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Zwei Tage pro Woche ist Heidi Meßner-Schmitt mit einem der Fahrzeuge der Sozialstation unterwegs. Im Auto ist Angelika Berchtold zu sehen, mit der sie eng zusammenarbeitet. 

Heidi Messner-Schmitt im Porträt

Immer auf Achse für andere

Peißenberg - Heidi Meßner-Schmitt arbeitet als Bereichsleiterin bei der Sozialstation - und setzt sich gern auch selbst hinters Steuer. 

Seitdem die Ökumenische Sozialstation Oberland in das frühere Peißenberger Krankenhaus umgezogen ist, hat Heidi Meßner-Schmitt ihr Büro in einem schmucklosen, aber geräumigen Patientenzimmer in der ehemaligen Kurzzeitpflege. Dort koordiniert sie ein achtköpfiges Team. Die 57-Jährige ist die Bereichsleiterin für „Essen auf Rädern“.

Meßner-Schmitt wohnt seit 2014 mit ihrem Mann in Hohenpeißenberg. Er pendelt in einer Fahrgemeinschaft täglich nach Penzberg zur Arbeit. Sie hat morgens den deutlich kürzeren Weg. Meist teilt sie sich die Woche so ein, dass sie drei Tage im Büro sitzt, wo sie bei Anfragen Auskunft gibt, Bestellungen oder Rechnungen in den PC eintippt, und an zwei Tagen selbst mit dem Auto auf Achse ist. „Ohne Ausfahren wäre es bei Weitem nicht so abwechslungsreich“, sagt die Bereichsleiterin. Die Frau bringt’s also auch, das Essen auf Rädern. Genauso wie ihre Kolleginnen und die zwei Männer im Team. Unter den Bestellern sind viele Alleinstehende und nur wenige Ehepaare, sagt Heidi Meßner-Schmitt. Der – wenn auch nur kurze – Kontakt zu den Menschen sei bereichernd. Zudem habe sie, wenn sie sich selbst regelmäßig hinters Steuer eines Lieferautos setzt, „Verständnis für die Fahrer und für die Touren“.

Der „Cut“ vom Dezember 2015, als die Sozialstation Oberland vom Standort an der Bergehalde in das frühere Peißenberger Krankenhaus umzog, bedeutete auch für „Essen auf Rädern“ eine Umwälzung. Und zugleich einen Aufschwung. Denn die Fahrer holen die Gerichte – täglich ist es meist eines mit Fisch oder Fleisch sowie etwas Vegetarisches – in der Küche des Seniorenzentrums St. Ulrich, wo alles frisch gekocht wird. Vorbei sind damit die Zeiten, als in der Sozialstation selbst die fertig angelieferten Portionen noch schlussgegart wurden.

Durch diese Änderung, so erzählt die Bereichsleiterin erfreut, habe die Nachfrage bei „Essen auf Rädern“ deutlich zugenommen. Waren es bis Ende vergangenen Jahres täglich meist 70 Essen, so sind es mittlerweile deutlich über 100 Portionen, die zwischen Wielenbach und Altenstadt am späten Vormittag und am Mittag ausgefahren werden. Hinzu kommt noch einmal wöchentlich die Kaltauslieferung von gefrorenen Gerichten. Dabei werden Orte von Bernbeuren bis Bernried angefahren. Die früheren Alu-Schalen gibt’s nicht mehr; sie sind Regalsystemen mit einem Warmhaltesystem im Auto gewichen. Dadurch wird gewährleistet, dass selbst die letzte Portion noch 65 Grad warm ist, wenn sie zweieinhalb Stunden nach dem Beladen ins Haus gebracht wird. Wegen der gestiegenen Nachfrage sind aus den früheren zwei Touren für den Weilheimer und für den Schongauer Bereich inzwischen drei Routen geworden. Die neue Tour ist in der Mitte des Landkreises eingeschoben worden und bedient vorwiegend Haushalte in Peißenberg und Hohenpeißenberg.

Heidi Meßner-Schmitt freut sich darüber, dass sie ein „eingespieltes Team“ habe. Eng arbeitet sie mit Claudia Bierling (Peißenberg) und Angelika Berchtold (Paterzell) zusammen. „Wir können uns zu 100 Prozent aufeinander verlassen, betont sie. Voraussetzung für den Job sei eine gewisse körperliche Fitness. Denn es müssten öfters einige Kilogramm gelupft werden. Und so manches Essen werde bis in den dritten oder vierten Stock eines Hauses gebracht. Nur selten stünde ein Aufzug zur Verfügung. Ihren Körper ertüchtigt die 57-Jährige, die musikalisch „querbeet“ hört und auch der Klassik gegenüber aufgeschlossen ist, mit Gymnastik im Verein und mit Radeln. Gern schwingt sie sich auf den Sattel ihres Mountainbikes und tritt bergauf in die Pedale. „Darum macht mir ein Ausliefern in den dritten oder vierten Stock net so viel aus“, sagt die Frau mit dem Kurzhaarschnitt.

Aufgewachsen in Eschenlohe, machte Heidi Meßner-Schmitt nach der Wirtschaftsschule, die sie mit der Mittleren Reife abschloss, eine Lehre zur Einzelhandelskauffrau. Sie hat zwei erwachsene Kinder aus der ersten Ehre. Der 31-jährige Sohn ist in Peißenberg zu Hause, die 28-jährige Tochter wohnt in Lindau. Von Eschenlohe hat es Meßner-Schmitt in den 1990er Jahren nach Peißenberg verschlagen. Die Sozialstation suchte damals einen Fahrer. Ein Jahr machte sie den Job als Aushilfe, seit 2001 ist sie fest angestellt. Inzwischen arbeitet sie seit zwölf Jahren als Bereichsleiterin.

„Die Schicksale berühren mich sehr“, gesteht Heidi Meßner-Schmitt. Gern wechselt sie, wenn sie das Essen auf Rädern bringt, mit so manch älterer Frau und älterem Mann den einen oder anderen Satz. Viel Zeit bleibt dafür freilich nicht. Gewiss sei der Kontakt nicht so intensiv wie in der ambulanten Pflege. Aber dennoch bleibt „das gute Gefühl, einen Beitrag zum Wohlbefinden anderer Menschen zu leisten“.

Text: Johannes Jais

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