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Die „Sulzer Kaskaden“: Hans Fischer gehört der Grund, über den der Sulzer Bach fließt.

Bach wurde ausgebaut

„Sulzer Kaskaden“ wieder in Schuss

Peißenberg - Nach einem Hochwasser wurden die „Sulzer Kaskaden“ vom Wasserwirtschaftsamt gebaut. Grundstückseigentümer Hans Fischer gefällt‘s, allerdings hätte er gerne ein Wörtchen mitgeredet.

Der Sulzer Bach entspringt unterhalb von Vorderschwaig am Osthang des Hohen Peißenbergs. Auf direktem Weg fließt das Wasser dann hinunter Richtung Peißenberg – über den Sulzer Stollen und mehr als zehn Staustufen. Wasserbautechnisch sieht das sehr beeindruckend aus. „Das sind die ,Sulzer Kaskaden‘. Eigentlich könnte ich einen Kiosk hinstellen und einen Wanderpunkt aufmachen“, scherzt Grundeigentümer Hans Fischer. Im gehört die gesamte Waldfläche von der Sulz hinauf bis zum Weinbauer. Ein schöner Besitz, der aber viel Unterhalt und manchmal auch Unannehmlichkeiten bedeutet.

Im Spätsommer zum Beispiel rückte das Wasserwirtschaftsamt mit schwerem Gerät an. Nach den Starkregenfällen waren die Stauräume am Sulzer Bach zugeschwemmt und die Kaskaden umspült. Die Standsicherheit der Fallstufen war dadurch gefährdet. Als Maßnahme zum Hochwasserschutz wurde auf Staatskosten der gesamte Bachlauf für 120 000 Euro saniert und der Uferbereich ordentlich ausgeholzt. Außerdem wurde das verstopfte Durchlassrohr unterhalb des durch die Starkregenfälle zerstörten Zufahrtswegs zum Felsenkeller freigelegt. Fischer will nicht falsch verstanden werden: „Das Wasserwirtschaftsamt hat dort eine Top-Arbeit geleistet, besser geht es nicht“, betont er. Reibereien mit der Behörde gab es jedoch bezüglich der Kostenübernahme für den Felsenkellerweg.

Was Fischer zudem stört, ist das aus seiner Sicht fehlende Mitspracherecht. Fischer will bei behördlichen Eingriffen auf seinem Grund bereits in die Vorplanung einbezogen werden: „Ich möchte gefragt werden, wenn etwas passiert. Ich bin der Letzte, der dann nicht zustimmen würde“, sagt Fischer: „Als Eigentümer muss man da schon einiges schlucken.“ Wie gesagt: Fischer sträubt sich nicht generell gegen Eingriffe – vor allem nicht, wenn es um Hochwasserschutzprojekte geht. Der Sulzer Bach ist zwar nicht besonders lang, aber nach Fischers Beobachtungen befördert er nach Starkregenfällen „in kurzer Zeit sehr viel Wasser“, so Fischer. „Der Bach ist eine Gefahr. Ich bin jetzt 70 Jahre alt, aber so ein Hochwasser wie heuer habe ich noch nicht erlebt.“ Zu einer etwas anderen Einschätzung kommt das Wasserwirtschaftsamt Weilheim. Abteilungsleiter Bernhard Müller bestätigt auf Nachfrage, dass die Bäche am Osthang des Hohen Peißenbergs, zu denen neben dem Sulzer Bach auch der Michelsbach und der Buchaugraben gehören, selbst bei Starkregenfällen durchaus „leistungsfähig“ sind: „An den Wildbächen gibt es hydraulisch eigentlich kein Problem“, lautet die Expertise Müllers. „Kleinere Defizite“ gebe es lediglich am Michelsbach – und zwar an der Einmündung zum Wörtersbach im Peißenberger Ortsgebiet.

Überhaupt der Wörtersbach: Laut Müller ist er das Hauptproblem für die innerörtliche Hochwasseranfälligkeit. Der Bach führt bei Starkregenfällen einfach zu viel Wasser, weshalb er an den Zuläufen der Wildbäche nicht mehr aufnahmefähig ist. Die Konsequenz daraus: „Wir müssen schauen, dass der Wörtersbach weniger Wasser führt“, so Müller.

Im bisherigen Hochwasserschutzkonzept der Marktgemeinde sind eigentlich mehrere Regenrückhaltebecken vorgesehen – auch an den Wildbächen am Osthang des Hohen Peißenbergs. In dem topografisch schwierigen Gelände wären die Bauten laut Müller nur mit einem „irren Aufwand“ zu bewerkstelligen. Selbigen könne man sich aber sparen, wenn ein großes Auffangbecken am Wörtersbach südwestlich des Recyclinghofs gebaut werde. Und was sagt der Abteilungsleiter zu Fischer? „Als er mitbekommen hat, dass wir uns am Sulzer Bach die Schäden angeschaut haben, hat er sich telefonisch beschwert.“ Allerdings sei es Usus der Behörde, sich zunächst einmal vor Ort ein Bild zu machen. „Erst wenn wir genau wissen, welche Maßnahmen konkret anstehen, gehen wir auf die Grundeigner zu“, erklärt Müller. Nach diesem Prozedere sei auch mit Fischer verfahren worden: „Er war informiert“, so Müller.

Bernhard Jepsen

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