Aus dem gericht

Geldstrafe, aber kein Fahrverbot

Peißenberg - Wegen fahrlässiger Körperverletzung stand ein Peißenberger vor Gericht. Er hatte einen Unfall mit einem Verletzten verursacht.

Schneematsch lag auf der Straße, es war schmierig und glatt am 27. Dezember 2014, als der 23-jährige Peißenberger gegen 13.30 Uhr mit seinem Kombi von Weilheim Richtung Wessobrunn unterwegs war. In einer Kurve kurz vor dem Wessobrunner Berg passierte es: Sein Auto geriet ins Schleudern. Er kam auf die Gegenfahrbahn und stieß mit dem Fahrzeug eines 22-Jährigen aus Wessobrunn zusammen. Dieser erlitt bei dem Unfall schwere Verletzungen: Sein Oberschenkelhalsknochen und seine Elle wurden gebrochen. Er leidet bis heute unter starken Schmerzen und ist nicht in der Lage zu arbeiten.

Der 23-Jährige trug nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft insofern Schuld an dem Unfall, als er aus Unachtsamkeit oder weil er für diese Straßenverhältnisse zu schnell unterwegs war, auf die Gegenfahrbahn geriet. Er erhielt einen Strafbefehl, in dem ihm eine Geldstrafe und ein Fahrverbot auferlegt wurden. Dagegen legte er Einspruch ein, und es kam zur Gerichtsverhandlung.

„Ich kann mir nicht erklären, wie ich ins Schleudern geraten bin“, sagte der Angeklagte. Er sei mit einer Geschwindigkeit von etwa 70 km/h unterwegs gewesen, habe nicht gebremst, sondern sei nur vom Gas gegangen. „Es hat mich einfach rausgedreht.“ Als er nach dem Unfall aus dem Auto ausgestiegen sei, habe er Öl auf der Fahrbahn gesehen, „und das ist nicht von den Unfallautos gekommen.“ Der Angeklagte ist ein für sein Alter sehr geübter Autofahrer, weil er im Rahmen seiner Arbeit weite Strecken mit dem Auto zurücklegt.

Auch die Zeugen berichteten von auffallend viel Öl auf der Straße: „Es war alles voll Öl“, sagte die 46-Jährige aus Wessobrunn, die zusammen mit ihrer Mutter im Auto hinter dem Unfallopfer fuhr. Ihre Mutter bestätigte das. Der Polizist, der damals den Unfall aufgenommen hatte, berichtete ebenfalls von viel Öl, schloss aber nahezu aus, dass es schon vor dem Zusammenprall auf der Straße war. „Es gab eine große Ölkonzentration dort, wo die Trümmerteile lagen“, sagte der Polizist. Es habe auch eine Ölspur gegeben, diese kam nach Einschätzung des Experten von der Feuerwehr allerdings davon, dass einige Autos nach dem Zusammenstoß die Unfallstelle passierten. Der Polizist sagte aus, dass sein Kollege und er mit einer Geschwindigkeit von rund 100 km/h zur Unfallstelle bei Zellsee geeilt seien.

„Ich bin mit zarten Rentner-30 Richtung Weilheim gefahren“, schilderte dagegen der 22-Jährige aus Wessobrunn, der bei dem Unfall so schwer verletzt wurde. Sein Auto war gegen ein hölzernes Brückengeländer geprallt und auf dem Bankett gelandet. Der Wagen des Peißenbergers war etwa 20 Meter von der Straße entfernt zum Stehen gekommen.

An die Ölspur als Unfallursache glaubte Richterin Katrin Krempl nach den Zeugenaussagen nicht. Angesichts der Tatsache, dass die Polizisten mit rund 100 km/h unterwegs waren und Zeugen von einer Autoschlange berichtet hatten, die sich hinter dem Wagen des Angeklagten gebildet hatte, hielt sie das Verschulden des 23-Jährigen für so gering, dass sie sogar eine Einstellung des Verfahrens in Betracht zog. Doch die Staatsanwältin spielte da nicht mit. Schließlich einigten sich die Beteiligten darauf, dass das Fahrverbot aus dem Strafbefehl für den 23-Jährigen zwar wegfällt, er aber eine Geldstrafe von 1400 Euro zahlen muss.

Kathrin Hauser

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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