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Das kurze Leben eines Jagdfliegerpiloten im Dritten Reich

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Von: Franziska Seliger

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Harald Kreuzer sitzt an einem Tisch und hält sein selbst geschriebenes Buch in der Hand.
Der Penzberger Harald Kreuzer hat ein Buch über seinen Onkel Albert geschrieben, der im Dritten Reich Jagdfliegerpilot war. © Seliger

Der 11. Mai ist für den Penzberger Harald Kreuzer ein besonderes Datum. Denn am 11. Mai 1944 wurde sein Onkel Albert, ein Jagdfliegerpilot im Dritten Reich, in Frankreich abgeschossen. In jahrelanger Recherche hat sein Neffe dem kurzen Leben seines Onkels nachgespürt und nun ein Buch darüber geschrieben – nicht um es zu veröffentlichen, sondern für seine Familie.

Penzberg – Gepackt hat es Harald Kreuzer vor rund 20 Jahren. Damals bekam der heute 76-Jährige einen Anruf aus Belgien von einem Mann, der an einem Buch über das Jagdgeschwader 2 „Richthofen“ der deutschen Luftwaffe arbeitete und Fragen zu seinem Onkel Albert Kreuzer hatte. Albert Kreuzer (geboren 1921 in Antdorf), so erzählt der Penzberger, habe sich von der Schulbank weg 1939 bei der Luftwaffe beworben.

Bis heute gilt der Onkel offiziell als vermisst

Sein Onkel, so hat Kreuzer bei seinen Recherchen herausgefunden, war von Kindheit an überzeugter Nazi. In seiner Schulzeit sei er Fähnleinführer der Hitlerjugend (HJ) in Penzberg gewesen. Im Zweiten Weltkrieg sei er als Jagdflieger für besagtes Jagdgeschwader im Einsatz gewesen, bevor er im Mai 1944 abgeschossen wurde. Bis heute gelte sein Onkel als vermisst.

Viel mehr habe er bis zu diesem Anruf nicht über seinen Verwandten gewusst, so der Penzberger. „Nur, dass er gut in der Schule war.“ Und, dass er in den Ferien im Penzberger Bergwerk arbeitete.

Recherchen im In- und Ausland

Der Anruf weckt Kreuzers Neugier. Bei Behörden und militärischen Organisationen im In- und Ausland sucht er nach Spuren seines Onkels, mit allen möglichen Menschen auf der Welt tritt er in Kontakt. Dabei findet er alte Fotografien, man schickt ihm Daten und Urkunden zur militärischen Ausbildung seines Onkels oder nennt seine Einsatzorte als Jagdflieger. Erst durch diese Recherchen habe seine Familie erfahren, an welchem Tag Albert Kreuzer abgeschossen wurde und wo. Sogar den Namen und ein Foto des US-Piloten, der seinen Onkel vom Himmel holte, findet er heraus. Leider, sagt er, sei der Amerikaner zu diesem Zeitpunkt seiner Recherche bereits verstorben gewesen. Sonst hätte er mit ihm Kontakt aufgenommen.

Maria und ihr Sohn Albert Kreuzer stehen Arm in Arm vor einem Zaun.
Der letzte Urlaub: Das Foto zeigt Albert Kreuzer bei seinem letzten Fronturlaub vor seinem Tod zusammen mit seiner Mutter Maria in Penzberg. © Privat

„Mit der Zeit packt es einen einfach“, erklärt Kreuzer, warum er über Jahre hinweg über das Leben seines Onkels geforscht habe.

Wie die Ideologie der Nationalsozialisten einen Menschen dazu bringen konnte, sein Leben aufs Spiel zu setzen, „das hat mich interessiert“, erklärt Kreuzer, der vor seiner Rente in der Computerbranche tätig war.

Rund 20 Jahre nach Beginn seiner Spurensuche hat Kreuzer all seine Informationen sortiert und von einem Anbieter im Internet zu einem Buch binden lassen. Sein Titel: „Vom Hitlerjungen zum Kriegsfreiwillige: Das kurze Leben des Albert Kreuzer“.

Veröffentlicht werden soll das Buch nicht

Veröffentlichen will er das rund 80 Seiten umfassende Werk angefüllt mit Dokumenten, Fotografien und Details zur Ausbildung eines Jagdfliegers im Dritten Reich nicht. Er habe es für seine beiden Söhne verfasst. „Um die Familiengeschichte festzuhalten.“ Und auch, um damit ein bisschen die Familiengeschichte aufzuarbeiten.

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