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61 Prozent aller Geräte laufen wieder - wie die Tüftler des Reparatur-Cafés auf das erste Jahr zurückblicken

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Feierten ein Jahr Reparatur-Café: (v.l.) Dieter Raisch, Anette Völker-Rasor (Förderverein Werkraum und Unterstützerkreis Asyl), Herbert Preuß, Mohamad Hussein, Katja Wippermann (VHS) und dritter Bürgermeister Hardi Lenk.
Feierten ein Jahr Reparatur-Café: (v.l.) Dieter Raisch, Anette Völker-Rasor (Förderverein Werkraum und Unterstützerkreis Asyl), Herbert Preuß, Mohamad Hussein, Katja Wippermann (VHS) und dritter Bürgermeister Hardi Lenk. © Anneliese Steibli

Penzberg – Wegwerfen kommt nicht in Frage: Beim Penzberger Reparatur-Café werden – wie es der Name schon sagt – defekte Geräte instandgesetzt, und das kostenlos. Die Tüftler blickten nun auf das erste Jahr zurück - und können stolz sein.

VON ANNELIESE STEIBLI

Penzberg - Zwei Jahre sei es her, dass Seniorenbeirat und Volkshochschule (VHS) die Idee hatten, ein Reparatur-Café aufzubauen, sagte VHS-Leiterin Katja Wippermann bei der kleinen Feier zum Einjährigen. Mit dem Verein „Werkraum“ habe man einen großartigen Partner gefunden, lobte sie. Nun feierte das Reparatur-Café im kleinen Kreis sein Einjähriges. Menschen, die Dinge hatten reparieren lassen, konnten wegen Corona zur Feier jedoch nicht eingeladen werden. Dabei lebe das Café von der Beteiligung durch die Bevölkerung. Alle zwei, drei Minuten käme jemand mit einem defekten Gerät, was für Wippermann ein deutliches Zeichen ist, dass es eine Strömung gegen die Wegwerfgesellschaft gebe.

Penzbergs dritter Bürgermeister Hardi Lenk zeigte sich erfreut über die Entwicklung und dankte allen Beteiligten im Namen der Stadt. „Penzberg ist stolz, so eine Organisation zu haben. Bei Problemen wird es immer ein offenes Ohr geben. Wir unterstützen gerne, wo wir können“, versprach der dritte Bürgermeister.

172 Geräte wurden angenommen, 61 Prozent laufen wieder

Eine kleine Statistik des ersten Jahres stellte Herbert Preuß vor. 172 Geräte seien angenommen worden. Davon konnten 61 Prozent repariert werden. Neben einem alten Röhrenradio (wir berichteten) sei ein Höhepunkt die Reparatur der Baseballwurfmaschine für den TSV gewesen, so Preuß. Joachim Rau, der seine Tüftler-Fähigkeiten schon öfter unter Beweis gestellt hatte, setzte das Gerät, das in den USA hergestellt worden war, wieder in Gang – und das ohne Schaltplan. Nach dem Lockdown seien vermehrt Nähmaschinen gebracht worden. Hier hatte sich Mohamad Hussein bewährt, ein Schneider aus Syrien, der nicht nur nähen könne, sondern auch alle Maschinentypen flugs reparierte. Große Freude mache die Reparatur von Kinderspielzeug, so Preuß. Die 13 Reparateure vieler Fachrichtungen würden oft viele Stunden tüfteln und selten aufgeben.

Reparatur kostet nichts, Spenden werden aber gern genommen

Honoriert wird die ehrenamtliche Arbeit mit Spenden. Zwischen 2 und 50 Euro seien gegeben worden, sagte Preuß. Die Einnahmen wurden in Material und Werkzeuge investiert, ein größerer Teil ging an den Förderverein Werkraum.

Im Namen des Vereins blickte Anette Völker-Rasor fünf Jahre zurück zur Gründung des Unterstützerkreises Penzberg Asyl. Drei Jahre später sei der Förderverein Werkraum gegründet worden, weil man gelernt hatte, dass Asylbewerber nicht nur Deutschkurse benötigten, sondern auch praktische Dinge wichtig seien. Im November 2017 wurden die Räume an der Christianstraße bezogen. Neben der Radlwerkstatt kam dort schließlich auch das Reparatur-Café unter. Gewandelt habe sich nicht nur die Arbeit der Ehrenamtlichen, das Engagement konzentriere sich jetzt auf die Bekämpfung der Fluchtursachen. Durch Pfarrer Njokus ergab sich die Beteiligung am Projekt „Stark machen fürs Bleiben“ in Owerri in Nigeria. Seit Dezember 2018 gibt es dort eine Nähwerkstatt. Im ersten Ausbildungsjahr wurden zwölf Näherinnen ausgebildet. Im Moment sei das zweite Ausbildungsjahr angelaufen, so Völker-Rasor. Mit den Spenden aus dem Reparatur-Café und 1000 Euro aus dem Projekt „Coming Home“, einem EU-Projekt für Rückkehrhilfen, konnten acht neue Nähmaschinen gekauft werden, die den Frauen helfen, für sich eine Existenz in Nigeria aufzubauen.

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