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So soll das Wasser im Ernstfall gestoppt werden: In die Stahlträger können Spundwände eingesteckt werden. So soll reguliert werden, dass der Fendter Bach nicht zu viel Wasser führt. 

Peißenberg

Hochwasserschutz: Gemeinde baute ohne Genehmigung

Peißenberg – Markt Peißenberg ließ am Fendter Bach zum Hochwasserschutz eine Spundwand errichten. Daraufhin ging beim Landratsamt eine Beschwerde ein - Die Wand war nicht genehmigt.

In der Bürgerversammlung zum Thema „Hochwasserschutz“ wurde viel geredet – zum Beispiel über diverse geplante Regenrückhaltebecken und über die von der Gemeinde veranlassten Sofortmaßnahmen. Da kam unter anderem der aufgeschüttete Erdwall südwestlich des Recyclinghofs zur Sprache, der laut Bauamtsmitarbeiter Thomas Schamper beim letzten Hochwasser rund 2000 Kubikmeter Wasser aufgestaut hat. Die Frage einer Besucherin, ob denn am Stammerbach respektive Fendter Bach auch Notmaßnahmen ergriffen worden seien, blieb beim Info-Abend unbeantwortet. Das ließ Raum für Spekulationen, denn die Gemeinde wurde an dem Gewässerlauf sehr wohl tätig. Und zwar in der Nähe des Wanderparkplatzes an der Fendter Straße. Dort fließt der Bach in eine unterirdische Rohrleitung unterhalb der Bahnlinie. Aber warum wurden diese Arbeiten von den Rathausverantwortlichen verschwiegen?

Nun, die Gemeinde wollte sie schnell und unbürokratisch über die Bühne bringen. Anfang Juli ließ sie von einer Baufirma an der Verrohrung zwei Stahlträger in den Boden rammen, die als Halterung für Spundwände dienen sollen. Im Bedarfsfall, so der Plan, soll der Fendter Bach zurückgestaut und das Wasser zum Schutz der Unterlieger gedrosselt in die Verrohrung abgelassen werden. Alles schön und gut – wenn die Gemeinde nicht eine Mitteilung aus dem Landratsamt bekommen hätte. Dort war eine Beschwerde eingegangen, die auf die fehlende wasserrechtliche Genehmigung hingewiesen hatte.

„Ich weiß nicht, wer da im Landratsamt angerufen hat“, sagt Thomas Schamper im Gespräch mit der Heimatzeitung. In der Bürgerversammlung die Angelegenheit auszuplaudern, wäre ihm zufolge problematisch gewesen: „Wir haben uns da vorher nicht abgesprochen“, sagt Schamper. Der Bau der Spundwand sei inzwischen offiziell angemeldet worden. Zudem habe man sich mit den zuständigen Behörden darauf verständigt, das Genehmigungsverfahren nachzuholen.

Der provisorische Rückhalt könne bei Hochwassergefahr schon jetzt eingesetzt werden. Schamper ist „überzeugt, dass die Maßnahme etwas bringt“. An gleicher Stelle soll später einmal parallel zur Bahnlinie ein 400 Meter langer und acht Meter hoher Damm für ein 95 000 Kubikmeter großes Rückhaltebecken entstehen. Die Planung wird aber noch dauern. Wie viel Volumen die provisorische Spundwand zurückhält, kann laut Schamper nicht genau berechnet werden: „Es können 500 oder aber auch 1000 Kubikmeter sein.“ Flurschäden erwartet der Bauamtsmitarbeiter im Ernstfall keine: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass es keine landwirtschaftlichen Flächen überschwemmen wird.“

Das sieht Stefan Barnsteiner, dessen Sohn in unmittelbarer Nähe Flächen gepachtet hat, anders. Bei den letzten Starkregenfällen, so der CSU-Marktrat, habe es bis zu 15 Hektar zwischen Bahnlinie und Fendter Straße überschwemmt – und das noch ohne die Stauung durch Spundwände. „Um die Schäden kümmert sich danach keiner“, so Barnsteiner über das Problem der Landwirte. Wegen der Spundwand habe er im Wasserwirtschaftsamt Erkundigungen eingeholt: „Im Landratsamt habe ich aber nicht angerufen“, beteuert er. Die Maßnahme sei für den Notfall auch „okay“: „Ich will kein Remmidemmi machen“, so Barnsteiner, „aber ich halte nichts von Hauruck-Aktionen.“ Sein Vorwurf: Die Maßnahme sei ohne Rücksprache mit den Grundeigentümern veranlasst worden.

Barnsteiner will die Sache nun „gut sein lassen“. Was ihn jedoch ärgert, ist der Zustand des Stammerbachs in Richtung Maria-Aich-Kirche. Dort habe sich nicht nur ein Biber breitgemacht und die Uferböschung zugebaut, der Bachlauf sei „total zugewachsen“: „Das ist keine ordnungsgemäße Bachpflege“, kritisiert Barnsteiner. Zumindest ein Problem hat sich – unsanft – inzwischen gelöst: Der Biber wurde beim letzten Hochwasser samt seiner Verbauung weggespült.

Von Bernhard Jepsen

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