreich gewesen, hätte sich der Ortsteil „Wörth“ vermutlich städtebaulich anders entwickelt. Die großen Grubenanlagen und das noch heute stehende Kraftwerksgebäude wären wohl an anderer Stelle gebaut worden.

Doch es kam bekanntlich anders: Am 27. März 1912 wurde mit der Abteufung am Hauptschacht begonnen. Die Kohleförderung wurde gut drei Jahre später im Oktober 1915 aufgenommen. Gut nachzulesen ist das alles in einer 1937 erschienenen Chronik anlässlich des 100-jährigen Jubiläums zum Kohleabbau am Hohen Peißenberg – oder man fragt bei Thomas Weinfurtner nach. Das Bild von der Hebauffeier für den Abteufbohrturm hat er übrigens von einem Bekannten geschenkt bekommen. „Das war ein Dachbodenfund und reiner Zufall.“

Bernhard Jepsen

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