Er ist schizophren

Penzberger (27) würgt und beißt schwangere Freundin - Prozess hat begonnen

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Sie war verlobt, schwanger und freute sich auf ein Leben zu dritt. Doch dann kam alles anders. In einer Septembernacht 2016 wurde eine 27-Jährige in Penzberg von ihrem gleichaltrigen Freund gewürgt.

Penzberg/München – Der Penzberger  hatte einen schizophrenen Schub. Sie fürchtete um ihr Leben. Seit gestern wird dem jungen Mann am Landgericht München II der Prozess gemacht.

An die Tat konnte sich der Penzberger nicht mehr genau erinnern. Wenige Stunden zuvor hatte er sich im Fernsehen ein Spiel von 1860 München angeschaut. Dann legte sich das Paar schlafen. Gegen drei Uhr früh wachte er auf und fragte seine Freundin, ob sie ihn für blöd halte. Sie wollte ihn daraufhin in die Klinik bringen, er hatte sich den ganzen Tag schon so komisch benommen, hatte sein Handy vom Akku „befreit“, ein Bild von der Wand genommen. Dann würgte er sie und biss ihr in die Lippe.

„Haben Sie gedacht, Sie müssen sterben?“, fragte Richterin Renate Partin die Frau im Zeugenstand. „Ja, leider“, antwortete die 27-Jährige, und die Tränen rollten ihr in Erinnerung an die furchtbare Nacht über die Wangen. Sie habe einmal um Hilfe rufen können, eine Nachbarin hätte sie sogar gehört, jedoch gedacht, sie und ihr Freund würden irgendwelche Spielchen machen. Nachdem er von ihr abgelassen hatte, gingen beide Hand in Hand zu den im Erdgeschoss lebenden Eltern. Die riefen einen Krankenwagen, später kam auch die von den Sanitätern alarmierte Polizei. Ein Sonder-Einsatz-Kommando (SEK) umstellte sogar das Haus, weil der 27-Jährige in seinem Wahn mit einem Messer herum gefuchtelt hatte. Der Sanitäter wollte ihn nämlich zu einem Arzt bringen lassen. Darauf reagierte der 27-Jährige total aggressiv. Das Messer warf der Penzberger irgendwann vom Balkon und drohte dann, von der Brüstung zu springen. Er konnte noch rechtzeitig überwältigt werden.

Am gestrigen Dienstag im Gerichtssaal wirkte der Penzberger ganz friedvoll. Es war ihm sichtlich unangenehm, über Geschehenes zu reden. Alles erschien ihm in der Rückschau so unwirklich. Heute wohnt er in einer betreuten Wohnung, die Verlobung wurde aufgehoben. Mutter und Kind sieht er regelmäßig. Der Kleine ist sein ein und alles, regelmäßig zahlt er für ihn Unterhalt. Gegen seine Krankheit bekommt er jeden Monat eine Depotspritze.

Weil er zur Tatzeit aufgrund seiner Psychose schuldunfähig war, kann der Penzberger zu keiner Haftstrafe verurteilt werden, es geht im Prozess nur um seine Unterbringung in der Psychiatrie. Dorthin war er nach der Attacke gebracht worden. Heuer im April wurde er wieder entlassen, da von ihm keine Gefahr mehr für sich oder andere Personen ausging. Zum Prozess kam er als freier Mann. Vermutlich droht ihm deshalb keine erneute Einweisung, sondern er kommt mit einer Bewährung davon. Der Prozess dauert an.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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