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Neuer Arbeitsplatz: Dr. Wilhelm Fischer leitet das Krankenhaus Schongau als Ärztlicher Direktor. 

Wilhelm Fischer im Porträt

„Landarzt“ mit internationalem Renommee

Peißenberg - Dr. Wilhelm Fischer ist Spezialist für Herzschrittmacher, Chef am Krankenhaus Schongau und ambitionierter Bergsteiger. Ein Porträt.

Ende der 1960er Jahre kam ein angehender Medizinstudent für sein erstes Praktikum ans Krankenhaus nach Schongau. Er wollte einfach mal schauen, ob der Beruf ihm liegen könnte. Mehr als 45 Jahre später kehrte der einstige Praktikant nach Schongau zurück – als Chefarzt und Ärztlicher Direktor. Für Dr. Wilhelm Fischer (67) aus Hohenpeißenberg schließt sich somit ein Kreis. Und im Gegensatz zum Ende der 1960er Jahre musste Fischer sich nicht bewerben, um ihn wurde geworben.

Weite Teile seines Berufslebens hat Fischer ansonsten in Peißenberg verbracht. Nach dem Studium in München und London arbeitete der gebürtige Ammerhöfer (heute Gemeinde Hohenpeißenberg) in Haag und Rosenheim sowie als Stabsarzt bei der Bundeswehr, ehe er 1984 Chefarzt der „Inneren Abteilung“ am Knappschaftskrankenhaus Peißenberg wurde. In diesen 31 Jahren hat Fischer bis zur Schließung des Hauses diesem ein Gesicht gegeben, ähnlich wie sein langjähriger Kollege Dr. Ulf Knabe oder der verstorbene Hans Schleicher. Mit dem Haus verbindet ihn viel: Sein Vater, wie sein Großvater Bergmann, ist nach einem Grubenunglück an Heiligabend dort am 27. Dezember 1948 gestorben, noch ehe Fischer geboren war.

Jetzt, im Rentenalter, hat der Internist eine weitere Stufe auf der Karriereleiter erklommen – aber das war eigentlich nicht sein Bestreben. Ihm ging es darum – und das darf man ihm getrost glauben –, die bevorstehende Schließung des Krankenhauses so erträglich wie möglich für seine Mitarbeiter zu gestalten. Die meisten von ihnen sind mit ihm nach Schongau umgezogen, der Rest fand eine Anstellung in Weilheim.

Diese Entwicklung freut den ambitionierten Bergsteiger und Hobby-Musiker sehr, auch wenn einige geplante Berg- und Ski-Touren wegen der Arbeitsbelastung verschoben werden müssen. Ein langsames Siechtum des ehemaligen Knappschaftskrankenhauses bis zur dann wohl endgültigen Schließung 2018 wäre ihm ein Graus gewesen.

Der jünger aussehende 67-jährige Reise-, Alpin-, und Höhen-Mediziner, der durch seine ruhige und unkomplizierte Art besticht, nimmt da sogar in Kauf, dass er wegen des fehlenden körperlichen Ausgleichs derzeit ein paar Pfunde zu viel auf den Rippen hat. Allerdings war er soeben im einwöchigen Urlaub auf Ski-Touren im Großglockner-Gebiet und hat an seiner Fitness gearbeitet. „Das habe ich bitter bezahlt, am ersten Arbeitstag waren über 100 neue Mails in meinem Rechner.“ Aber trotzdem sieht er in seiner neuen Aufgabe dank der positiven Umstände eine Herausforderung, keine Belastung. „Das ist größtenteils Eustress für mich.“

Die Büroarbeit und die Organisation sind für Fischer in diesem Umfang Neuland, in diesem Bereich war Peißenberg überschaubarer. Seine medizinische Arbeit setzt der international renommierte Spezialist für Herzschrittmacher, Defibrillatoren und CRT (eine Methode, damit beide Herzkammern gleichzeitig schlagen) trotzdem fort, ergänzt damit das Spektrum des Schongauer Krankenhauses.

Der „Landarzt“, wie Fischer sich selbst bezeichnet, ist ein Unikum unter den internationalen Spezialisten für Herzschrittmacher, all seine Kollegen arbeiten in großen Häusern oder an Universitätskliniken. Aber das hat auch seine Vorteile: Eifersüchteleien – unter Medizinern im Wissenschaftsbereich nicht gänzlich unüblich – muss der Arzt aus dem kleinen Peißenberg nicht befürchten. Fischer hat mehrere Fachbücher verfasst, sein neues, „Praxis der Herzschrittmacher-Nachsorge: Grundlagen, Funktionen, Kontrolle“, gilt wie andere auch als Standardwerk und wurde in mehrere Sprachen, darunter Japanisch, übersetzt. Die Gesamtauflage seiner Bücher liegt bei über 20 000.

Und Fischer hat die Bücher tatsächlich alle selbst geschrieben – das ist beeindruckend, wenn man weiß, dass er auch noch eine Vielzahl von Ehrenämtern bekleidet: Er ist seit 27 Jahren Rot-Kreuz-Chefarzt im Kreisverband, gehört dem Stiftungsrat des Hospizvereins in Polling an, sitzt in der deutschen elektrotechnischen Kommission, die sich um die Zulassung und DIN-Normen von technischen Geräten wie Herzschrittmachern kümmert, ist Fachärzteprüfer, gibt Sachkundekurse für Ärzte und hält weltweit Vorträge über sein Fachgebiet. Außerdem ist er auch noch hiesiger Rotary-Präsident.

Die zahlreichen Ehrenämter – die Liste ist längst nicht vollständig – beweisen auch eines: Fischer kann nur schwerlich Nein sagen. „Ja, da ist was dran.“ Die Familie zu Hause, er wohnt mit seiner Frau sowie mit Tochter und Enkel wieder in seinem Geburtshaus in Hohenpeißenberg, bekommt er selten zu Gesicht.

Trotz der Arbeitsbelastung und seines Alters ist Fischer, auch wenn er ein wenig klagt, noch richtig fit und ein richtig guter Bergsteiger. Die Tour auf die Zugspitze von der Ehrwalder Bahn schafft er in weniger als vier Stunden, sie ist mit rund sechs Stunden angegeben. Mit seinem Kollegen Dr. Karl Flock, dem Bezwinger der Seven-Summits aus Weilheim, und anderen war er auf zahlreichen Bergtouren und Expeditionen unterwegs. Er war am Mount McKinley, bezwang die Carstensz-Pyramide (Indonesien), klettertechnisch seine größte Herausforderung, und machte auf dem Mount Vinson (Antarktis) medizinische Experimente. Auf all diese Touren, bei denen er jenseits der 50 Lebensjahre war, hat sich Fischer akribisch vorbereitet. Ließ sich durchchecken, absolvierte leistungsdiagnostische Tests und ging mit Flock – und einem prall mit Wassertornistern gefüllten Rucksack auf dem Rücken – auf Bergtouren in der Umgebung.

Fischer hat noch ein weiteres Steckenpferd: die Akupunktur. Als Medizinstudent kam er mit ihr erstmals in Berührung und war äußerst skeptisch, was deren Wirkungsweise betrifft. Also machte er sich daran, zu beweisen, dass Akupunktur nicht hilft. Doch da irrte Fischer, wie er gerne erzählt. Akupunktur hilft, und seit nunmehr 40 Jahren behandelt der technikaffine Fischer Menschen nach dieser 2000 Jahre alten Methode. Das hätte er sich als junger Student wohl auch nicht träumen lassen.

-Johannes Thoma-

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